Abo

Neues Viertel, neue FragenDas Max-Becker-Areal in Ehrenfeld bleibt umstritten

4 min
Neuer Inhalt (1)

Planspiele: Das Max-Becker-Areal (weiß umrandet), gestrichelt ist die Rheinenergie-Fläche. Das im Bau befindliche Ehrenveedel ist unten links zu sehen.

Köln – Für eines der umstrittensten Kölner Bauprojekte liegen neue Zahlen vor: Der Kölner Immobilienentwickler Pandion will bis 2029 auf dem sogenannten „Max-Becker-Gelände“ in Ehrenfeld 1700 neue Wohnungen und 4000 Arbeitsplätze schaffen – bislang hatte das Unternehmen stets von 1300 Wohnungen und 2300 Arbeitsplätzen gesprochen. Ein Plus von 30 Prozent bei den Wohnungen und 74 Prozent bei den Arbeitsplätzen, für die es Büros braucht. Woher kommt dieser Zuwachs?

Laut einer Sprecherin sind es  grobe Hochrechnungen, noch fehlen  exakte Pläne. Die Zahlen   beziehen  laut ihrer Aussage das benachbarte  Areal  der Rheinenergie  ein, darauf stehen unter anderem  ein  Umspannwerk und sowie ein nicht genutzter Gasspeicher. Beide Firmen haben im März eine Vereinbarung getroffen, die Fläche gemeinsam zu entwickeln.

Nichts ist entschieden

Max-Becker-Areal

Neuer Inhalt (2)

So sieht der Zeitplan von Pandion aus 2019 Die Pandion AG kauft das Gelände in Ehrenfeld vom Schrottverwerter Max Becker.

2020 Die Rheinenergie als Nachbar lässt das Vorkaufsrecht verstreichen, das Grundstück zu kaufen. Pandion und Rheinenergie schließen eine Kooperationsvereinbarung, sie wollen das Areal gemeinsam entwickeln.2021 Ein städtebaulicher Wettbewerb soll klären, wie das neue Quartier aussehen soll: Wo sind Straßen, wo Häuser? Ein solcher Wettbewerb ist üblich.2022 Max Becker stellt seinen Betrieb ein und zieht mit der Firma in den Niehler Hafen.2023 Baubeginn des neuen Viertels mit 1700 Wohnungen und Platz für 4000 Arbeitsplätze. Laut aktuellen Plänen soll es eine Schule und mehrere Kindertagesstätten geben. Auch einzelne Hochhäuser sind möglich. Pandion verweist darauf, dass die Öffentlichkeit beteiligt wird.2029 Das neue Viertel namens PAN soll fertig gestellt sein. Zur Investitionssumme sagt Pandion nichts. (mhe)

Das Max-Becker-Areal misst 12,5 Hektar (umgerechnet 17,5 Fußballfelder), das der Rheinenergie 3,7 Hektar (fünf Fußballplätze). Die Sprecherin betonte, die neue Anzahl an Wohnungen und Arbeitsplätzen verteile sich auf das Gesamtgelände und meine nicht, dass 400 Wohnungen und 1700 Arbeitsplätze auf dem Rheinenergie-Areal entstünden.

Aktuell verhandeln beide Firmen, wie das Gelände entwickelt werden kann.  Einigen sie sich, wächst die  Fläche um knapp ein Viertel. Hinter vorgehaltener Hand sagt ein Beteiligter, dass „Pandion jetzt vorgeprescht ist mit den neuen Zahlen“. Es sei nichts entschieden. Die  „Moderne Stadt“ als Stadtentwicklungsgesellschaft der Stadt ist  ebenfalls beteiligt, sie berät die Rheinenergie, beide sind  städtische Gesellschaften.

Fragen über Fragen

Bei der Bürgeranhörung zuletzt hatte Andreas Röhrig, Geschäftsführer der „Modernen Stadt“, gesagt: „Wir beraten die Rheinenergie als Dienstleister in dem Verfahren, derzeit prüfen wir, welche Flächen weiter betriebsnotwendig sind.“  Kann das Umspannwerk bleiben? Wenn ja, braucht es wohl einen großen Sicherheitsabstand zu neuen Häusern. Oder baut die Rheinenergie es anderswo? Und: Wird der Gasspeicher integriert? Die Rheinenergie teilte mit:„Im Moment ist keine genauere Aussage dazu möglich, da die zukünftige neue Nutzung ja noch abschließend zu klären ist. Davon hängen unsere Überlegungen mit ab.“

Von den nun 1700 Wohnungen soll das Land 30 Prozent fördern, sie werden an Menschen mit Wohnberechtigungsschein günstig vermietet – aktuell sind das zwischen 6,80 und 7,60 Euro je Quadratmeter. Pandion  bekennt sich zu dieser 30-Prozent-Quote.  Die Quote bezieht sich aber nicht auf die Anzahl der Wohnungen, sondern auf die gesamte Wohnfläche aller Wohnungen. 

Schon der Kauf hatte Krach gemacht

Aber wer baut diese Wohnungen, mit denen sich weniger Gewinn machen lässt als mit frei finanzierten Wohnungen? Die Rheinenergie beziehungsweise „Moderne Stadt“ – und Pandion  kann sich dann auf die teuren und renditeträchtigeren Wohnungen konzentrieren? Es ist eine Frage, die für viel Aufsehen sorgen dürfte, schon der Kauf des Areals durch Pandion hatte   Krach gemacht in der Kölner Politik.

Wie berichtet, hatte die Firma das Gelände von der dortigen Metall-Recyclingfirma Max Becker  gekauft, der Verwerter zieht   2022 in den Niehler Hafen. Von einer Kaufsumme von geschätzt 175 Millionen Euro war die Rede. Unter anderem die SPD fürchtete, dass Ehrenfeld zu  „Luxusfeld“ wird, weil die Pandion diese Summe durch den Bau teurer Wohnung refinanzieren würde.  Zum Vergleich: Auf der anderen Seite der Bahnlinie baut Pandion aktuell  das  „Ehrenveedel“, dort kostet etwa eine 55-Quadratmeter-Wohnung  377 900 Euro. Viel Geld und die Frage: Wird Ehrenfeld noch stärker gentrifiziert?

Warum ging Pandion ein hohes Risiko mit dem Kauf ein?

Der Begriff bezeichnet die Verdrängung der alt eingesessenen Bevölkerung, weil sie sich die steigenden Mieten nicht  leisten kann.  Und reicht die 30-Prozent-Quote  oder braucht es nicht  auch  preisgedämpfte Wohnungen mit einer Miete zwischen acht und etwa elf Euro?

Vor allem zwei Aspekte störten Teile des Stadtrates. Erstens: Die Rheinenergie  hatte ein Vorkaufsrecht, verzichtete aber.  Und zweitens: Noch ist dort Wohnbau rechtlich nicht möglich, dafür  muss erst die rechtliche Basis geschaffen werden. Hat die Stadt Pandion schon vor dem Kauf signalisiert, dass das unproblematisch sei? Oder warum soll ein Investor sonst so viel Geld ausgeben? Baudezernent Markus Greitemann wehrte sich dagegen schon im Frühjahr, sagte damals: „Ich habe Pandion nichts zugesagt, das ist falsch.“ Pandion verweist auf eine Risikoanalyse, die positiv ausgefallen sei.