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Ehrenamtspreis der Kölnischen RundschauHerbert Radke ist „Jeck met Hätz“

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Herbert Radke ist einer von drei Preisträgern des Ehrenamtspreises „Jeck met Hätz“.

Herbert Radke ist einer von drei Preisträgern des Ehrenamtspreises „Jeck met Hätz“.

Herbert Radke ist unter anderem seit rund 20 Jahren Literat der Krankenhaussitzung im Severinsklösterchen sowie Saalchef und Multitalent bei der wiederbelebten KG Fidele Fortuna.

Aktiv gesucht hat Herbert Radke seine vielen Ehrenämter nicht. Sie kamen zu ihm. Nicht einfach so. Sondern weil Radke ein geselliger Typ, die Gemeinschaft liebt und irgendwann immer mehr Menschen kannte, die mit Ideen an ihn herantraten und in ihm den perfekten Mitstreiter für ganz unterschiedliche Projekte sahen. Aber auch, weil ihn ehrenamtliches Engagement schon immer magisch angezogen hat. „Ich habe einfach Spaß daran, anderen Menschen eine Freude zu machen“, sagt der 60-Jährige.

Bei der Freiwilligen Feuerwehr in Merkenich, wo Radke aufgewachsen ist, sammelte er seine ersten Erfahrungen im Ehrenamt – und im Karneval. Mit der Feuerwehr war er Teil des Merkenicher Samstagszugs. Vor rund 35 Jahren zog er dann nach Nippes, lernte seine Frau kennen und rutschte dadurch schnell in den Nippeser Veedels-Karneval. Sein Schwiegervater war der Präsident des kleinen Karnevalsvereins Kajuni 59, der ursprünglich aus der katholischen Jugend gegründet wurde. Und Herbert Radke war auf einmal Literat und damit für die Programmgestaltung der Veranstaltungen zuständig.

Regelmäßig holt Herbert Radke das Dreigestirn zu seinen Veranstaltungen.

Regelmäßig holt Herbert Radke das Dreigestirn zu seinen Veranstaltungen.

Nach und nach baute er sich sein Netzwerk auf. 20 Jahre tat er das. „Nippes ist meine Welt, das mache ich gerne, aber ich wollte irgendwann den großen Karneval erleben.“ Über seinen guten Freund Roland Lautenschläger kam er dann zur KG Kölsche Grielächer. Auch Lautenschläger war Literat, kannte im Karneval jeden und nahm seinen Freund überall hin mit. 14 Jahre war Radke bei den Grielächern – und kümmerte sich vor allem um die Saalorganisationen der Veranstaltungen.

Jeck met Hätz 2026: Einige Jahre Zugleiter des Nippeser Dienstagszugs

Für ein paar Jahre organisierte Radke sogar den Nippeser Dienstagszug. Zu dieser Zeit war Radke Berufsfeuerwehrmann und hatte wichtige Kontakte zur Polizei sowie zu den KVB und zur AWB. Als Zugleiter kümmerte sich Radke auch um den Nachwuchs und holte Schulen und Kindergärten verstärkt in den Zug. „Ich habe das sehr gerne gemacht, aber irgendwann ging es nicht mehr, weil es zu zeitintensiv war.“

Schon längst war Radke im Karneval bestens vernetzt, zeitweise betrieb er sogar eine eigene Künstler-Agentur. Und so war er auch der richtige Mann, als eine Nachfolge als Literat der Krankenhaussitzung „Et löstige Klösterchen“ im Severinsklösterchen gesucht wurde.  Über 45 Jahre gibt es dieses Format bereits, rund 20 Jahre ist Herbert Radke nun schon mit dabei. Patienten und Personal feiern dort gemeinsam Karneval, auf der Bühne stehen dank Radke Top-Redner und Bands, auch das Dreigestirn ist regelmäßig zu Gast. Vier Kameras übertragen das Geschehen direkt auf alle Zimmer und in die Cafeteria. Um die Technik kümmern sich TV-, Licht- und Ton-Profis von RTL – ebenfalls ehrenamtlich.

Heute ist Radke beruflich für den Fuhrpark einer Stahlspedition zuständig. Damit hängt auch sein jüngstes Ehrenamt zusammen. Sein Arbeitgeber Marcel Hergarten holte ihn während der Pandemie mit ins Boot, um die eingeschlafene KG Fidele Fortuna wiederzubeleben. „Nach zwei Jahren hatten wir schon 100 Mitglieder. Es ist ein richtig toller und familiärer Karnevalsverein geworden.“ Radke ist bei den Veranstaltungen Saalchef, aber auch sonst immer mittendrin, wenn es etwas zu organisieren gibt. „Ich brauche keinen Posten. Ich sehe, was gebraucht wird, und mache einfach. Alleine geht das aber nicht. Es ist alles Teamarbeit.“ Die Mitglieder der Fidelen Fortuna waren es dann auch, die Radke für den Ehrenamtspreis „Jeck met Hätz“ nominierten. „Ohne ihn liefe nichts“, heißt es in der Bewerbung. Bei Veranstaltungen sei er die „Seele des Saals“. Und all das, „ohne Wert darauf zu legen, im Rampenlicht zu stehen“. Die Wertschätzung rührt Radke sichtlich. „Es ist toll, so etwas über sich zu lesen.“


Das ist Jeck met Hätz

Drei Jecken hat die Rundschau in den vergangenen Wochen gesucht, die sich in besonderem Maße ehrenamtlich für den Kölner Karneval einsetzen. Durch eine Online-Abstimmung und die Wertung unserer Jury, bestehend aus Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn sowie Bernhard Conin und Johanna Cremer von den Freunden und Förderern des Kölnischen Brauchtums, haben sich Herbert Radke, Katja Funken und Friedrich Schlichting als Preisträgerinnen und Preisträger hervorgetan.

Die drei werden am Karnevalsfreitag beim Sternmarsch der Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums auf dem Alter Markt geehrt. Die Veranstaltung ist vor allem ein Dankeschön an die vielen Veedelsvereine, in denen sich unzählige Menschen ehrenamtlich für den Kölner Karneval verdient machen. Sie alle tun es für ihre Vereine und die Gemeinschaft, aber auch für die gesamte Stadt. „Alaaf – Mer dun et för Kölle“ lautet passenderweise das Sessionsmotto in diesem Jahr, dass all diese Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler in den Fokus rückt und das große Engagement tausender Jecken ehrt.

Ausgezeichnet werden die Preisträgerinnen und Preisträger von „Jeck met Hätz“ mit einer eigens für den Rundschau-Wettbewerb designten Spange. Entworfen hat sie der Prinz Karneval des Jahres 2012, Marcus Gottschalk, der auch Vorstandsmitglied des Festkomitees Kölner Karneval ist. Angefertigt wurden die Einzelstücke von Metallkünstler Tobias Kreiten.

Im kommenden Jahr geht „Jeck met Hätz“ in eine neue Runde: Auch dann sind Vereine und Privatpersonen aufgerufen, Ehrenamtliche aus dem Fastelovend zu nominieren, die sich in besonderem Maße für den Fastelovend engagieren: in Schulen, Vereinen, in den Veedeln, auf, hinter und vor der Bühne. Wenn Sie schon jetzt Nominierungen vormerken möchten, schicken Sie uns gerne eine Mail an jeck@kr-redaktion.de.