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Mehr SauberkeitMillionen-Sanierung für Hauptbahnhof in Köln - andere bleiben außen vor

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Schön ist anders: Der Ehrenfelder Bahnhof ist voller Graffiti.

Schön ist anders: Der Ehrenfelder Bahnhof ist voller Graffiti.

Die Deutsche Bahn startet ein Sofortprogramm für 25 Bahnhöfe deutschlandweit. Der Kölner Hauptbahnhof profitiert, doch Ehrenfeld, Mülheim und andere Stationen gehen womöglich leer aus.

Das Problembewusstsein am Bahnhof Ehrenfeld scheint sehr unterschiedlich ausgeprägt zu sein. „Dreckig?“, fragen die zwei jungen Männer, die gerade auf ihre S-Bahn warten und ziehen die Augenbrauen hoch, als würden sie den Bahnhof zum ersten Mal wirklich wahrnehmen. „Auch nicht mehr als überall sonst“, meint einer der beiden, bevor sie achselzuckend ihren Zug besteigen. Die ältere Dame in der hinteren Passage dagegen mag gar nicht mehr aufhören zu schimpfen, verwahrlost sei doch hier alles, der Bahnhof, das Viertel und überhaupt. Dass ihr kleiner Hund derweil eifrig sein Revier markiert, nimmt sie in aller Seelenruhe hin.

Tatsächlich bietet sich dem Betrachter ein zwiespältiges Bild, nicht nur in Ehrenfeld. Die Bilder sind auch in Mülheim, Deutz oder Porz ähnlich. Je nach Tages- und Nachtzeit sind zwar die Bahnsteige und Treppen selbst einigermaßen in Ordnung, zumindest in Teilen aber wird der Müll und diverse andere Hinterlassenschaften ganz offensichtlich einfach über die Bahnsteigkante auf das Gleisbett gekehrt. Dort bleibt er dann erst einmal liegen. Am Wochenende mischen sich dann unter die Kippen, Kaugummis und Einweg-Verpackungen noch jede Menge Glasflaschen, gegen die selbst professionelle Flaschensammler kaum noch eine Chance haben.

Zu sehen ist ein obdachloser Mensch im Schlafsack.

In vielen Stationen wie hier im Bahnhof Mülheim suchen obdachlose Menschen Schutz vor Kälte und Anfeindungen.

In einigen Gebäuden, etwa dem ehemals altehrwürdigen Bahnhof West, hilft beim Betreten nur Nase zu und durch – der beißende Uringestank hat sich mittlerweile gefühlt so weit in die Mauern gegraben, dass man ihn selbst mit Dauerkärchern nicht mehr wegbekommen wird. Wobei durchzechte Partynächte das eine sind, viele obdachlose Menschen aber auch in den öffentlich zugänglichen Gebäuden Schutz vor Kälte und Anfeindungen suchen.

Viel zu tun außerhalb der City

Zu tun gibt es in Köln also eine ganze Menge für die Bahn, speziell in den vielen Stationen außerhalb der City. Auf die Fahnen geschrieben hat sich die Bahn allerdings zunächst einmal nur den Hauptbahnhof. Die DB will unter anderem hier mehr Sicherheitskräfte sowie Personal und Geld für Reinigung und Reparaturen an ihren Bahnhöfen einsetzen. Bahn-Chefin Evelyn Palla und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) leiteten ein groß angelegtes „Sofortprogramm“ ein, mit dem das „Stationserlebnis“ für die Kundinnen und Kunden bereits in diesem Jahr „spürbar ansprechender“ werden soll. Insgesamt stehen rund 50 Millionen Euro zusätzlich für Sicherheit und Sauberkeit an den Bahnhöfen zur Verfügung, zunächst geht es an 25 Bahnhöfen los - darunter der Kölner Hauptbahnhof.

Zu sehen sind Schriftzüge der Kölner Ultra-Szene am Bahnhof Ehrenfeld.

Grafitti sind besonders am Bahnhof Ehrenfeld zahlreich vertreten.

Dort werden die Reinigungszyklen erhöht, erklärt ein Bahn-Sprecher auf Anfrage der Rundschau. Im Fokus stünden unter anderem die Reinigung von Glasflächen und die „Neutralisierung von Gerüchen“. Außerdem können Reisende zukünftig Verschmutzungen direkt per WhatsApp an das Bahnhofsmanagement melden, und ein zusätzliches Sicherheitsteam bestreife den Bahnhof. Im Kölner Hauptbahnhof seien etwa 35 Mitarbeitende für die Reinigung zuständig, erklärt man seitens der Bahn.

Zwar wird laut DB die regelmäßige Bahnhofsreinigung verstärkt, auch soll an nun 1400 statt zuvor 700 Bahnhöfen ein „Frühjahrsputz“ stattfinden. Ebenfalls sollen mobile Handwerksteams bundesweit schneller Reparaturen erledigen. Ob das alles auch den anderen Kölner Bahnhöfen hilft, muss also abgewartet werden. Was denen darüber hinaus aber gut zu Gesicht stünde, wäre eine optische Auffrischung: Wände, Geländer, Pflaster, Boden – Vieles insbesondere an den hoch frequentierten Stationen ist schlicht und einfach heruntergekommen. Und das hat nicht nur mit dem Verhalten der Fahrgäste zu tun.