Weil die Baugenehmigung auf sich warten lässt, verzögert sich der Beginn der Arbeiten für ein neues Musical-Theater in Köln. Derweil hat der Vorverkauf für das Musical „Phantom der Oper“ begonnen.
Ersatz für das „blaue Zelt“Ab Sommer wird in Köln ein neues Musical-Theater gebaut

Hinter dem Staatenhaus im Deutzer Rheinpark will ATG ab Sommer ein neues Musical-Theater bauen, das 2028 eröffnen soll.
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Der Bau des geplanten neuen Musical-Theaters in Deutz wird erheblich später beginnen als geplant. Wie berichtet, will der Musical-Betreiber ATG Entertainment GmbH (früher BB Group) am Staatenhaus im Rheinpark einen Neubau mit 1800 Plätzen errichten. Er soll den Musical Dome am Breslauer Platz ersetzen, der im Februar 2028 dem Ausbau des Kölner Hauptbahnhofs weichen soll. Nach Rundschau-Informationen will ATG in das „Theater am Rhein“ mehr als 100 Millionen Euro investieren. 270 zusätzliche Arbeitsplätze würden geschaffen und rund 500.000 zusätzliche Besucher pro Jahr in Köln erwartet, stellte die Stadtverwaltung den Politikern im Stadtrat in Aussicht. Doch es gibt noch immer keine Baugenehmigung für das Projekt.
Lea Kaub, Sprecherin von ATG Entertainment, bestätigte der Rundschau: „Wir warten zurzeit noch auf die Baugenehmigung der Stadt Köln. Nach der aktuellen Planung gehen wir davon aus, dass die Bauarbeiten im Sommer 2026 beginnen können. Zuerst findet der Abriss der alten Messehalle statt. Danach wird das neue Musical-Theater errichtet.“
ATG will das neue Musical-Theater bis 2028 errichten
Ursprünglich wollte ATG bereits im Januar 2026 mit den Arbeiten beginnen. Die bisherige Verzögerung von mehreren Monaten sieht der Musical-Betreiber als nicht allzu problematisch an. „Wir geben unser Bestes und sind optimistisch, dass der Bau im geplanten Zeitrahmen realisiert werden kann“, so Kaub.
Nach dem bisherigen Zeitplan soll das neue Musical-Theater in Deutz möglichst im Frühling 2028 spielbereit sein, um eine musicallose Zeit in Köln zu verhindern. Für Abriss und Neubau blieben dann nur knapp zwei Jahre Zeit.

