Das Unternehmen legt starke Zahlen für 2025 vor, sieht sich aber vor einem herausfordernden Jahr.
Rekord-UmsatzKoelnmesse will 2033 neue Zentrale beziehen

Anstelle der Halle 3 will die Messe die neue Zentrale bauen
Copyright: Koelmesse/Astoc HPP
Es ist wohl eher eine Form von Zweckpessimismus mit dem die Koelnmesse in das Jahr 2026 schaut. Ja, Deutschland dümpelt in einer wirtschaftlichen Flaute und die internationalen Märkte stehen unter dem Eindruck protektionistischer Politik. Doch dass die Koelnmesse 2026 schwer haben wird, an die Erfolge von 2025 anzuschließen, dürfte nicht unwesentlich an dem herausragenden Ergebnis für das vergangene Jahr liegen. 2025 hat die Kölner Messegesellschaft ihren Umsatz von 365,8 Millionen Euro in 2024 auf 450 Millionen gesteigert. Das ist der höchste Umsatz der Unternehmensgeschichte. Der Gewinn stieg im Jahresvergleich von 21,3 Euro auf 60 Millionen Euro. Erwirtschaftet wurde dieses Geld mit weltweit 79 Veranstaltungen, darunter 57 in Eigenregie. Das Flaggschiff auf diesem Erfolgskurs war die Lebensmittel- und Getränkemesse Anuga, die ebenfalls Rekorde brach.
Halle 3 soll neuer Zentrale weichen
Auf dem Gelände will sich die Messe in den nächsten Jahren verändern. So will die Gesellschaft die bestehende Halle 3 abreißen und bis zum Jahr 2032 eine neue Zentrale auf dem Gelände bauen. Der Neubau soll zentrale Funktionen wie eine Großküche und Kongresseinheiten vorsehen, aber auch die Verwaltung der Gesellschaft beherbergen. Auf den oberen Etagen sind 450 Arbeitsplätze für die Beschäftigten geplant. Der Bau soll 193 Millionen Euro kosten, die Messe will die Summe aus eigener Kraft finanzieren. Der Aufsichtsrat der Messe hat die Planungen bereits abgesegnet, ein Baubeschluss ist für das kommende Jahr vorgesehen. Im Herbst 2027 soll der Abriss der alten Halle 3 beginnen.

Der Neubau gliedert sich neben dem Eingang Süd ins Gelände ein
Copyright: Koelmesse/Astoc HPP
Damit käme ein jahrelanges Planungsverfahren für eine neue Messezentrale zum Abschluss. Die Verwaltung sitzt derzeit in dem denkmalgeschützten Hochhaus nahe der Zoobrücke. Der Bau gehört nicht der Messe, sondern der Immobiliengesellschaft Aroundtown, die Messe hat es angemietet. Der 61 Meter hohe Bau ist marode, er ist seit Jahren mit Netzen überspannt, da sich Fassadenteile lösen könnten. Der Mietvertrag läuft bis zum Jahr 2033. Die Koelnmesse hatte vor der Corona-Krise bereits einen Neubau auf der östlichen Seite der Deutz-Mülheimer Straße geplant. Die Pläne des dänischen Architektur-Büros Cobe sahen einen 75 Meter hohen Turm und Campus-Bauten für 650 Beschäftigte vor. Die Pläne waren nach der Pandemie nicht mehr zu realisieren. Zuletzt hatte die Gesellschaft neben dem Neubau auf dem Gelände die erneute Verlängerung des bestehenden Mietvertrages sowie die Anmietung von Büroflächen in der Umgebung geprüft.
