Der „Frustzaun“ vor dem Opernquartier wird vom Bauzaun zum Kunstprojekt, der Umzug der Bühnen läuft derweil bereits.
Wandel statt Schande„Frustzaun“ vor der Kölner Oper wird vom Bauzaun zum Kunstprojekt

Kampagnenauftakt zur Wiedereröffnung der Bühnen Köln: Eine Performance des Jugendclubs des Schauspiels „Polylux“: „Downtown Paradise“.
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Der Bauzaun rund um das Opernquartier am Offenbachplatz war in den vergangenen knapp anderthalb Jahrzehnten das Symbol für Kölns wohl langlebigste und auch teuerste Baustelle, die bundesweit und darüber hinaus eine traurige Bekanntheit erlangte. Da wirkt der städtische Slogan „14 Jahre Vorfreude haben sich gelohnt“ schon etwas eigenwillig. Da sind Schlagzeilen wie „Trauerspiel“, „Zumutung“ oder „Fiasko“, die seit einigen Tagen auf dem gut 90 Meter langen Teilstück an der Nord-Süd-Fahrt ihren Platz gefunden haben, schon treffender.
Doch es geht voran mit dem Kulturprojekt mitten in der City. „Die Gebäude sind baulich fertiggestellt. Aktuell laufen im Inneren zum Beispiel noch Malerarbeiten oder die Verlegung von Teppichböden. Auch die ersten TÜV-Abnahmen sind bereits erledigt. Hier werden noch weitere folgen. Dazu kommt jetzt die Inbetriebnahme technischer Systeme wie unter anderem den Entrauchungs- und Alarmanlagen. Die ersten Teile wie Scheinwerfer haben auch schon ihren Umzug aus den Interims hinter sich.
Umzüge erfolgen sukzessive
Jetzt erfolgen die Umzüge sukzessive, während im Staatenhaus und im Depot noch die letzten Premieren anstehen. Nach und nach entstehen dann auch vor Ort die ersten Arbeitsplätze der Bühnen“, erklärt Stadtdirektorin Andrea Blome als technische Betriebsleiterin. Ende März präsentieren dann bereits am Offenbachplatz die Oper und das Schauspiel ihre Programme für die kommende Spielzeit an der alten Wirkungsstätte. Der Bauzaun selbst wird erst ganz zum Schluss kurz vor dem Eröffnungsfest am 19. September weichen, wenn die Kölner dann erstmals einen Blick auf ihr neues, altes Opernquartier werfen können. Bis dahin bleibt der Zaun vor den Gebäuden eine Projektionsfläche der Stadtverwaltung für den Wandel von der massiv in der Kritik stehenden ewigen Baustelle zum neuen Kulturzentrum im Herzen der Stadt.
Nun begann bereits erneut ein Wandel am Zaun, der von acht Künstlern aus den Kölner Veedeln mithilfe von Spraydosen und Farbeimern zu einem XXL-Kunstwerk wird. Es soll zum Ende der Woche fertiggestellt sein. Jeder bekommt ein mindestens 18 Quadratmeter großes Stück bereitgestellt. „Der Bauzaun war ein Spiegel des Frusts der Menschen in der Stadt, zu der jetzt auch die negativen Schlagzeilen gehören. Die Kritik war berechtigt und man muss ihr auch den Raum geben. Aber wir beginnen jetzt mit einem neuen Abschnitt, bei dem wir nach vorne in die Zukunft schauen. Ich freue mich schon sehr auf die Wiedereröffnung, die wir auch entsprechend feiern wollen. Jetzt geht es darum, die Geschichte zu Ende zu erzählen“, sagt Oberbürgermeister Torsten Burmester.
Offenbachplatz soll Treffpunkt werden
Der Offenbachplatz solle wieder zu einem Treffpunkt in der Stadt werden, wo die Bühnen für alle Menschen da sind. „Da kehrt ein kulturelles Herzstück ins Zentrum der Stadt zurück. Dieses findet sich in der Stadt mit ihrer Vielfalt, dem Humor und auch der Streitlust wieder. Der Bauzaun steht auch dafür, dass wir dieses Projekt in eine gute Zukunft bringen“, betont Burmester.
Die von der renommierten Werbeagentur Jung van Matt entworfene PR-Kampagne teilt sich dabei in vier Akte auf. Der „Frustzaun“ steht dabei als erster Akt für die Botschaft „Wir haben verstanden“. Weiter geht es dann mit Akt 2. „Wir sind wieder da,“ Er soll zeigen, was in den anderthalb Jahrzehnten der Ewigbaustelle entstanden ist. Dazu gehört die Programmvorstellung genauso wie der damit verbundene Vorverkaufsstart. Bei Akt 3, „Sei dabei“ genannt, geht es um die Einladung den neuen, alten Kulturort bei Aktionen zu entdecken. Zum Finale gibt es „Erlebe Deine Bühne“ mit dem großen Eröffnungsfestival. Dann, so hofft man bei der Stadt, wird aus einer Kastrophengeschichte endlich eine Erfolgsstory.


