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Hochkomplexes RegelwerkWarum viele Kölner Mediziner sauer auf die Stiko sind

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Das Impfzentrum in Köln-Deutz 

Köln – Bernhard Krug (62/Name geändert) hatte für den 26. Juni endlich einen Termin im Impfzentrum ergattert. Hoffnungsfroh hatte er die erforderlichen Unterlagen ausgefüllt und auf den kleinen Piecks in den Oberarm gewartet. Doch schließlich musste er ungeimpft wieder nach Hause fahren. Im Februar hatte er sich mit dem Coronavirus infiziert.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte aber einst festgelegt, dass der Abstand zwischen Infektion und Erstimpfung mindestens ein halbes Jahr betragen muss. „Man hat mir freundlich einen Termin im August angeboten. Für mich war es aber eine Enttäuschung“, erzählt er. In einem Brief hat er sich später über die Nichtimpfung beschwert.

Die Hoffnung auf eine Impfung hatte Bernhard Krug aus eine der vielen Stellungnahme der Stiko abgeleitet. Die strikte Anweisung, sechs Monate abzuwarten, war kürzlich aufgeweicht worden mit dem Hinweis, dass dies „in der Regel“ empfohlen werde. Aber eben nicht immer. „Solche Fälle erleben wir im Impfzentrum häufiger. Die Erlässe der Stiko füllen inzwischen Bücher. Wir haben uns Regeln gegeben und werden diese auch weiter einhalten“, sagt Kölns Leitender Impfarzt Dr. Jürgen Zastrow.

Auf die Stiko ist Zastrow derzeit nicht gut zu sprechen. Denn der Mediziner ist nicht nur oberster Impfarzt, sondern auch Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung in Köln. „Die Stellungnahmen der Stiko halte ich nicht für wissenschaftlich, weil sie nicht das Ganze im Blick haben. Viele Ärzte sind sauer, denn die gesamte Impfplanung können wir jetzt vergessen“, schimpft Zastrow.

Zweitimpfung in der Moschee auch mit Biontech

Seitdem die Stiko die hohe Wirksamkeit von Kreuzimpfungen mit Astrazeneca und Biontech publiziert hat, sei eine Welle von Terminverschiebungswünschen über das Impfzentrum hereingebrochen. Denn statt den Zweitimpftermin mit Astrazeneca abzuwarten, sei nun vielfach der Wechsel zu Biontech gewünscht. Und ein früherer Impftermin, denn bei der Kreuzimpfung muss nicht zwölf Wochen bis zur Zweitimpfung gewartet werden. Derzeit versuchen laut Zastrow viele Menschen ihren Termin zu wechseln, die bei der Impfaktion Anfang Mai in der Zentralmoschee in Ehrenfeld geimpft worden waren. „Aber dort wird am 31. Juli auf jeden Fall auch Biontech angeboten“, beruhigt er.

Impfstoff gibt es seit diesem Monat in ausreichendem Maße, die Stadt hat für kommende Woche Freitag eine Impfaktion vor dem Dom initiiert. Noch immer befindet sich das Infektionsgeschehen auf niedrigem Niveau, doch dem Gesundheitsamt wurden am Donnerstag 32 Neuinfektionen gemeldet. Inzwischen sind 60 Infektionen mit der Delta-Variante des Coronavirus diagnostiziert worden, in allen Fällen handelt es sich bei den Betroffenen um Reiserückkehrer.

Kinder und junge Erwachsene von Infektionen betroffen

Die Altersstruktur der Infizierten hat sich im Laufe der Pandemie deutlich verändert. Im Frühjahr 2020 war jeder vierte Infizierte älter als 70 Jahre, dagegen lag die Infektionsrate bei den Kölner Kindern (5 bis 15 Jahre) bei gerade mal drei Prozent. Nun haben sich die Verhältnisse gedreht. Die älteren Menschen sind größtenteils geimpft und haben im Juni nur noch vier Prozent der Infektionsfälle ausgemacht. Doch 19 Prozent der Neuinfektionen treffen inzwischen die Kinder. Zählt man die Jugendlichen hinzu, trifft sogar jede vierte Infektion Menschen unter 20 Jahren.

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Das größte Infektionsrisiko tragen aber noch immer die jungen Erwachsenen, Menschen zwischen 21 und 30 Jahren. Im Sommer 2020 war diese Gruppe von jeder dritten Neuinfektion in Köln betroffen, jetzt sind es 19 Prozent. Das Impfangebot der Stadt richtet sich auch an die jungen Erwachsenen, die sich erst seit Aufhebung der Impf-Priorisierung um einen Impftermin bemühen können. „Wir stellen fest, dass die Nachfrage deutlich zurückhaltender wird“, berichtet Dr. Jürgen Zastrow.