Die Linie 1 fuhr am Mittwoch nahezu gar nicht mehr. Auf zahlreichen weiteren Linien kam es zu Unregelmäßigkeiten. Nun fordern Mitglieder des KVB-Aufsichtsrates Konsequenzen bis hin zu Gehaltskürzungen für den Vorstand.
VerkehrschaosSoll KVB-Vorstand das Gehalt gekürzt bekommen?

KVB-Kunden brauchen seit Monaten viel Geduld. Am Mittwoch gab es wieder Wartezeiten von bis zu 60 Minuten.
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Es ist eine Weihnachtslotterie, bei der der KVB-Kunde nur verlieren kann: Kommt die Stadtbahn oder kommt sie nicht? Hauptgewinn ist bereits: Sie fährt nach Plan. Doch wie es bei Lotterien so ist, die Nieten überwiegen, wie der Mittwochmorgen mal wieder erschreckend verdeutlicht hat. Auf der Linie 1 entfielen zahlreiche Verbindungen. Weitere Ausfälle auf den Linien 3, 4, 5, 7, 9, 13, 15, 16, 17, 18. Wie die Rundschau kürzlich berichtete fallen zeitweise bis zu einem Viertel des Fahrplanangebotes aus. Nervenaufreibend und frustrierend für die Kunden, denn ob sie betroffen sind, erfahren sie meist erst an der Bahnsteigkante. Nun fordern Aufsichtsratsmitglieder der KVB Konsequenzen. Bis hin zu einer Gehaltskürzung für den Vorstand.
Seit August neben der Spur
Seit vergangenem August ist die KVB neben der Spur, das Planen mit ihr für Fahrgäste eine Lotterie. Der Betrieb führt seit dem beharrlich Personalmangel und einen hartnäckig hohen Krankenstand von bis zu 20 Prozent an. So auch am Mittwoch. „Es ist das bekannte, traurige Problem“, begründet ein Sprecher die erneut zahlreichen Ausfälle im Berufsverkehr für Ralph Sterck, Fraktionsvorsitzender der FDP im Kölner Stadtrat und Mitglied des KVB-Aufsichtsrates, ist diese Begründung langsam nicht mehr so einfach hinnehmbar.
Denn es gibt Indizien dafür, dass der Frust in der Belegschaft des Verkehrs-Betriebs zunimmt. Offen dürfen sich die Fahrerinnen und Fahrer dazu nicht äußern. Die Betriebsleitung verpflichtet sie zum Schweigen. Doch für Rundschau packte ein Fahrer anonym aus. „Die Stimmung ist schlecht“, berichtete er. Durch die dünne Personaldecke müssten immer mehr Schichten eingeschoben werden. Urlaub beispielsweise sei kaum noch planbar.
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„Wenn die Leistung aber nicht stimmt, sollten wir prüfen lassen, ob das Gehalt nicht gekürzt werden muss.“
Für Streck ist da unter anderem Vorstandsmitglied Peter Densborn in der Pflicht, ehemaliger Betriebsratsvorsitzender und nun Personalvorstand und Arbeitsdirektor. Mit 386 600 Euro Vergütung plus 481 100 Euro Altersvorsorge im Jahr zählt er zu den Spitzenverdienern bei der KVB. „Er muss den direkten Zugang zum Personal haben“, nimmt Streck ihn bezüglich der Stimmung im Betrieb in die Pflicht.
Und an ihm macht er seine Forderung fest: „Wir zahlen den vier Vorstandsmitgliedern eine leistungsbezogenes Gehalt. Wenn die Leistung aber nicht stimmt, sollten wir prüfen lassen, ob das Gehalt nicht gekürzt werden muss.“ Die vier Vorstandsmitglieder erhielten beispielsweise im Jahr 2021 zuzüglich zu ihrer Festvergütung Tantiemen in Höhe insgesamt rund 232 0000 Euro.
Verlässlicher Takt gefordert
Der Vorsitzende des KVB-Aufsichtsrates, Lino Hammer (Grüne) fordert nicht weniger Geld für die Vorstände, aber mehr Leistung von ihnen. Es ist die Unzuverlässigkeit des Fahrplans, die er kritisiert. „Der Kunde soll wissen, wann welche Linie fährt“, sagt er. „Der Vorstand solle einen verlässlichen Takt herstellen.
Kommt es also aufgrund des Personalmangels immer wieder auf einer Linie im Fünf-Minuten-Takt zu Unregelmäßigkeiten, dann doch lieber von vornherein mit weniger Fahrerinnen und Fahrern einen verlässlichen Zehn-Minuten-Takt herstellen. In diesem Sinne fordert Hammer eine „offensive Kommunikation“ ein. Also nicht immer wieder den Kunden frustriert an der Bahnsteigkante zurücklassen, sondern im Vorfeld zuverlässig darüber informieren, wann seine Bahn fährt.
Entschuldigungsbrief an KVB-Kunden
In Sachen „Kundenservice“ geht Teresa de Bellis, verkehrspolitische Sprecherin der CDU und ebenfalls Mitglied im Aufsichtsrat der KVB, noch einen Schritt weiter. „Der Vorstand sollte die Stammkunden anschreiben“, fordert sie.
Mit Erklärungen und Entschuldigungen dafür Sorgen, „dass wir die nicht auch noch verlieren“. Und in diesem Brief sollte auch eine verlässliche Strategie erkennbar sein. „Ich jedenfalls vermisse die Perspektive.“ Perspektivisch verspricht KVB-Vorstandsvorsitzende Stefanie Haaks mehr Fahrerinnen und Fahrer auszubilden. Doch Früchte werde das erst frühestens ab kommenden März tragen. Intern wird aber selbst diese Perspektive als schwer einhaltbar eingestuft.


