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Interview mit KVB-Chefin Haaks„Wollen Langzüge auf der Linie 18“

4 min
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Die Linie 18 soll länger werden, um auch an der Haltestelle Weißhauptstraße mehr Fahrgäste aufnehmen zu können.

  1. Stefanie Haaks ist seit 100 Tagen Vorstandsvorsitzende der Kölner Verkehrs-Betriebe.
  2. Was hat sich in dieser Zeit verändert, wie geht es in der Zukunft weiter?
  3. Mit Ingo Schmitz sprach sie über ausfallende Bahnen, Langzüge und E-Scooter.

KölnSie sind seit 100 Tagen die Vorstandsvorsitzende der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB). Sind Sie gut angekommen in Köln?

Ja, ich bin sehr gut angekommen. Ich wohne in Ehrenfeld, habe schon eine Führung über Melaten und eine Kölsch-Führung gemacht. Nächsten Monat bekomme ich eine Führung durch den Dom. Ich fange an, die Stadt kennenzulernen und es macht echt Spaß.

Bevor Sie Vorstandsvorsitzende wurden, kannten Sie die KVB wahrscheinlich hauptsächlich vom Papier. Wie stellt sich Ihnen der Betrieb in der Realität dar?

Ich bin tief beeindruckt von der tollen Leitstelle. Das kannte ich vorher so nicht. Klasse, wie das organisiert und aufgebaut ist. Was mir auch gleich aufgefallen ist, dass ab und zu leider auch Bahnen ausfallen. Das werden Sie mich sowieso noch fragen, da spreche ich es gleich mal selber an.

Na dann: Woran liegt es?

Ein wesentlicher Grund ist, dass wir bei den Stadtbahnen nicht so viel Personal haben, wie wir gerne hätten. Da hängen wir der Planung hinterher. Das bedeutet, dass wir mehr ausbilden müssen, um auf den Stand zu kommen, den wir brauchen.

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Mitsprechen will KVB-Chefin Stefanie Haaks bei allen wesentlichen Mobilitätsangeboten in Köln.

Gibt es zu wenig Bewerber?

Noch haben wir mehr Bewerber, als wir einstellen wollen. Aber es ist nicht mehr die Qualität und die Masse an Bewerbern, wie es früher einmal war.

Wie viele fehlen denn noch?

Wir haben insgesamt mit rund 730 Stadtbahn-Fahrer in diesem Jahr geplant und liegen bei knapp 700. Das bedeutet, dass wir für unsere Ausbildungskurse in diesem Jahr noch zusätzliche Absolventen benötigen.

Bei ihrem Dienstantritt in Köln haben Sie angekündigt, dass Sie selbst einmal Stadtbahnen im täglichen Betrieb fahren werden. Haben Sie das schon gemacht?

Jein. Ich bin schon mit einem Kollegen durchs Netz gefahren. Aber selbst gefahren bin ich noch nicht, weil dann jemand von unserer Fahrschule dabei sein müsste. Aber die Kollegen werden gerade händeringend für die Ausbildung neuer Fahrer gebraucht. Aber ich werde das auf jeden Fall noch machen.

Ein Verwaltungsvorschlag für den Betrieb von Expressbuslinien liegt vor. Zwei Linien kommen aus dem Westen, binden Stadtteile zusätzlich an und vereinen sich auf einer eigenen Spur im dreispurigen Bereich der Aachener Straße. Eine gute Lösung?

Es ist ein gute Interimslösung, bis wir die längeren Bahnsteige auf der Linie 1 haben, um dort 90-Meter-Züge fahren zu lassen. Gut ist, dass beispielsweise Widdersdorf besser angebunden wird. Wenn der Expressbus Punkt für Punkt parallel zur Bahnlinie fahren würde, dann würden vermutlich wenige Fahrgäste umsteigen, weil die meisten die Bahn bevorzugen.

Wenn aber die Leute vorher in den Stadtteilen eingesammelt werden und gar nicht erst umsteigen müssen, sondern beispielsweise bis zum Hauptbahnhof durchfahren können, dann kann so ein Angebot tatsächlich zur Entlastung der Linie 1 führen. Eine pragmatischer Vorschlag also, der aber keine Dauerlösung sein sollte.

Sie wollen auf der Linien 1, 4 und 13 längere Züge fahren lassen. Gibt es solche Planungen noch für weitere Linien?

Ja, wir möchten auch auf der Linie 18 längere Fahrzeuge einsetzen.

Das war bisher aber noch nicht bekannt.

Für die Linie 1 gibt es schon den Ratsbeschluss. Dort sollen ab 2024 Langzüge fahren. Für die 4 und 13 haben wir einen Prüfauftrag vom Verkehrsausschuss bekommen. Wir führen dazu gerade einen Dialog mit den Herstellern, ob sie uns die Bahnen in der erforderlichen Ausführung und Menge liefern können. Im Rahmen unseres Strategie-Updates haben wir auch einen Bedarf auf der Linie 18 identifiziert. Wir planen auf der 4, 13 und 18 voraussichtlich ab 2026 längere Bahnen fahren zu lassen.

Der Mobilitätsmarkt ist in Bewegung: Elektro-Roller (E-Scooter), eine Seilbahn parallel zur Hohenzollernbrücke, On-Demand-Busse. Interessant für die KVB?

Ich sehe uns als den Dienstleister für die Mobilität in Köln. Dazu gehört, dass wir uns mit allen Mobilitätsformen auseinandersetzen. Aber wir müssen nicht alles selbst betreiben, um den Fuß mit in der Tür zu haben. Beim E-Scooter wollen wir abwarten, wie er angenommen wird. Einen On-Demand-Verkehr zu Erschließung schlecht erschlossener Stadtteile sehe ich als Daseinsvorsorge und damit als unseren Auftrag. Nicht unbedingt als alleiniger Betreiber, aber ein solches System muss über unsere Leitstelle, unsere App und mit unserer Konzession laufen.

Dazu sind sie im Dialog mit Ford?

Ja. Nicht nur mit Ford, auch mit anderen Unternehmen.

Und die Seilbahn?

Wir haben Erfahrungen mit Seilbahn-Betrieb. Wenn es jemand finanziert, können wir uns durchaus vorstellen, unser Know-How mit einzubringen. Aber ein Punkt-zu-Punkt-Betrieb vom Breslauer Platz zur Messe ist aus meiner Sicht eher ein Messezubringer als Daseinsvorsorge einzustufen und bedarf daher einer entsprechenden Finanzierung.