Alles zum Thema Eifel
- Sechsstelliger Schaden 20 Tonnen Fisch durch verunreinigtes Wasser verendet
- Rekord-Umsatz Koelnmesse will 2033 neue Zentrale beziehen
- Aus Pandemie gelernt Glatteiswarnung - Schulen im Kreis Euskirchen setzten auf Homeschooling
- Fische verendet Gülle in den Hauserbach bei Mechernich eingeleitet – Verursacher wird gesucht
- Infrastruktur Stromversorgung im Kreis Euskirchen ist seit Jahresbeginn neu geregelt
- Winterwetter Die netten und die weniger netten Seiten von „Elli“ im Kreis Euskirchen
- Landtagswahl Wüst erwartet 2026 „einen großen Schritt nach vorne“

Das Kongresszentrum Confex hat das Geschäft belebt.
Copyright: Thomas Banneyer
Die Entscheidung für den Neubau auf dem Gelände soll nun wichtige Funktionen der Messe zentral bündeln. Der Entwurf der Architekten-Arbeitsgemeinschaft Astoc und HPP sieht einen viergeschossigen Neubau mit 34.000 Quadratmetern Fläche vor. Der lichte Bau mit weißen Fassadenelementen befindet sich am Eingang Süd, nahe dem Bahnhof Köln/Messe Deutz und der Messe-City. Im Sockelbereich sind Flächen für Gastronomie und Konferenznutzungen vorgesehen. Im Schnittpunkt der Messe-Magistralen sind auf zwei Etagen 450 Arbeitsplätze für die rund 700 Kölner Beschäftigten vorgesehen. Das ist deutlich weniger als im jetzigen Bau, wo alle Beschäftigten Platz finden. Die Messe begründet dies mit dem verstärkten mobilen Arbeiten, viele Mitarbeiter sind inzwischen regelmäßig aus dem Homeoffice heraus tätig.
Die Halle 3 zählt zu den ältesten Messehallen, sie wurde 1967 gebaut. Vor allem die zahlreichen Säulen im Inneren und die niedrigen Geschosshöhen machen eine Nutzung schwierig. Die Messe ist dabei, die Alt-Hallen zu sanieren. Die Hallen 10 und 2 sind bereits modernisiert, der Prozess läuft bis zum Jahr 2040. Die Halle 3 soll ab dem Herbst 2027 abgerissen werden. Es ist dann eine relativ lange Bauzeit der neuen Zentrale von vier Jahren vorgesehen. Dies habe auch damit zu tun, erklärt die Messe, dass die Bauarbeiten immer wieder ruhen müssten. „Während der Gamescom können Sie da nicht bauen“, sagt Geschäftsführer Oliver Frese. Die Gesamthallenfläche der Messe von derzeit rund 290.000 Quadratmetern reduziert sich durch den Wegfall nur leicht, zwar verliert die Messe 16.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, durch den Bau des neuen Kongresszentrums Confex sind aber knapp 6000 Quadratmeter Fläche neu entstanden. Bonus für die Beschäftigten: Auf dem Dach soll eine Terrasse entstehen, sie eigne sich auch für Events.
Weitere Zahlen aus dem zurückliegenden Jahr: Über 8000 Aussteller aus 110 Ländern und mehr als 145.000 Fachbesucher aus über 190 Nationen kamen zu der Anuga. Für Geschäftsführer Frese ist die Anuga damit die Gegenbewegung zu einem Protektionismus der Marke „America first“: „Die Anuga zeigt, welche Bedeutung internationale Branchentreffen gerade in herausfordernden Zeiten haben. Sie unterstützen den Dialog, schaffen Vertrauen und zeigen, wie vernetzt und dynamisch die globale Wirtschaft agiert“.
Auch Flaggschiffe können sinken
Dass die Anuga sicherlich noch auf Jahre hinaus ein Flaggschiff für die Koelnmesse ist, darf nicht in trügerischer Sicherheit wiegen. Denn auch große Tanker können sinken, wie die Möbelmesse imm beweist. Die kam aus dem Corona-Loch nicht mehr richtig heraus und musste nach schwachen Jahren für 2025 abgesagt werden. Der Verlust konnte durch das neue Format idd für hochwertige Einrichtungsgegenstände mehr schlecht als recht abgefedert werden. Die idd ist kaum mehr als ein kurzer Schatten der imm.
