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Aus in HollymündKöln will Mitsprache beim WDR-Gelände in Bocklemünd

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Zu sehen ist das WDR-Produktionsgelände in Bocklemünd

Das Produktionsgelände des WDR in Bocklemünd soll verkauft werden.

Ein halber Quadratkilometer mitten in Köln steht zur Disposition: das WDR-Gelände in Bocklemünd. Die Ratspolitik ist sich einig – Köln muss Einfluss auf die Zukunft dieser Fläche nehmen. 

Um Chancen, Nutzen und Potenziale ging es in einer Aktuellen Stunde des Rates zum 513.000 Quadratmeter großen Produktionsgelände des WDR in Bocklemünd. Dieses soll bis 2025 wie berichtet verkauft werden, weil sich der Unterhalt für den öffentlich-rechtlichen Sender nicht mehr rechnet. Die Aktuelle Stunde wurde gemeinsam beantragt von Grünen, CDU, SPD, Linke, Volt sowie der Fraktion von FDP und KSG. Immer wieder wurde dabei auch Bezug genommen auf den in der Nachbarschaft gelegenen Bio-Campus.

Von einer „Kopplung von Wissenschaft und Wirtschaft“ sprach beispielsweise Sergen Belen von Volt. Der grundlegende Wandel durch moderne KI-Produktionsmethoden müsse durch die Stadt begleitet werden, um nicht abgehängt zu werden. Belen brachte zudem einen Standort für ein Leistungszentrum des 1. FC Köln ins Spiel.

Ideen gibt es bereits viele

Gewerbe, Industrie, Medien, Gesundheitstechnologie und nicht zuletzt Wohnen Ideen gibt es bereits viele, konkrete Vorstellungen noch nicht. Etwas handfester wurde es bei den Bereichen, die man lieber nicht auf dem Gelände haben möchte: Für Logistiker und Einzelhandel gebe es geeignetere Flächen, erklärte etwa Heiner Kockerbeck von der Linken. Bislang gebe es allerdings nur unvollständige Infos, mahnte Roman Schulte von den Grünen an. „Es gibt schließlich nicht nur das Produktionsgelände selbst, sondern auch ein ganzes Ökosystem drumherum.“ Wichtig sei, weiter gute Rahmenbedingungen für den Medienstandort Köln zu schaffen.

Die Tradition genau dieses Medienstandortes war es auch, die unter anderem Christian Joisten von der SPD hervorhob und eine „konsequente Weiterentwicklung“ anregte. Er könne sich darüber hinaus gut vorstellen, erfolgreichen Unternehmen hier Raum zu geben – Biontech etwa, von Kölnern gegründet, aber in Mainz ansässig. „Unmittelbaren Zugriff“ der Stadt wünsche er sich für das Gelände und brachte damit wie die Mehrheit der Redner an diesem Tag eine Kaufoption durch die Stadt ins Spiel.

Start eines neuen Kapitels

Vom „Beginn eines neuen Kapitels“ sprach CDU-Fraktionsgeschäftsführer Niklas Kienitz und nahm auch den WDR selbst in die Verantwortung: Er mahnte frühzeitige Gespräche und vor allem ausreichende Transparenz an, was den Verkauf der Flächen angehe. „Es kann ein gutes neues Kapitel werden. Wir erwarten aber auch, dass der WDR die Stadt beim Weg dorthin unterstützt.“ Eine Haltung, die sich durch alle antragstellenden Fraktionen hinweg durchzog. Oft war an diesem Tag von einem „Gestaltungsanspruch“ durch die Stadt die Rede: „Wir müssen rechtzeitig ein Signal geben, in welche Richtung es gehen soll“, erklärte Stefanie Ruffen von der FDP.

AfD-Ratsherr Matthias Büschges lehnte einen Kauf des Geländes durch die Stadt im Gegensatz zu vielen anderen ab: Es könne nicht sein, dass es erst durch Gebühren des öffentlich-rechtlichen Rundfunks entwickelt und dann über Steuern zurückgekauft werde. Die Stadt habe andere Sorgen.