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Personen im Restaurant gefesselt?
Vater des Drogenbosses in Köln angeklagt

3 min
In diesem Deutzer Lokal sollen Personen gefesselt worden sein. Im Juni 2025 wurde es bei einer Explosion schwer beschädigt

In diesem Deutzer Lokal sollen Personen gefesselt worden sein. Im Juni 2025 wurde es bei einer Explosion schwer beschädigt

Dem Sohn wird gerade der Prozess gemacht, nun droht auch dem Vater die Anklagebank: Dem 50-Jährigen werden Geldwäsche und versuchte Erpressung vorgeworfen.

Im Zusammenhang mit dem Kölner Drogenkrieg hat die Kölner Staatsanwaltschaft jetzt auch den Vater (50) von Sermet A. (24) angeklagt. Dies bestätigte ein Sprecher des Landgerichtes gegenüber der Rundschau. Dem Mann werden Beihilfe zum Handel mit Cannabis in nicht geringen Mengen, versuchte räuberische Erpressung und Geldwäsche vorgeworfen. Ein Prozesstermin steht noch aus.

In den Ermittlungsakten des Vaters des mutmaßlichen Drahtziehers im Kölner Drogenkrieg Sermet A. dreht es sich um das bei einer Explosion schwer beschädigte Lokal des 50-Jährigen in Deutz, Geldwäsche von mutmaßlichem Drogengeld in sechsstelliger Höhe und um die verschwundenen 350 Kilo Marihuana aus einer Lagerhalle in Hürth-Kalscheuren.

Köln: Drogen unter Chips versteckt

Der Verlust der Drogen im Wert von rund 1,5 Millionen Euro schmerzten den Chef der Drogenbande, Sermet A. dermaßen, dass er mit aller Gewalt versuchte herauszufinden, wer für die Tat verantwortlich ist. Dies wurde besonders in den bereits laufenden Prozessen vor dem Landgericht mehr als deutlich. Die Entwendung von 350 Kilogramm Marihuana soll der Auslöser des Kölner Drogenkrieges gewesen sein, das der Kölner Bande um Sermet A. gehörte. Die Drogen – insgesamt mehr als 700 Kilogramm – waren in einer Lagerhalle in Hürth in Kartons unter Kartoffelchips-Tüten versteckt. Es hatte einen Lastwagen gebraucht, um die Menge Drogen zu transportieren. Die Hälfte wurde von anderen Kriminellen gestohlen. Um Hinweise auf den Verbleib des Rauschgifts zu erhalten, soll A. unter anderem die Entführung und stundenlange Folter eines Paares aus dem Ruhrgebiet angeordnet haben.

Eine Festnahme hat es nach der Feuer-Attacke bisher nicht gegeben. Das Verfahren läuft gegen Unbekannt.
Ulrich Bremer, Oberstaatsanwalt

Wie nun aus der Anklage der Kölner Staatsanwaltschaft gegen den Vater hervorgeht, soll auch er sich dafür eingesetzt haben, herauszufinden, wo die Drogen sind. Laut Landgericht habe der Mann verschiedene Personen in sein Restaurant in Deutz „einbestellt“. Drei Personen sollen dort gefesselt und bedroht worden sein. Nach der Festnahme seines Sohnes am Flughafen in Paris im Oktober 2024 soll sich der Vater auch um finanzielle Angelegenheiten rund um den Drogenkrieg gekümmert haben. Laut Anklage soll der 50-Jährige eine sechsstellige Summe entgegengenommen haben.

Suche nach Mitgliedern der Drogenbande aus Kalk

Festgenommen wurde der 50-Jährige im September 2025 im Rechtsrheinischen. Den Haftbefehl vollstreckten die Fahnder der Ermittlungsgruppe „Sattla“, das niederländische Wort für Haschisch. Die Ermittler suchen seit vielen Monaten nach den Beteiligten einer Drogenbande aus Kalk, die für Schüsse, Explosionen und Entführungen in Köln und weiteren Teilen Nordrhein-Westfalens verantwortlich sein soll. Die Gruppe soll dabei auch mit Kriminellen aus den Niederlanden zusammengearbeitet haben. Offensichtlich sind den Fahndern dabei nicht nur die mutmaßlichen kriminellen Machenschaften des Drogenbosses Sermet A. aufgefallen, sondern auch die seines Vaters. Bei der Polizei wird die Festnahme intern als großer Erfolg bewertet.

Im Sommer 2025 war das Restaurant des Vaters in Deutz an der Kalk-Deutzer-Straße teilweise in die Luft geflogen. Die Detonation zerstörte Fensterscheiben des Lokals, Stühle wurden bis auf den Gehweg geschleudert. Verletzt wurde niemand. Zeugen berichteten, dass zwei Männer kurz nach dem Vorfall in Richtung Technische Hochschule Deutz geflüchtet seien.

Die Polizei veröffentlichte nach der Explosion das Foto eines Mannes, der einen Brandsatz geworfen hatte. Eine Überwachungskamera hatte die Tat aufgenommen. Galt der Brandanschlag dem festgenommenen Vater des Drogenkönigs? „Eine Festnahme hat es nach dem Brandanschlag bisher nicht gegeben. Das Verfahren läuft gegen Unbekannt“, sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer gegenüber der Rundschau.