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Zum JubiläumMit Roncalli im Rosenmontagszug

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Die Schwestern Vivian (l.) und Lili Paul bildeten die weibliche Spitze auf dem Roncalli-Wagen.

Das Circus-Theater wird in diesem Jahr 50 Jahre alt.

Beim Roncalli-Orchester ist es wie bei den Artisten: Sie kommen aus den unterschiedlichsten Nationen. Musiker aus Europa, den USA und Südamerika spielen bei den Tourneen des Circus-Theaters in der Manege auf. Was aber, wenn zwei Wochen vor dem offiziellen Probenbeginn der Rosenmontagszug stattfindet, Roncalli zum Jubiläum einen eigenen Wagen hat – und sich ein Teil der Musiker noch im Heimaturlaub befindet? Ein glücklicher Zufall, dass eine Rundschau-Redakteurin einspringen darf. Vielleicht nicht am anspruchsvollsten Instrument, aber in diesem Fall reicht das Tamburin schon aus. Zwei Sängerinnen, E-Gitarre und E-Bass, Trompete, Saxophon, Schlagzeug und Keyboard — in dieser Besetzung fährt das Orchester auf dem Roncalli-Wagen.

Georg Pommer, Musik-Direktor des Circus Roncalli, ist seit 1983 bei Roncalli. „Wir spielen heute Rock'n'Roll-Nummern aus den Fifties“, gibt er die Einweisung. „Die Lieblingsmusik von unserem Direktor Bernhard Paul.“ Der schaue dieses Mal nur vom Fernseher zu, sagt seine Tochter Vivian Paul. Sie und ihre Schwester Lili strahlen vom oberen Teil des Wagens in schwarz-goldenen Jacken um die Wette – es ist für sie ein gelungener Start ins Jubiläumsjahr.

Köln ist unsere Heimatstadt, hier ist unser Winterquartier, von hier aus geht alles in die Welt. Deswegen ist es so besonders für uns, in diesem Jahr auch im Rosenmontagszug zu starten.
Vivian Paul

„Köln ist unsere Heimatstadt, hier ist unser Winterquartier, von hier aus geht alles in die Welt“, sagt Vivian Paul bevor es am Chlodwigplatz losgeht. „Deswegen ist es so besonders für uns, in diesem Jahr auch im Rosenmontagszug zu starten.“ Ohne die eigene Kapelle wäre das jedoch undenkbar. „Das Orchester ist ein fester Bestandteil von Roncalli“, so Bernhard Pauls Tochter und Nachfolgerin in spe Vivian. „Wir würden niemals unsere Musik auf einem Tape abspielen.“

Und dann geht es los: Das Orchester spielt „Einzug der Gladiatoren“, die Musik, die einem beim Gedanken an Zirkus fast automatisch in den Kopf kommt. Das lässt sich auch prima mit einem Tamburin begleiten – auch ohne Vorerfahrung. „Passt schon. Hauptsache die Stimmung ist gut“, sagt Pommer. Vor dem Roncalli-Wagen zeigen ein paar Artisten ihr Können, eine fährt auf dem Einrad mit, von oben fliegen Kamelle. Die heiß begehrten Plätze dort wurden unter den Mitarbeitenden ausgelost, daher ist aus fast allen Bereichen des Circus jemand mit dabei: aus dem Archiv, dem Kartenvorverkauf oder vom Einlass.

Artistik unter erschwerten Bedingungen: Mit Einrädern und buten Kostümen begeisterte der Circus auch bei Regenwetter.

Im Orchester wird jetzt ein Song nach dem anderen gespielt – rund 20 Stück sind an diesem Tag im Repertoire. Sängerin Lina ist einen Tag zuvor aus Kolumbien zurückgekommen, vom Jetlag merkt man ihr nichts an: „Es ist mein erstes Mal im Karneval.“ Sie strahlt. Auch auf Kapellmeister Georg Pommers Gesicht hat sich ein breites Lächeln gebildet, auch wenn er voll konzentriert gleich mehrere Aufgaben gleichzeitig übernimmt: Lieder ansagen, Blickkontakt mit seinen Musikern halten, Soli ansagen, Keyboard spielen, Singen und ein paar Kamelle werfen. „Da ist unser Neumarkt“, sagt Pommer kurz vor der Ausfahrt aus der Schildergasse. Vermutlich denkt er in diesem Moment schon an die Auftritte in dem großen Zelt, das ab April wieder mitten auf dem Platz stehen wird.

Wie verwurzelt und beliebt der Circus in Köln ist, zeigt das Publikum am Zugweg: „Roncalli, wir lieben dich!“, ruft eine Frau im Blumenkostüm. „Lili“, ruft ein anderer Jeck, „gib' mir deine Telefonnummer.“ Ausgelassen wird am Straßenrand zu den Rock-Nummern der Roncalli-Band getanzt, Applaus und Zugabe-Rufe gibt es an jeder Ecke. Da macht auch der Regen, der zeitweise auf die Band herunterprasselt, nicht viel aus. Gedankt wird es dem Publikum mit eigener Roncalli-Kamelle, die schon das Jubiläums-Logo zeigt.

Erste Probe: Redakteurin Henriette Sohns (r.) verstärkte das Roncalli-Orchester unter der Leitung von Georg Pommer (l.).

Vielleicht einziger Wermutstropfen ist, dass der Circus keinen eigenen Wagen mit in den Rosenmontagszug mitnehmen konnte. Aber auch das ist wohl zu verschmerzen: Fast zeitgleich war auch eine Delegation von Roncalli mit zwei historischen Wagen und einer Fußgruppe im Rosenmontagszug in der Landeshauptstadt Düsseldorf unterwegs.