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Vandalismus in Ex-KHD-ZentraleUnbekannte verwüsten Kölner Kunstprojekt

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Entsetzt über die sinnlose Zerstörung in der ehemaligen KHD-Zentrale sind die beiden Künstler Anja Kolacek und Marc Leßle.

Entsetzt über die sinnlose Zerstörung in der ehemaligen KHD-Zentrale sind die beiden Künstler Anja Kolacek und Marc Leßle.

In der ehemaligen KHD-Zentrale in Köln-Mülheim haben Unbekannte massive Zerstörungen angerichtet. Weil es keinen Strom und damit weder Beleuchtung noch Alarmanlage gibt, haben Einbrecher leichtes Spiel.

Anja Kolecek und Marc Leßle sind Kummer gewohnt. Elf Jahre lang haben die beiden Künstler vom Kollektiv „Raum 13“ die frühere Hauptverwaltung von Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD) an der Deutz-Mülheimer Straße mit Kunst und Kultur bespielt, bis sie 2021 vom damaligen Eigentümer per Räumungsklage vor die Tür gesetzt wurden. Nachdem die Stadt Köln das Gebäude gekauft hatte, konnten sie im Oktober 2024 nach fast dreieinhalb Jahren zurückkehren. In der Zeit des Leerstands hatte die Immobilie schwer gelitten: Unbekannte hatten Türen aus den Angeln gerissen, Strom- und Wasserleitungen gestohlen, Mobiliar verwüstet und Glasscheiben zerschlagen. Unterstützt von vielen ehrenamtlichen Helfern, begannen die beiden, das Gebäude wieder herzurichten. „Wir haben geschuftet wie die Verrückten, um den Vandalismus, der hier in dreieinhalb Jahren Leerstand entstanden ist, wieder zu bereinigen“, erzählt Anja Kolacek.

Vandalismus im Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste.

Sinnlose Zerstörung: Im „Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste“ wurden Glastüren und Fenster eingeschlagen, Wände beschmiert, Räume verwüstet und Archive zerstört.

An jenem geschichtsträchtigen Ort, an dem einst der Otto-Motor erfunden wurde, wollen die beiden Künstler ihr „Deutzer Zentralwerk der schönen Künste“ wiederbeleben und einen besonderen Ort für Kunst und Kultur schaffen, der auch als Nukleus für die geplante Entwicklung des gesamten Otto-Langen-Quartiers ringsum dienen soll.

Unbekannte verwüsten „Deutzer Zentralwerk der schönen Künste“

Doch jetzt hat das Projekt einen schweren Rückschlag erlitten. In den vergangenen Tagen sind mehrfach Unbekannte in das Gebäude eingebrochen und haben massive Schäden verursacht. Zahlreiche Glastüren und Fenster wurden eingeschlagen. „Wir hatten gerade eine große Aktion hier mit einem Glaser aus Mülheim, der ganz viele Scheiben ersetzt hat, die kaputt waren. Und die sind jetzt alle wieder zerschlagen“, berichtet Kolacek.

Unbekannte haben Archivkisten der Künstler ausgekippt und die Unterlagen überall verstreut.

Unbekannte haben Archivkisten der Künstler ausgekippt und die Unterlagen überall verstreut.

Die Unbekannten hätten Schlösser geknackt, um in das Innere des Gebäudes zu gelangen. Dort haben sie Trockenbauwände eingerissen, Möbel beschädigt, Fensterrahmen aus der Verankerung gebrochen, Kisten voller Archivmaterialien ausgekippt und Graffitis auf die Wände geschmiert. „Jemand hat sogar ganze Kisten samt Inhalt aus dem Fenster geworfen – durch das Glas hindurch. Das war blinde Zerstörungswut“, sagt Marc Leßle. „Wir sind entsetzt und total enttäuscht. Das ist ein ganz heftiger Rückschlag – für uns und für alle, die sich hier ehrenamtlich engagieren“, betont Kolecek.

Gebäude ist ohne Strom - Mieter warten seit 2024 auf Anschluss

Dass es überhaupt so weit gekommen ist, liegt auch an einem Problem, das die Stadt Köln als Eigentümerin der Immobilie zu verantworten hat. Im gesamten Gebäude gibt es keine Stromversorgung. „Die Stadt schafft es seit eineinhalb Jahren nicht, den versprochenen Stromanschluss herzustellen“, kritisiert Leßle. „Dadurch haben wir überhaupt kein Licht, wir können keine Videoüberwachung und keine Bewegungsmelder installieren. Und weil das so ist, bekommen wir auch keine Versicherung für das Gebäude.“ Kolecek ergänzt: „Die Stadt hat uns hängen lassen.“

Außenansicht des „Deutzer Zentralwerks der Schönen Künste“ in der früheren KHD-Hauptverwaltung.

Außenansicht des „Deutzer Zentralwerks der Schönen Künste“ in der früheren KHD-Hauptverwaltung.

Betroffen von der fehlenden Stromversorgung ist noch ein weiterer Mieter, der Verein „Zwischendrin“, der den Nordteil des Gebäudes gemietet hat. Ursprünglich wurde das Haus über einen Trafo auf der gegenüberliegenden Straßenseite mit Strom versorgt. Doch der wurde während des Leerstands abgebaut. Das macht die Sache kompliziert.

Ein Sprecher der Stadt Köln räumte auf Anfrage ein, dass der Stromanschluss noch nicht wiederhergestellt wurde, er sagte. „Aktuell finden Abstimmungen mit der RheinNetz GmbH (RNG) zur Herstellung der Stromversorgung statt. Es wird ermittelt, wie die gemeldeten Strombedarfe der beiden Mieter für die zukünftige Nutzung zur Verfügung gestellt werden können.“

Ohne Strom keine Alarmanlage - Einbrecher haben leichtes Spiel

Um den Mietern zeitnah Arbeits- und Sicherungsmaßnahmen zu ermöglichen, habe die RNG parallel eine „niederschwellige“ Stromversorgung in Form von Haus- oder Baustrom zugesagt, „sofern die vorgeschaltete Netzprüfung positiv ausfällt“. Es müssten noch „letzte technische Fragen geklärt werden“, dafür sei „für Mitte März ein Ortstermin mit beiden Mietparteien angesetzt. Das Ziel ist, dass beide Mietparteien schnellstmöglich eine eigene grundlegende Stromversorgung erhalten.“

Trockenbauwände wurden eingerissen, ganze Räume verwüstet.

Trockenbauwände wurden eingerissen, ganze Räume verwüstet.

Kolacek und Leßle sind skeptisch. Termine zur Netzprüfung habe es schon drei gegeben – ohne Erfolg. Und Baustrom habe man auch schon vor eineinhalb Jahren beantragt – doch nichts sei passiert. Wenn es der Stadt ernst damit sei, weitere Zerstörungen zu verhindern, müsse sie sofort etwas tun. „Sie könnte zum Beispiel eine Baustellen-Videoüberwachung installieren, wie es sie auf dem benachbarten Landesgrundstück gibt, den Zutritt aus der benachbarten Baugrube mit einem ordentlichen Zaun versperren oder Sicherheitspersonal einsetzen.“