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„Das ist nicht nur enttäuschend, das ist schlicht frech“Kölner Schulhöfe bleiben geschlossen

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Der Schulhof der Gemeinschaftsgrundschule Nesselrodestraße.

Der Schulhof der Gemeinschaftsgrundschule Nesselrodestraße.

Seit über einem Jahr gibt es nachmittags keine offenen Schulhöfe mehr in Köln. Ein Ende ist nicht in Sicht.

„Das ist nicht nur enttäuschend, das ist schlicht frech. Erst streichen Grüne, CDU und Volt das Geld, dann inszenieren sie sich als Anwalt der Kinder und am Ende passiert nichts. Kein einziger Schulhof ist geöffnet. Genau das haben wir vorhergesagt.“ Stefanie Ruffen, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP/KSG-Fraktion, zeigt sich enttäuscht über den aktuellen Stand zum Thema offene Schulhöfe in Köln. Das ehemaliges Ratsbündnis aus Grünen, Volt und CDU kritisiert sie heftig und wirft ihnen „Symbolpolitik“ vor. Bereits im vergangenen Jahr war es zu einer allgemeinen Empörung über die Schließung der Schulhöfe gekommen. Im April 2025 hatte die FDP-Fraktion einen Antrag zur Beantwortung offener Fragen an die Verwaltung gestellt.

Doch bis zum heutigen Tag bleiben die Schulhöfe geschlossen. Am vergangenen Montag lag das Thema dem Ausschuss erneut vor. Die nun, nach knapp einem Jahr Schweigen, am 2. März von der Verwaltung formulierte Antwort an die FDP lautet nun: „Die Verwaltung prüft aktuell die Möglichkeiten zur Umsetzung technischer Lösungen, die eine dauerhafte Schulhoföffnung ermöglichen. Dabei werden neben der Marktsondierung auch andere Kommunen nach dortigen Lösungsansätzen und Erfahrungen mit einer Schulhoföffnung außerhalb der Unterrichtszeiten befragt. Analog dazu wirbt die Verwaltung in Schulen aller Bezirke für eine Teilnahme an entsprechenden Lösungen.“

Auch die Schulen zeigten sich wie berichtet nach dem aprupten Ende des Projekts  enttäuscht über die Situation. Wo bis in den frühen Nachmittag hinein noch fröhliches Kreischen und tobende Kinder die Atmosphäre bestimmen, kehrte ab Schulschluss Ruhe ein. Die Kölner Schulhöfe schließen ihre Tore, wenn das letzte Kind nach Hause gegangen ist und das wird vermutlich auch weiterhin so bleiben. Das Projekt „Offene Schulhöfe“, das im Dezember 2021 als Pilotprojekt gestartet ist und nach Ablauf der Testphase 2023 nahtlos weitergeführt wurde, ist im Dezember 2024 endgültig ad acta gelegt worden. Der Grund: Zu teuer, denn laut Stadtverwaltung habe sich eine Summe von 500.000 Euro jährlich für die neun offenen Schulhöfe zusammengetragen, die mit dem Sparzwang nicht zu vereinbaren sei. Die Summe ergibt sich für alle neun pro Stadtbezirk genutzten Schulhöfe in Köln. Als Kostenpunkte werden unteranderem Reinigungs- und Schließdienste genannt.

Die Verwaltung sollte nach Lösungen forschen, wie Kosten und Ressourcen eingespart werden könnten. Die Schulen wurden daraufhin angeschrieben, mit dem Vorschlag das Projekt unter Eigenregie fortzuführen. Doch mehrere Schulen veröffentlichten Statements, dass sie diese finanzielle Last allein nicht werden stemmen können und sich von der Stadt ein klares Konzept wünschen.

Die GGS Nesselrodestraße wurde selbst aktiv und formulierte im Mai vergangenen Jahres ein Schreiben an die Leiterin des Amtes für Schulentwicklung mit der Bitte, die Schulhöfe nach Schulschluss wieder zu öffnen. In dem Schreiben wird deutlich: Schulleiter und -pflegschaft empfinden die Schließung als großen Verlust für das Veedel. „Unser Schulhof ist mehr als ein Ort, an dem sich die Schüler in den Pausen die Beine vertreten. Hier ist der Treffpunkt unseres Veedels, auch an den Nachmittagen und am Wochenende“, steht es in dem Brief. Die Öffnung sei gerne angenommen worden und wurde vor allem von den Kindern genutzt, die in Mietswohnungen in Mehrfamilienhäusern leben. Ein sicheres Spielen sei vor allem auf den Schulhöfen möglich und hätte auch den Eltern ein gutes Gefühl gegeben. „Er ist als Ort für die Kinder wichtig. Probleme mit Vandalismus hatten wir nie“, erklärte Birger Heusinger, Direktor der GGS Nesselrodestraße der Rundschau. Im April 2025 brachte die FDP-Fraktion das Thema offene Schulhöfe auf die Tageordnung des Schulausschuss. Sie formuliert konkrete Fragen zu der Schulhofnutzung, ob diese wieder möglich sei, wenn ja welche Maßnahmen durchgeführt wurden und wenn nein, wieso das Projekt gescheitert sei. Sie bekam keine Antwort und wurde im Dunkeln gelassen – bis zum vergangenen Montag. Die Verwaltung teilte der Rundschau im Juni 2025 mit, dass nach Lösungen gesucht werde und aus gutlaufenden Beispielen in Schulen Rückschlüsse gezogen werden sollen, um ein kostenneutrales Konzept auch für Köln ermitteln zu können. Ähnlich wie sie es nun auch in der Antwort auf die FDP-Anfrage formuliert.

Ruffen hinterfragt den Willen des Bündnisses finanzielle Lösungen zu finden und unterstellt den Parteien „politische Show“. Kinder und Familien bräuchten verlässliche Angebote anstatt „wohlklingende Beschlüsse“ ohne Wirkung. Die FDP/KSG fordert nun eine ehrliche Debatte über Prioritäten im Haushalt. „Wer Schulhöfe öffnen will, muss das Geld dafür bereitstellen. Alles andere bleibt ein leeres Versprechen“, so Ruffen.