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Gothic-Sause
Amphi-Festival lockt tausende Besucher an den Tanzbrunnen

Köln – Ob Bläck Fööss, Talentprobe oder auch Joe Cocker – Flaschensammler Hartmut ist immer am Tanzbrunnen, wenn etwas los ist. Normalerweise macht er um die Veranstaltungen keinen großen Rummel. „Die sind mir egal.“ Einzige Ausnahme sei das Amphi-Festival, sagt der 72-Jährige, der sich selbst als kamerascheu bezeichnet. Letzteres sind nicht viele der 12 500 Besucher, die jeweils Samstag und Sonntag die 13. Auflage der zweitägigen Gothic-Sause besuchen. Gerne posieren sie und lassen einen Schnappschuss von sich machen – die Mühen des Stylings sollen schließlich belohnt werden.

Xenia aus Frechen zum Beispiel hat vor Festival-Beginn vier Stunden damit verbracht, ihr Aussehen zu verändern. Sie trägt einen Kopfschmuck aus blauen Hörnern, ihr Dekolleté ist mit Muscheln verziert, die sich über den ganzen Körper verteilen. Damit die Schminke angesichts der Temperaturen hält, hat Xenia, die als Garderobiere arbeitet, Fixierspray benutzt. Manni, Tatowierer aus Solingen, stutzt, als er das hört. Damit das Schwarz um seine Augen und das Weiß in seinem Gesicht unter der großen Kapuze halten, hat er Haarspray genommen. Das sei zwar ein bisschen eklig, aber es erfülle seinen Zweck. Sein Tätowierkollege Robin hat damit keine Probleme. Sein Gesicht hat er hinter einer schwarzen Maske versteckt. Der vierte im Bunde ist Dennis. Auch bei ihm ist die Farbe Schwarz Trumpf. Schminke braucht er aber nicht, schließlich hat er schon genug damit zu tun, Xenia beim Styling zu helfen. Als Augenoptiker dürfen bei ihm allerdings gefärbte Kontaktlinsen nicht fehlen.

Amphi – ein kinderfreundliches Festival?

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Das Amphi-Festival ist für die Vier wegen des Aussehens der Leute interessant, die Musik auf den drei Bühnen – Tanzbrunnen, Theater und Schiff, das wegen des Niedrigwassers des Rheins vom Kennedyufer in Deutz an das linksrheinische Altstadtufer verlegt werden musste – spielt da weniger eine Rolle.

Das ist bei Thorsten anders. Er will vor allem die Band „Das Ich“ sehen. Mit im Schlepptau hat Thorsten seine Frau Sabine und die beiden Kinder Ragnar (10) und Mina (7). Das Amphi ist für sie ein Familienausflug, sagt Mama Sabine. „Bekannte haben uns das Festival als kinderfreundlich empfohlen.“ 2016 waren sie da und „eine Woche danach noch geflasht gewesen“. Klar, dass sie 2017 auch dabei sein müssen. Ihre Kinder sind auch begeistert. Mina hängen sogenannte Cyberlocks – Haarteile aus Gummi oder Plastik – vom Kopf herunter, wie sie von den sogenannten Cyber-Gothics getragen werden. Ihr Bruder Ragnar freut sich auf den Auftritt von „Lords of the Lost“.

Die rockige Schiene in der Szene und auf dem Festival bevorzugen Nina und Marc, die selbst Musik machen. Während der 47-jährige Lehrer für Pflegeberufe am Schlagzeug bei Darken Counter unterwegs ist, ist die 34-jährige studierte Japanologin Sängerin der Punk-Band The Nerves aus Stuttgart. Für sie steht zwar die Musik im Vordergrund, doch fallen die beiden ebenfalls durch ihr Äußeres auf: Beide tragen einen riesigen Irokesenschnitt.

Für Flaschensammler Hartmut sind solche Outfits das, was das Amphi am Tanzbrunnen besonders macht. „Das sind echte Hingucker. Nett sind die Leute zudem auch alle.“

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