Öffentlicher NahverkehrHaltepunkt der RB 25 in Rath-Heumar – darum ist die Stadt dagegen

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Der alte Bahnhof von Rath-Heumar an der Wikinger Straße

Der alte Bahnhof von Rath-Heumar an der Wikinger Straße, der inzwischen privat genutzt wird.

Geht es nach den Kalker Bezirksvertretern, soll der Haltepunkt im Zuge der Planungen zum Ausbau der RB 25 zur S-Bahn reaktiviert werden.

Bis zum Jahr 1991 hatte Rath-Heumar noch einen eigenen Bahnhof an der Wikingerstraße, seither rauscht die „Oberbergische Bahn“ RB 25, die zwischen Köln-Hansaring und Lüdenscheid verkehrt, am Stadtteil vorbei. Weil die RB 25 um 2023 zur S-Bahnlinie S 15 ausgebaut werden soll, dachten sich die Bezirksvertreter auf Anregung von SPD und Grünen, es wäre doch im Sinne der Verkehrswende – Stichwort Umstieg vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr –, wenn der Haltepunkt im Zuge der Planungen reaktiviert werden könnte.

Denn die RB 25 wäre von dort aus in 15 Minuten am Hauptbahnhof, die Bahnen der KVB-Linie 9, deren Gleisstrecke etwas weiter nördlich liegt, brauchen fünf Minuten länger und fahren bis zum Neumarkt. Auf den BV-Beschluss hin hatte der Rat die Verwaltung beauftragt, diese Variante zu prüfen. Laut einer Mitteilung des Amts für nachhaltige Mobilitätsentwicklung hat die Untersuchung aber gezeigt, dass „der verkehrliche Nutzen“ durch einen S-Bahn-Haltepunkt in Rath/Heumar auch wegen des schon vorhandenen Bus- und Bahn-Angebots „gering ausfällt“.

Zusätzlicher Haltepunkt der RB 25 in Rath-Heumar abgelehnt

Außerdem würde ein künftiger Bahnhof in Rath-Heumar einiges Durcheinander im Schienennetz verursachen. Denn ein zusätzlicher Haltepunkt würde die Fahrtzeiten der RB 25 verlängern und dazu führen, dass sich die An- und Abfahrtszeiten im Nadelöhr Hauptbahnhof änderten. Und das hätte Einfluss auf den An- und Abfahrtsrhythmus der übrigen S-Bahn-Linien. Ganz neu denken müsste man auch den „Begegnungsverkehr“ auf der teils eingleisigen Strecke bis Lüdenscheid.

Fast schon nebensächlich wirkt da der Bau eines neuen Bahnhofs: Der würde voraussichtlich an der Eiler Straße entstehen, denn das alte, 1905 von der preußischen Staatsbahn errichtete Bahnhofsgebäude, ist längst verkauft. Bei alldem, schreibt Verkehrsdezernent Ascan Egerer, wäre die Kosten-Nutzung nach derzeitigem Stand immerhin noch ausgeglichen. Allerdings müsse man in den nächsten Jahren mit Kostensteigerungen rechnen. Bei einem Aufschlag von 30 Prozent, den Egerer für realistisch hält, fiele die Kosten-Nutzen-Rechnung negativ aus.

Verkehrsclub Deutschland hält Argumente für nicht zulässig

Roland Schüler vom Verkehrsclub Deutschland, der die Kalker Bezirksvertreter in dieser Frage berät, hält dieses Argument für nicht zulässig: „Weil der Haltepunkt nicht gewollt ist, wird hier eine Kostensteigerung von 30 Prozent eingerechnet.“

Die ablehnende Haltung habe sich schon gezeigt, als der Nahverkehr Rheinland, heute Zweckverband „go.Rheinland“, als Aufgabenträger für den Schienenpersonennahverkehr im Raum Köln, Bonn und Aachen und den angrenzenden Kreisen 2018 eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben hat, in der Rath-Heumar nicht berücksichtigt wurde. Trotz der früheren BV-Beschlüsse. Grundsätzlich, so Schüler, müssten aber die „Belange von Klimaschutz und Verkehrswende“ ein größeres Gewicht bei der Kosten-Nutzen-Rechnung haben.

Bürger in Neubrück warten auf KVB-Anbindung

Die Kalker Bezirksvertreter haben noch nicht entschieden, wie sie sich zu der Ablehnung verhalten werden. Manuela Grube, Fraktionsvorsitzende der Grünen, gibt sich kämpferisch: „Wir müssen vor allem eine Befragung unter den Bewohnern durchführen.“ So sieht sie großes Potenzial für einen künftigen Haltepunkt der S 15, denn eine Fahrt zum Hauptbahnhof wäre gerade für Pendler attraktiver als die Fahrt zum Neumarkt. Außerdem, so Grube, „stehen im Einzugsbereich von Rath-Heumar weitere Wohnungsbauprojekte an“. Deshalb sei auch mit einem erhöhten Fahrgastaufkommen zu rechnen und die Linie 9 in Richtung Innenstadt sei zu den Stoßzeiten schon ab der Haltestelle Ostheim überlastet. Ein zweiter Schienenanschluss in Rath-Heumar könnte die Linie deutlich entlasten.

Das betrifft auch Neubrück. Denn der Stadtteil sollte schon bei der Errichtung der Siedlung vor 50 Jahren eine KVB-Anbindung erhalten. Die würde zur Halstestelle „Ostheim“ führen, ist derzeit jedoch auch angesichts der Überlastung der Linie 9 kein Thema, die dann noch weitere Fahrgäste aufnehmen müsste. Und eine weitere Schienenspur Richtung Innenstadt kann nicht verlegt werden – dafür sind die Tunnel zu eng. 

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