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WRM-BaustelleArchäologen entdecken Reste des römischen Hafens in Köln

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Reste einer römischen Pfahlwand in der Baugrube des WRM-Erweiterungsbaus in der Kölner Altstadt.

Reste einer römischen Pfahlwand in der Baugrube des WRM-Erweiterungsbaus in der Kölner Altstadt.

Archäologen haben in der Baugrube für den Erweiterungsbau des Wallraf-Richartz-Museums (WRM) Reste des römischen Hafens entdeckt. Dadurch verzögert sich der Bau um vier Monate.

Dieses Mal war es eine positive Überraschung: Nach dem man im Herbst in der Baugrube für den Erweiterungsbau des Wallraf-Richartz-Museums & Fondation Corboud (WRM) Quecksilber gefunden hatte, was eine Schadstoffsanierung nach sich zog, wurden jetzt dort bei Aushubarbeiten Relikte aus der Römerzeit entdeckt. Nach Angaben der Stadt Köln handelt sich um ein Uferschutzbauwerk des römischen Hafens in Form einer Pfahlwand aus dicht an dicht in den Boden gerammten angespitzten Eichenbalken. Archäologen haben sie in den vergangenen Wochen freigelegt.

Die Pfähle seien „meist vierkantig zugesägt, haben Querschnitte von 25 mal 30 Zentimetern und bilden eine geschlossene Wand“. Diese habe „als bauvorbereitende Maßnahme für den Bau der rheinseitigen römischen Stadtmauer“ gedient, so die Stadt, nämlich „zur Befestigung des Bauplatzes und als Uferschutz an der römischen Hafenrinne“.

Die Archäologen hatten die Pfahlwand weiter westlich vermutet. „Die Entdeckung des stadtgeschichtlich bedeutenden römischen Bauwerks an dieser Stelle ist daher unerwartet“, erklärte die Stadt Köln.

Eröffnung der WRM-Erweiterung jetzt erst im vierten Quartal 2028

Doch der eindrucksvolle Fund hat seinen Preis. Unter anderem wegen der Ausgrabungen hat sich der Beginn der Hochbauarbeiten für den WRM-Erweiterungsbau um rund vier Monate verzögert.

Ursprünglich sollten sowohl der Neubau als auch das generalsanierte WRM-Bestandsgebäude nebenan im Frühjahr 2028 wiedereröffnet werden. Nun teilt die Stadt mit, die Eröffnung solle „im vierten Quartal 2028“ erfolgen. Fertiggestellt werde der Erweiterungsbau voraussichtlich im vierten Quartal 2027.

Doch ob das wirklich klappt, ist unklar. Denn es könnten noch mehr Überraschungen im Boden lauern. „Auch im weiteren Bauablauf kann es noch zu weiteren archäologischen Funden kommen“, betonte die Stadt.

Der externe Projektmanager Jürgen Marc Volm erklärte: „Im Rahmen der Herstellung des Kellerkastens sind weitere Erdbewegungen erforderlich, bei denen weitere Funde entdeckt werden können. Erst wenn wir mit dem Bau auf dem Niveau der umgebenen Straßen angekommen sind, gibt es dieses Risiko nicht mehr. Wie immer arbeiten wir eng verzahnt mit dem Römisch-Germanischen Museum, um die Freilegung und Dokumentation der Funde so schnell wie möglich voranzubringen.“

Stadt Köln will Kostenrahmen von 129,7 Millionen Euro halten

Mehrkosten sind laut Stadt bislang nicht zu erwarten, weil man für derartige Fälle ein Risikobudget gebildet habe. „Das Gesamtkostenbudget für den Erweiterungsbau sowie zusätzliche Verwaltungsflächen in Höhe von 129,7 Millionen Euro brutto ist weiterhin ausreichend.“

Wegen der Lage des Baugrundstücks im Bereich eines Bodendenkmals über dem ehemaligen Hafen des römischen Köln seien „umfangreiche Baureste aus Römerzeit, Mittelalter und Neuzeit zu erwarten gewesen“, so die Stadt. Das Römisch-Germanische Museum habe bauvorgreifende Ausgrabungen durchgeführt. „Trotz umfangreicher Vorerkundungen und Planungen sind, wie im vorliegenden Fall, unerwartete Funde nicht auszuschließen.“

Mehrere Meter hoch sind die Eichenbalken, aus denen die Römer eine Pfahlwand zur Uferbefestigung ihres Rheinhafens gebaut haben.

Mehrere Meter hoch sind die Eichenbalken, aus denen die Römer eine Pfahlwand zur Uferbefestigung ihres Rheinhafens gebaut haben.

Im Frühjahr 2025 war beim Abbruch von Kellern des ehemaligen Kaufhauses Kutz ein Keller des Hochmittelalters freigelegt worden. „Die gut erhaltenen mittelalterlichen Bruchsteinmauern wurden erst nach dem Abbruch der modernen Überbauungsreste im Untergrund sichtbar.“ Zwischen den Kellern habe man „inselartig erhaltene Erdpolster mit intakter archäologischer Schichtenfolge“ gefunden. Bevor sie entfernt wurden, „mussten die darin eingeschlossenen archäologischen Befunde wie Latrinengruben, Brunnen und Ähnliches, archäologisch untersucht werden.“

Auf der MiQua-Baustelle wurden die Archäologen ebenfalls fündig

Auch auf der benachbarten Baustelle des LVR-Jüdischen Museums im Archäologischen Quartier, kurz MiQua, wurde ein neuer archäologischer Fund gemacht. Entdeckt wurde ein Lararium, ein Hausaltar für die Verehrung der Hausgötter. Das erfordert Änderungen am unterirdischen Parcours durch die Ausstellung. Die Dach- und Fassadenarbeiten sollen bis Ende März abgeschlossen sein. Laut Stadt haben die Verzögerungen bei der Montage der Stein-Fassade keinen Einfluss auf den Beginn der Arbeiten zur technischen Gebäudeausstattung.