Im Kölner Musical Dome wird noch bis 18. Juli das Stück „Moulin Rouge“ gespielt.
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Grund für die Eile ist, dass der Mietvertrag für das Grundstück am Breslauer Platz, auf dem der Musical Dome steht, am 28. Februar 2028 ausläuft. ATG hat die Fläche von der Stadt gemietet, der Vertrag wurde immer wieder verlängert. Eine erneute Verlängerung ist unwahrscheinlich, da die Deutsche Bahn AG das Grundstück für die geplante Erweiterung des Kölner Hauptbahnhofs benötigt. Am Breslauer Platz sollen zwei neue S-Bahn-Gleise gebaut werden. Das Areal des Musical Dome soll dabei als Baustelleneinrichtungsfläche dienen.
Der Musical Dome war 1996 errichtet worden und sollte ursprünglich nur einige Jahre genutzt werden. Inzwischen ist er seit fast 30 Jahren in Betrieb. Noch bis 18. Juli 2026 läuft dort das Musical „Moulin Rouge“, das mehr als 1,5 Millionen Zuschauer gesehen haben. Danach wird dort ab November bis 2028 „Das Phantom der Oper“ gezeigt (siehe Infotext unten).
„Musicallose Zeit“ in Köln soll vermieden werden
Wenn der Musical Dome bis März 2028 geräumt und abgerissen sein muss, um Platz für die Deutsche Bahn zu machen, soll nach den Vorstellungen von ATG und der Stadt Köln ein möglichst nahtloser Übergang zum Musical-Betrieb im neuen Theater am Rhein in Deutz erfolgen. „Unser Ziel ist es, eine musicallose Zeit in Köln möglichst zu vermeiden“, betont ATG-Sprecherin Lea Kaub. „Köln ist als Musical-Standort fest etabliert. Ein kontinuierliches Musical-Angebot zu schaffen, ist nicht nur wichtig für uns, sondern für die ganze Stadt, denn davon profitieren auch die Gastronomie, die Hotellerie und der Handel.“
Dass sich ein so ambitionierter Zeitplan tatsächlich umsetzen lässt, will ATG zurzeit in Wien unter Beweis stellen. Dort baut das Unternehmen für rund 100 Millionen Euro das neue „Theater im Prater“ mit 1800 Sitzplätzen. Der Bau startete im Oktober 2025 und soll im November 2027 fertiggestellt sein.
Eine Sprecherin der Stadt Köln erklärte auf Anfrage: „Der Bauantrag für den Zweck Musical-Theater befindet sich derzeit in laufender Bearbeitung. Demzufolge gibt es aktuell noch keine Baugenehmigung.“
Die Oper, die bis Juli noch im Staatenhaus gastiert, habe sich seit Januar 2026 auf eine Koexistenz mit ATG bis zum Ende der Spielzeit 2025/26 eingestellt. Da die Baumaßnahmen für das „Theater am Rhein“ noch nicht begonnen haben, seien die Auswirkungen „überschaubar“.
Wann Bahn mit Ausbau des Kölner Hauptbahnhofs beginnt, ist unklar
Im Sommer zieht die Oper zurück in das sanierte Opernhaus am Offenbachplatz. Danach kann der Umbau im denkmalgeschützten Staatenhaus beginnen. Zu der Frage, für welche Zwecke das Staatenhaus künftig im Zusammenspiel mit dem Neubau des Musical-Theaters genutzt werden soll – ob als Gastronomiefläche oder auch für Inszenierungen –, wollten sich weder ATG noch die Stadt Köln konkret äußern.
Derweil ist unklar, ob die Deutsche Bahn wirklich im März 2028 mit dem Ausbau des Hauptbahnhofs beginnen wird. Eine Bahnsprecherin wollte auf Nachfrage kein konkretes Datum nennen. Die Bahn habe im Februar 2024 die Planungsunterlagen für den Abschnitt rund um den Kölner Hauptbahnhof beim Eisenbahnbundesamt (EBA) eingereicht, sagte sie. „Damit ist offiziell das so genannte Planfeststellungsverfahren gestartet.“ Erst wenn der Bahn nach Abschluss des Planfeststellungsverfahrens das Baurecht vom EBA vorliege, könne das Projektteam mit den nötigen Vorbereitungen für den Ausbau, wie europaweite Ausschreibung der Bauleistungen und Anmeldung von Sperrpausen, starten und einen konkreteren Zeitplan definieren.
Vorverkauf für „Phantom der Oper“ gestartet
1986 wurde Andrew Lloyd Webbers Kult-Musical „Das Phantom der Oper“ in London uraufgeführt. Mit mehr als 160 Millionen Besuchern in 217 Städten, Inszenierungen in 23 Sprachen und mehr als 70 internationalen Theaterpreisen gilt das Stück als einer der größten Bühnenerfolge aller Zeiten.
2012 feierte die Neuinszenierung des Musicals durch Cameron Mackintosh in London seine Uraufführung und begeisterte das britische Publikum. Auch in den USA und in Australien, wo es im Opernhaus von Sydney Premiere hatte, wurde „Das Phantom der Oper“ (Foto) ein großer Erfolg. In Deutschland war das Musical von 2013 bis 2015 in Hamburg zu sehen, zurzeit läuft es in Wien.
Nun kehrt das Stück nach Deutschland zurück und wird ab November im Kölner Musical Dome gezeigt. Am Mittwoch erklärte ATG Entertainment: „Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Londoner Originalproduktion kehrt dieses fabelhafte Musical in diesem Herbst erstmals seit über zehn Jahren auf eine deutsche Bühne zurück. Die Inszenierung stammt von Seth Sklar-Heyn und basiert auf der Originalinszenierung von Laurence Connor, unter der künstlerischen Leitung von Matthew Bourne und Cameron Mackintosh.“

Das Musical "Phantom der Oper" in der Inszenierung von Camron Mackintosh wird ab 5. November 2026 in Köln zu sehen sein.
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Die Neuproduktion sei „im gleichen Umfang wie das brillante Original konzipiert“, jedoch so angelegt, „dass sie auch in vielen Theatern aufgeführt werden kann, in denen die Originalversion nicht realisierbar war“. Cameron Mackintosh erklärte, er freue sich sehr, „dass das deutsche Publikum – das die Show schon so lange liebt – in unserem 40. Jahr die Gelegenheit haben wird, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen und sich wieder in die Musik der Nacht zu verlieben, als wäre es das erste Mal.“
Das Musical, das auf dem Roman „Le Fantôme de L'Opéra“ von Gaston Leroux aus dem Jahr 1910 basiert, erzählt die Geschichte eines maskierten Mannes, der unter der Pariser Oper lebt und sich unsterblich in die junge Sopranistin Christine Daaé verliebt. „Zwischen Obsession, Eifersucht und großer Liebe entspinnt sich eine dramatische Dreiecksgeschichte voller Spannung und Emotionen“, heißt es dazu von ATG. Die erste Vorstellung in Köln findet am 5. November statt, die offizielle Premiere wird am 15. November gefeiert. Der Vorverkauf hat gestern begonnen. (fu)
