Das freie Theaterkollektiv Subbotnik inszeniert individuelle Erb-Erfahrungen als spielerische Auseinandersetzung auf der Bühne im Volksgarten.
Theater in KölnOrangerie thematisiert das Erbe als sozialen Sprengstoff

subbotnik-Mitbegründer Oleg Zhukov kündigt für die Aufführungen im Orangerie Theater eine spielerische Übung des Erbstreits an.
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Das Vermächtnis der Menschen ist kollektiv wie individuell mitunter eine Katastrophe. Kriege, Umweltzerstörung und politische Missstände kennzeichnen Hinterlassenschaften, auf die zukünftige Generationen vermutlich gerne verzichten würden. Die Urbilder zivilisatorischer Untergangsszenarien werden dabei in jeder Gegenwart neu aus dem eher unscheinbaren Mikro- in den unübersehbaren Makrokosmos katapultiert. Das Theaterensemble von Subbotnik stößt mit der aktuellen Produktion „Showdown – Eine Übung des Erbstreits“ Fragen der Zeit an, die einer Klärung bedürfen: „Wer bekommt was?“, „Wer bleibt außen vor?“, „Was bedeutet Erben in einer Gesellschaft, in der Eigentum auch stets politisch ist?“
Pro Jahr werden in Deutschland etwa 400 Milliarden Euro vererbt
Schätzungen des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) beziffern die jährlich vererbte Summe in Deutschland dabei auf etwa 400 Milliarden Euro. Nach einer Aufführungsserie am Forum Freies Theater Düsseldorf (FFT) steht nun im Orangerie-Theater die Köln-Premiere auf dem Programm. Die kommenden Darbietungen knüpfen an das Vorgänger-Stück „Haus/Doma“ (2023) an, in dem bereits familiäre Verbindungen und deren Interaktionen beleuchtet wurden.
Man darf die Familien mit der Erblast nicht alleine lassen.“
Mit einer Absage an klassische Stück-Strukturen transferiert die Gruppe um Kornelius Heidebrecht, Nadja Duesterberg, Maria Trautmann, Oleg Zhukov, Rolf Springer und Timafei Birukov die Grundtragik verwoben mit den Elementen des Absurd-Komischen auf die Bühne. „Die Thematik geht grundsätzlich mit einer gewissen Schwere einher, die schon zur Spaltung ganzer Dynastien geführt hat. Diese negative Konnotation wollen wir mit subtilem Humor ein wenig auflösen“, erklärt Ensemble-Mitglied Oleg Zhukov. „Man darf die Familien mit der Erblast nicht alleine lassen. Deshalb treten wir als Erbverwalter auf“, verrät der Performer, Regisseur, Dramaturg und Autor über die rund 90-minütige Handlung, die in einem zur Arena umfunktionierten Saal stattfindet.
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Dabei habe man während der zwölfmonatigen Arbeiten authentische Geschichten von Betroffenen gesammelt. Neben der Wiedergabe von Einzelfällen, in denen vor allem Schulden und Traumata weitergegeben wurden, greift „Showdown“ auch universale Theorien auf, die eine mögliche Zuwendung oder Abkehr von Ideologien beinhalten. Darüber hinaus wartet das Werk mit einem heimischen Bürger:innen-Chor und einer Live-Band auf, um die Perspektiven der Bevölkerung zu betonen. „Das Stück macht wirklich Spaß, verfügt aber auch über Spannung und Tiefe ohne moralisch belehren zu wollen“, verspricht Oleg Zhukov.
„Showdown – Eine Übung des Erbstreits“ von Subbotnik, Orangerie- Theater, 5. März 20 Uhr (Köln-Premiere), 6./7. März 20 Uhr, 8. März 18 Uhr, Performance/Text/Musik: Kornelius Heidebrecht, Nadja Duesterberg, Maria Trautmann, Oleg Zhukov, Rolf Springer, Timafei Birukov, Volksgartenstraße 25, 50677 Köln, www.orangerie-theater.de

