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Versuchter Mord an Hells-Angels-Rocker in Köln-DellbrückDNA-Spur führt zu Auftragskiller in Malmö

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Mehrfach wurde auf die Scheibe eines Audis geschossen. Am Steuer saß ein 36-jähriger Rocker. dpa

Mehrfach wurde auf die Scheibe eines Audis geschossen. Am Steuer saß ein 36-jähriger Rocker. 

Der Mordanschlag spiegelt das wachsende Phänomen „Violence as a service“ wider, bei dem Jugendliche gezielt angeworben werden.

Die Spur im versuchten Mordanschlag auf einen Rocker (36) der Hells Angels in Dellbrück führt nach Skandinavien. Wie die Rundschau aus Polizeikreisen erfuhr, wurde vor wenigen Tagen ein Tatverdächtiger (28) festgenommen. Die Ermittler sprechen von einem mutmaßlichen Auftragskiller. Der Zugriff geschah in einer Flüchtlingsunterkunft im Raum Malmö. Eine am Tatort gesicherte DNA-Spur soll die Beamten auf die Spur des Mannes geführt haben.

21.12.2025, Nordrhein-Westfalen, Köln: Einsatzkräfte der Polizei und der Kriminaltechnik arbeiten an einem Tatort. Ein Mann wurde dort durch die Windschutzscheibe eines Autos, in dem er saß, angeschossen.

Polizisten untersuchten am 21. Dezember 2025 den Tatort der Schüsse im Kölner Stadtteil Dellbrück.

Kurz vor Weihnachten 2025 kam es auf einem Parkplatz an der Straße Fellmühlenweg in Dellbrück zu der brutalen Attacke auf den 36-Jährigen. Ein damals Unbekannter trat an das Auto heran und feuerte mehrere Schüsse ab. Das Opfer saß gerade am Steuer und telefonierte. Der 36-Jährige sackte lebensgefährlich verletzt zusammen. In einer Klinik retteten Ärzte dem Mann das Leben. Mittlerweile hat das Opfer das Krankenhaus wieder verlassen.

Die Festnahme gelang durch eine sehr gute Zusammenarbeit zwischen den deutschen und schwedischen Sicherheitsbehörden. Intern wird der Zugriff als großer Erfolg bewertet. Ansonsten halten sich die Behörden mit Informationen zu dem Ermittlungserfolg zurück. Der Fall wird von den Fahndern im Bereich der Organisierten Kriminalität bearbeitet. Die Beamten sind schweigsam, wenn es um Informationen für die Öffentlichkeit geht. „Wir können nicht über alles öffentlich sprechen“, sagte unlängst Polizeipräsident Johannes Hermanns im Zusammenhang mit dem Kölner Drogenkrieg. Im Bereich der Organisierten Kriminalität sei Geheimhaltung ein wichtiger Punkt in Richtung Ermittlungserfolg. „Um die sehr sensiblen Ermittlungen nicht zu gefährden, können zum jetzigen Zeitpunkt keine Auskünfte erteilt werden“, betonte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer in Bezug auf die Festnahme in Schweden.

Hintergründe bieten Stoff für einen Krimi

Doch schon die derzeit bekannten Hintergründe der Schießerei in Dellbrück haben reichlich Stoff für einen Krimi zur besten Sendezeit. Eigentlich war bereits im Herbst 2025 ein Auftragskiller (17) aus Schweden auf den Rocker angesetzt worden. Doch die Ermittler kamen den Plänen auf die Spur. Im November 2025 war der Jugendliche aus Schweden in einem Kölner Hotelzimmer festgenommen worden, weil er offenbar einen Mordauftrag durchführen wollte. Er hatte sich auf ein entsprechendes „Inserat“ in den sozialen Medien bei den unbekannten Auftraggebern gemeldet. Wie zu erfahren war, fanden die Ermittler auf dem Handy des 17-Jährigen Fotos des beschossenen Rockers aus Dellbrück.  Anschließend wurde ein neuer Auftragskiller (28) angeheuert, der nun verhaftet wurde. Der 17-Jährige soll an die schwedische Justiz ausgeliefert werden. Bei dem 17-Jährigen gehen die Ermittler davon aus, dass er im Internet angeworben wurde.

Kölns Kripo-Chef Michael Esser spricht bei diesen Fällen von „Violence as a service“ – Gewalt auf Bestellung. „Die Täter kennen in der Regel den Auftraggeber und die Hintergründe der Tat nicht und erhalten später über Mittelsmänner eine Entlohnung“, so Esser. Bereits im Kölner Drogenkrieg gab es mehrere Taten mit jungen angeheuerten Brandstiftern. Beispielsweise bei einer Explosion in einem Modegeschäft auf der Ehrenstraße. Diese Sprenger in der Organisierten Kriminalität werden nach Beobachtung der Polizei immer jünger. Die Drahtzieher sprechen in sozialen Medien gezielt 13- bis 17-Jährige an, teilte die internationale Polizeibehörde Interpol mit.

„Es werden junge, oft perspektivlose Kerle über die sozialen Medien für eine Straftat angeworben. Oder sie bewerben sich selbst darum auf Online-Plattformen. Ein Vermittler meldet sich bei ihnen, Auftraggeber und Ausführender kennen einander nicht, Letzterer weiß auch nicht, worum es überhaupt geht. Zum Beweis muss er ein Video von seiner Tat drehen“, erklärt Kripochef Esser und Dirk Schuster von der Kriminalpolizei das kriminelle Phänomen weiter. Die Vergütung liege im dreistelligen oder niedrig vierstelligen Bereich, es könne auch Güter geben —zum Beispiel eine Playstation.

Besonders in den Niederlanden und auch in Schweden ist „Gewalt auf Bestellung“ für die Polizei ein großes Thema.