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Kölns scharfe Kritik an den MächtigenDas sind die Persiflagen für den Rosenmontagszug - Merz im Fetisch-Kostüm

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Mer dun et och wenn et wieh deit: Merz und Klingbeil sind mal wieder nur mit sich selbst beschäftigt.

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Für Kölner Verhältnisse „eher heftiger“ sei die Persiflage zu Merz und Klingbeil, findet auch Zugleiter Marc Michelske.

Den Segen von ganz oben hat er schon mal – der Rosenmontagszug. Beim Richtfest der Persiflagewagen in der Wagenhalle des Festkomitees am Maarweg erbaten Stadtdechant Robert Kleine und Stadtsuperintendent Bernhard Seiger die Unterstützung für den Zoch. „Der Segen meint nicht in erster Linie die Wagen, sondern die Wagenbesetzung, die, die Begleitfahrzeuge lenken, die Fußgruppen und Musikkapellen. Alle, die mitgehen, fahren oder am Rand stehen“, sagt Stadtdechant Robert Kleine.

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Und doch standen beim Richtfest die Wagen im Fokus, die an diesem Tag erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurden. „Manche Wagen sind ganz schön provokant und scharf geworden“, findet Stadtsuperintendent Bernhard Seiger. Aber: „Meinungsfreiheit, Satire, Ironie, Witz und Humor werden weltweit bedroht. Und deswegen ist es gut, dass der Karneval hier keine Grenzen zieht.“

Mer dun et för uns Grönland: Trump will Grönland zum Bundesstaat der USA machen. Das gefällt den tierischen Einwohnern mal so gar nicht.

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Mit den provokanten Wagen dürfte Seiger unter anderem das Exemplar meinen, auf dem Bundeskanzler Friedrich Merz und sein Vize Lars Klingbeil zu sehen sind. Statt die vielen politischen Baustellen anzugehen, beschäftigen sich die beiden lieber mit sich selbst – und versohlen sich im Fetisch-Kostüm gegenseitig den Hintern. Auch für Zugleiter Marc Michelske handelt es sich dabei um eine „für Kölner Verhältnisse eher heftigere Persiflage“.

Mer dun et – Das crazy: Die Generation Smartphone muss sich mit dem neuen Wehrdienstgesetz herumschlagen.

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Ansonsten hat das Kreativteam des Festkomitees fast alle heißen lokalen, nationalen und weltweiten Themen aufgegriffen: Kölns Drogen-Hotspots, die wachsenden Umfragewerte der AfD, die immer größer werdende KI-Abhängigkeit, die deutsche Rüstungspolitik oder Trumps Grönland-Pläne. Einer fehlt jedoch: Russlands Machthaber Wladimir Putin. Diesen Schauplatz überlasst Zugleiter Marc Michelske seinem Düsseldorfer Kollegen Jacques Tilly. Den hat die russische Justiz für seinen Wagen angeklagt, in dem Putin sich in einer Badewanne voller Blut schrubbt. Tilly sei der einzige, der auf diesen Angriff auf die Freiheit eine Antwort geben könne, sagte Michelske bereits bei der Präsentation des Entwurfs. Ganz ohne Russland geht es dann aber doch nicht. Während der EU mittlerweile oft nur die Zuschauerrolle auf den internationalen politischen Schauplätzen bleibt, werden die Supermächte USA, Russland und China immer stärker – dargestellt als Adler, Bär und Panda, muskelbepackt und schwere Gewichte stemmend. „Mer dun et ohne (EU)ch“ lautet der Titel des Wagens.

Mer dun wat mer künne: Auf der Jagd nach russischen Drohnen setzt das deutsche Drohnen-Abwehrzentrum auf ungewöhnliche Methoden.

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Auch Bernhard Paul gibt sich in der Wagenhalle die Ehre. Sein Circus Roncalli feiert in diesem Jahr 50-jähriges Jubiläum und ist Teil des Zochs. Oben auf dem Wagen wird ein achtköpfiges Orchester stehen, unten gibt es Darbietungen einiger Roncalli-Künstler.