Vorstoß in MännerdomäneDas ist die erste Oberverkehrsmeisterin bei den KVB

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In der Leitstelle hat Oberverkehrsmeisterin Nülüfer Dikmen alles im Blick.

In der Leitstelle hat Oberverkehrsmeisterin Nülüfer Dikmen alles im Blick.

Nülüfer Dikmen ist die erste Frau in dieser Position seit 145 Jahren KVB. Begonnen hat die 50-Jährige in Köln vor mehr als 20 Jahren als Busfahrerin.

„Der Weg ist das Ziel“, diese konfuzianische Weisheit ist eigentlich keine so gute Leitlinie für einen Verkehrsbetrieb. Dennoch orientiert sich Nülüfer Dikmen daran, seitdem sie vor über 20 Jahren bei den Kölner Verkehrs-Betrieben als Busfahrerin einstieg. Nicht mit Blick auf den Fahrplan natürlich, aber für ihren Berufsweg. „Ich gehe immer einen Schritt nach dem anderen“, sagt die 50-Jährige. Und damit ist sie bisher sehr gut „gefahren“. Bis hin zur Oberverkehrsmeisterin. Die erste Frau in dieser Position seit 145 Jahren KVB.

Mächtige Gelenkbusse durch die engen Straßen der Kölner Innenstadt zu lenken oder 60 Meter Stadtbahnen durch Köln zu steuern, das hat Nülüfer Dikmen schon Spaß gemacht. Die Linie 132 war ihr „Liebling“. Vom Westen aus übers Herz der Stadt bis hinein in die quirlige Südstadt. Dennoch sei in ihr das Gefühl aufgestiegen: „Dafür bin ich nicht auf die Welt gekommen.“ Also ging sie einen Schritt weiter. Die Frau, die „ihren Mann steht“, durchlief viele Stationen. Wie viele genau? Die 50-Jährige atmet tief durch: „Oh Gott, bestimmt ein gutes Dutzend.“

Ihr erstes großes Etappenziel jedenfalls erreichte sie 2008, mit dem Abschluss der Ausbildung zur Verkehrsmeisterin im Außendienst. Fortan steuerte und koordinierte sie die Dienstpläne der Betriebssteuerung, die sie als Verkehrsmeisterin ja bereits aus dem Effeff kannte. Ab 2010 übernahm sie vertretungsweise die Aufgabe einer Oberverkehrsmeisterin der Betriebssteuerung. Dann folgte der nächste, konsequente Schritt, der endgültige Vorstoß in eine Männerdomäne: Oberverkehrsmeisterin der Betriebstechnik.

Als solche bildet sie Verkehrsmeister und vor allem Stellwerkspersonale aus, außerdem beschäftigt sie sich mit der Planung von Zugsicherungsstrecken im U-Bahn Bereich.

Sicherlich, heute sei die Front zwischen Männern und Frauen nicht mehr so undurchlässig wie vielleicht noch vor zehn oder 20 Jahren. Dennoch stellt Nülüfer Dikmen klar: „Als Frau muss man sich durchsetzen und auch schon mal wehren können. Den Weg muss man schon noch gehen.“

Als Frau muss man sich durchsetzen und auch schon mal wehren können. Den Weg muss man schon noch gehen.
Nülüfer Dikmen

Was ihr als Frau Respekt verschafft, ist nicht zuletzt ihre reiche Praxiserfahrung. Nülüfer Dikmen weiß, an welchen Stellen Theorie und Praxis auseinanderklaffen. Gerade in der Ausbildung sind ihre Tipps aus dem Alltag nicht mit Gold aufzuwiegen. Denn bei der KVB geht es nicht darum, dass am Ende eines Fließbandes ein Produkt herauskommt, es geht um Fahrgäste und damit um Menschenleben. Das ist ein Druck, der will ausgehalten werden. Der darf einen nicht um den Schlaf bringen. Was Nülüfer Dikmen über Buchwissen hinaus also weitergeben kann, ist nicht weniger als praktische Berufslebenshilfe für den Nachwuchs.

Und nicht nur der ist beeindruckt von der Allrounderin, auch ihr Chef ist angetan von der Leistung Nülüfer Dikmens. „Denn es geht ja nicht nur darum, viele Stationen durchlaufen zu haben, sondern dass alle diese Aufgaben auch gut gemeistert wurden – das ist die Kunst“, klopft Thomas Boll, Leiter des Verkehrsdienstes, seiner Kollegin verbal auf die Schulter. „Um so einen Weg gehen zu können, muss man aber auch gesehen und gefördert werden“, gibt Nülüfer Dikmen dankend zurück.

Die KVB – für die 50-Jährige ist das nach der langen Betriebszugehörigkeit wie eine Familie. „Ja, die Loyalität ist bei mir groß. Ich will das große Ganze mitgestalten“, sagt sie.

Jetzt erst einmal Fuß fassen

Egal von wo aus man startet: „Man muss seinen Weg gehen, Schritt für Schritt.“ Da drängt sich unweigerlich die Frage auf, was ihr nächster Schritt sein wird? Die frisch gebackene Oberverkehrsleiterin lacht: „Jetzt will ich erst einmal in meiner neuen Aufgabe Fuß fassen – und Inspiration für andere Frauen sein.“


Ein langer Karriereweg

Sechs Oberverkehrsmeister und eine Oberverkehrsmeisterin sind aktuelle bei der KVB tätig. Um Oberverkehrsmeister werden zu können, ist eine mehrjährige Tätigkeit als Verkehrsmeister Voraussetzung. Aktuell gibt es bei der KVB 35 Verkehrsmeister im Außendienst, davon mittlerweile vier Frauen, und 34 Verkehrsmeister in der Leitstelle, hiervon ebenfalls vier Frauen.

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