In der Innenstadt demonstrierten mehrere tausend Menschen gegen Diskriminierung – Zwei Bündnisse hatten aufgerufen.
Demo in der CityDeutliches Zeichen gegen Rassismus

Demo von „Köln stellt sich quer“ und „Arsch huh“
Copyright: Costa Belibasakis
Lisa Riplinger und Julia Rebbien stehen in der bunten Menge auf dem Hohenzollernring und lauschen dem Auftritt von Toi et Moi und Amouri auf der Bühne, die mitten auf dem Ring zwischen Friesenplatz und Rudolfplatz aufgebaut wurde. Die beiden wollen auf der Demonstration der Kölner Bündnisse „Arsch huh“ und „Köln stellt sich quer“ ein Zeichen gegen Rassismus setzen, aber auch für den aktiven Kampf gegen Diskriminierung einstehen.
„Ich kann nicht einfach sagen: Ich bin bestimmt nicht rassistisch, weil ich gerne zum Türken essen gehe. Uns muss klar sein, dass wir in rassistischen Strukturen aufgewachsen sind und Rassismus ganz tief in unserer Gesellschaft verwurzelt ist“, findet Lisa Riplinger. An der Veranstaltung gefalle ihr besonders, die Vielzahl an Bündnissen und dass diese zusammenkommen: „Der einzige Weg ist meiner Meinung nach Vernetzung und ich finde es toll, dass auf der Bühne verschiedene Perspektiven wie kurdische und iranische zu Wort kommen. Wir zeigen hier, dass wir mehr sind.“
Tilly-Wagen in Köln
„Wir sind mehr“ steht auch auf dem von Jacques Tilly gestalteten Karnevalswagen, den die Veranstalter anlässlich der Demonstration nach Köln geholt haben. Dort sperrt ein riesiger Fisch mit schwarz-rot-goldener Rückenflosse sein Maul auf, um einen grimmig und sauer dreinschauenden, kleineren Fisch mit Rückenflosse in den Farben Blau und Rot und AfD-Logo-ähnlichem Pfeil zu verschlucken. Auf dem großen Fisch sind viele kleine bunte Fische gezeichnet. Der AfD-Fisch hat auch ein entstelltes Hakenkreuz aufgemalt und eine Sprechblase mit „Wir sind das Volk“.
Die Demonstration, die um 13 Uhr auf dem Sudermanplatz startete und über die Ringe bis zum Hohenzollernring zog, fand ihren Höhepunkt in den Auftritten der Rednerinnen und Redner und Musikschaffenden. Mit dabei waren unter anderem Miljö, Veedelperlen und Gerd Köster. Journalistin und Moderatorin Nada Assaad fand klare Worte: „Rassismus bedeutet, dass Menschen mit Migrationsgeschichte, also Menschen wie ich, sich manchmal in Deutschland nicht mehr zu Hause fühlen, obwohl wir Deutschland unsere Heimat nennen, vielleicht weil wir anders aussehen, andere Namen haben oder in einem anderen Land geboren wurden.“
"Sich seiner Privilegien bewusst sein"
Assaad erklärt, was für sie Antirassismus bedeutet, denn es reiche nicht, nur ein Zeichen zu setzen, sondern es brauche eine Haltung, die in Fleisch und Blut übergehen müsse: „Anti-Rassismus bedeutet, unangenehme Situationen am Küchentisch anzusprechen und Diskussionen auch dann zu führen, wenn sie uns Zeit und Energie kosten. Es bedeutet, sich seiner Privilegien bewusst zu sein und diese aktiv zu nutzen, um Menschen zu beschützen, die weniger privilegiert sind.“
An der Demonstration anlässlich des Internationalen Tags gegen Rassismus nahmen weniger Menschen teil, als angemeldet waren. Die Bündnisse riefen auch anlässlich der im Frühjahr und Sommer stattfindenden Kommunal- und Landtagswahlen zum Demonstrieren auf.
Für Angela Dismar, die am Rand der Bühne dem Auftritt von Assaad lauscht, ist es wichtig, die Demonstration zu besuchen, um daran zu erinnern, dass sich die Verbrechen des NS-Regimes in Deutschland nicht wiederholen dürfen. Sie hält ein Schild mit der Aufschrift „Nie wieder ist jetzt“ hoch. „Das bedeutet für mich die Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg und dem NS-Regime, dass wir Menschenrechte achten, egal woher die Menschen kommen, und diese schützen müssen.“
An einer Anleitung zum Widerstand versucht sich das Ensemble des Schauspiel Köln unter Intendant Kay Voges. In kurzen Vorträgen gibt die Gruppe Widerstandskämpfern eine Stimme. Kurt Tucholskys Gedicht „Rosen auf dem Weg verstreut“ wird deklamiert und Timothy Snyders („20 Lektionen für den Widerstand“) gibt Tipps wie: Leiste keinen vorauseilenden Gehorsam. Verteidige Institutionen. Frage nach und überprüfe. Achte auf gefährliche Wörter. Sei so mutig wie möglich.
