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„Sie war unantastbar“
Kölner Südstädter erinnern sich an Trude Herr

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Herr

Das kleine Schild mit den biografischen Daten ist neu. 

Köln-Südstadt – Die, die sie nicht kennen, haben es jetzt schriftlich: Ein kleines Hinweis-Schild unter dem Straßenschild Trude-Herr-Park gibt ab sofort Auskunft über die Namensgeberin: „4.5. 1927 – 16.3. 1991 – Niemals geht man so ganz“. Schauspielerin; Sängerin und Direktorin des „Theaters im Vringsveedel“. Dort, wo man heute im Odeon-Kino Filme guckt.

Engagierte Südstädter bei der Zeremonie

Bezirksbürgermeister Andreas Hupke sowie Cornel Wachter und Reinhold Goss enthüllten das Hinweisschild feierlich am 95. Geburtstag der Veedels-Legende. Wachter begegnete der Schauspielerin, die wohl nicht immer bestens gelaunt durch die Südstadt lief, als junger Mann gelegentlich. „Ansprechen durfte man die nicht. Da konnte die sehr krabitzig werden.“ Herr hat auf Wachter immer sehr gestresst gewirkt. „Sie war unantastbar. Aber irgendwie doch immer auf Augenhöhe.“

Beeindruckt von der Kommunistin

Hupke hat Trude nicht persönlich gesprochen, hatte aber ein Bühnenerlebnis der besonderen Art: „Ich habe sie als junger Aktivist Anfang der 70er Jahre zweimal in ihrem Theater auf der Bühne gesehen. Für uns Hausbesetzer war sie eine Ikone. Sie war ja in Kalk geboren, setzte sich für die kleinen Leute ein und nannte sich Kommunistin. Das war der Stolz, den sie hatte.

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Ich war am Ende der Vorstellung wirklich ergriffen. Ich hatte Tränen in den Augen. Sie hatte mindestens zwölf Vorhänge. Und hat uns gewarnt, weil draußen ein Eisregen niedergegangen war.“ Der Bezirksbürgermeister erinnerte daran, dass Trude Herr nie städtische Subventionen für ihr Theater bekommen habe. „Dafür hätte sie Formulare ausfüllen müssen. Das ging bei ihr gar nicht.“

Trude-Herr-Fan-Club bezahlte Denkmal

Auch Hilde Schmitz war zur Enthüllung in den Park gekommen. Die Vorsitzende des Trude-Herr-Fan-Clubs nutzte die Gelegenheit, um einen weit verbreiteten Irrtum auszuräumen. „Ich habe schon mehrfach gehört, dass die Stadt ihre große Schauspielerin mit einem Denkmal auf dieser Grünfläche vor dem Stollwerck geehrt habe.“

Das stimme ganz und gar nicht: „Für das Denkmal hat der Fan-Club Geldspenden gesammelt. Und als die nicht reichten, haben wir unsere eigenen Sparkonten geplündert.“ Das Vereinsleben habe in den vergangenen zwei Jahren ein wenig gelitten. Aber jetzt treffen sich die 14 Mitglieder wieder einmal im Monat im „Leib und Seele“ in Zollstock. „Wir gucken Filme oder sprechen über Trude. Vor kurzem hat jemand von uns bisher unbekannte Fotos entdeckt“, beschreibt Schmitz die Abende.

Auch in der Literatur lebt Trude Herr weiter. Heike Beutel ist Autorin des Buches „Trude Herr – Ein Leben“. Das war vergriffen, wurde aber jüngst aktualisiert und vom Emons-Verlag neu aufgelegt. Beutel und Anna Barbara Hagin haben zahlreiche Zeitgenossen der Schauspielerin interviewt, die einen umfassenden Blick auf der Leben der „Kölschen Geisha“, so eines ihrer Theaterstücke, werfen.