Eine Strategie, um solchen Entwicklungen entgegenarbeiten zu können, ist eine weitere internationale Ausrichtung der Koelnmesse. „Das internationale Wachstum der vergangenen Jahre zeigt, dass unsere strategische Ausrichtung wirkt und wir in wichtigen Regionen weiter an Profil gewinnen. Gleichzeitig nimmt unsere globale Entwicklung spürbar Fahrt auf“, ordnet der Vorsitzende der Geschäftsführung, Gerald Böse, die Auslandsaktivitäten der Messe ein. Sein Blick geht dabei in den fernen Osten. Dort soll der neu berufene „Regional President Asia Pacific“, Mathias Küpper, die Gesellschaften in Singapur, Thailand, Indonesien, Japan, China und Hongkong enger vernetzen. Passend dazu wird die Koelnmesse in 2026 eine weitere Tochtergesellschaft in Indonesien eröffnen. Bei aller Internationalität bekennt sich Böse klar zum „Heimathafen“ Köln. „Alle unsere weltweiten Aktivitäten stärken den Standort Köln.“
Eine weitere Strategie, um Verluste in schwächelnden Branchen auszugleichen: Gastmessen. Auch da können Böse und sein Team einen Erfolg verkünden: Ab Januar 2027 wird der Veranstalter Reed Exhibitions Limited die PSI, eine führende Leitmesse für Werbeartikel, dauerhaft in Köln veranstalten.
Für das Konferenz-Center Confex war 2025 das erste Veranstaltungsjahr. Geführt wird das Haus von der Messe-Tochter Koelncongress. Für Geschäftsführer Ralf Nüsser ist Confex gut aus den Startblöcken gekommen. Die Buchungslage sei bis 2030 sehr gut. Auch bis 2032 gebe es schon erste Reservierungen. Festmachen kann er den Erfolg beispielhaft an der Medizinbranche. Bisher konnte Nüsser Kongresse dieser Branche im Gürzenich regional bedienen. Mit dem Confex schafft er nun den Sprung auf die Nationale Ebene – und nimmt dabei Europa in den Blick. So erreichte der 20. Jahrestag der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin eine Teilnehmerzahl von rund 3000. Geplant waren 1500. Ebenso bei der Jahrestagung der deutschen, österreichischen und schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie: 5000 Besucher waren prognostiziert, 6800 kamen.
Klar, dass bei diesen Erfolgen die Messeleitung für 2026 kleinere Brötchen backen möchte. Einige Ergebnisse werden alleine schon deshalb nicht zu erreichen sein, weil einige große Messen im laufenden Jahr turnusgemäß nicht stattfinden, beispielsweise die Anuga steht erst wieder für 2027 auf dem Plan. Unabhängig davon muss der Messe aber eingestanden werden, die Prognosen deuten auf schweres Fahrwasser hin. Nicht zuletzt auch, weil die deutsche Wirtschaft nicht in Fahrt kommt. Das macht das Messegeschäft nicht leichter, da würde sich Böse auch flankierende Maßnahmen von Köln erhoffen. Die Bettensteuer von Pauschal 5 Prozent in der Domstadt ist dem Messechef dabei ein Dorn im Auge. „Das Geld bei den Unternehmen ist knapp. Wer mit einer größeren Zahl an Mitarbeitern anreist, bekommt die 5 Prozent deutlich zu spüren“, berichtet er. Die Folge sei, dass die Zahl der Messebesucher reduziert und die Aufenthaltsdauer verkürzt werde. Hotelangebote im Umland bis in die Eifel hinein gewönnen so für die Unternehmen an Attraktivität. Köln gingen dadurch aber Umsätze verloren. Doch Böse zeigt sich hoffnungsfroh. Immerhin habe der neue Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) die Wirtschaftspolitik zu einem seiner thematischen Schwerpunkte gemacht.


