Neuer Anbieter und wieder mehr Elektroroller in Köln unterwegs – Gerichtsurteil in diesem Jahr erwartet.
Über 15.000 FahrzeugeStadt prüft erneut Umgang mit E-Scootern

Es bleibt verworren: Die Verwaltung sucht weiterhin nach einem Weg, die bunten E-Scooter stadtverträglich einzubinden.
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Zuletzt schien es so, als hätte die Stadt ihren Weg gefunden, was den Umgang mit den bunten Leih-E-Scootern angeht. Doch wieder einmal gibt es Bewegung auf dem Markt. Ein neuer Anbieter – insgesamt sind es nun sechs – hat seinen Betrieb in Köln aufgenommen, und auch die Zahl der Fahrzeuge steigt. Und plötzlich scheint die Stadt wieder offen zu sein für weitere Regulierungen, die sie noch vor Kurzem ausgeschlossen hatte.
Ein Blick zurück: Eine Ausschreibung des Angebots, mit dem die Verwaltung das Geschäft mit den Rollern zunächst regulieren wollte, war seit 2023 erst einmal vom Tisch. Die Stadt begründete die Entscheidung damals mit der „weiterhin hohen Dynamik auf dem E-Scooter-Markt“. Eine Ausschreibung sei zudem ein „umfangreiches und personal- sowie zeitintensives“ Verfahren, hieß es damals. Die Stadt hätte damit unter anderem die Zahl der Anbieter, die Gesamtmenge an Rollern oder die Verteilung im Stadtgebiet festlegen können, genauso wie die Bedingungen, unter denen die Anbieter ihre Fahrzeuge zum Verleih anbieten.
Als einer der Gründe für den Verzicht auf weitere Regulierungen nannte Verkehrsdezernent Ascan Egerer später das 2024 vom Verkehrsausschuss beschlossene „Raumbuch Mobilstationen“. Die sogenannten Mobilstationen sollen Mobilitätsangebote „räumlich verknüpfen und ein stadtverträgliches Verkehrsverhalten fördern“. Alle Stadtbahn-, S-Bahn-Haltestellen und Bahnhöfe im Kölner Stadtgebiet sollen laut Raumbuch zu Mobilstationen aufgewertet werden. Teil der Stationen sind Abstellflächen für private Fahrräder und Lastenräder, aber auch für sogenannte Sharing-Angebote, unter die auch die Leihroller fallen. Mittlerweile ist die Zahl der Shared-Mobility-Flächen auf 120 angewachsen, teilt die Stadt auf Rundschau-Anfrage mit, 35 davon befinden sich in der Altstadt. Weitere Stationen sind geplant.
Die Mobilstationen sollten für Ordnung auf den Straßen sorgen und weitere Regulierungen überflüssig machen. Für Ordnung sorgten sie auch. Vor allem in der Altstadt, wo die Scooter ausschließlich in diesen vorgegebenen Parkzonen abgestellt werden können. Was nicht heißt, dass dort alle Menschen zufrieden sind mit der E-Scooter-Situation. „Bei uns in der Altstadt ist der E-Scooter ein klassisches Fortbewegungsmittel für junge Partytouristen“, sagt Joachim Groth, Vorsitzender der Bürgergemeinschaft Altstadt. Eine Entlastung für Umwelt und Verkehr sehe er in diesem Bereich nicht. „Im Gegenteil: Unfall- und Verletzungsgefahren überwiegen den Nutzen eindeutig“, findet Groth.
E-Scooter in Köln: Neuer Anbieter Ryde
Doch was hat sich nun verändert? Neu ist seit wenigen Wochen ein weiterer Anbieter, das norwegische Unternehmen Ryde mit seinen dunkelgrünen Rollern. Dazu kommt die steigende Zahl der Roller im gesamten Stadtgebiet. 15.500 Fahrzeuge waren im März anbieterübergreifend zugelassen. Deutlich mehr also als noch Ende 2024 (10.800) und fast so viele wie am Höhepunkt im Sommer 2021 (17.500). Dabei war es das Ziel von Politik und Verwaltung, die Zahl auf maximal 10.000 zu drücken. Die Stadt teilt auf Anfrage mit: „Die Verwaltung prüft aktuell die neue Situation und wird diese konkret zeitnah bewerten.“ Ziel sei es, „E-Scooter hinsichtlich der Anzahl zu regulieren sowie die räumliche Auswirkung im Stadtgebiet stadtverträglich zu gestalten.“ Zusätzlicher Mobilstationen seien dazu ein wichtiger Baustein. Mögliche „weitere Schritte“ würden derzeit evaluiert. Gespräche zwischen der Verwaltung, der Polizei und den Anbieterfirmen stehen in den kommenden Wochen an. Im zweiten Quartal soll eine Entscheidung vorliegen.
Geht es nach dem E-Scooter-Verband „Plattform Shared Mobility“, könnte die 2023 von der Stadt verworfene Ausschreibung helfen, um die von der Verwaltung angestrebte stadtverträgliche Gestaltung zu erreichen. „In vielen Städten wird Regulierung derzeit vor allem als Begrenzung verstanden – etwa durch höhere Gebühren, kleinere Flotten oder strengere Abstellregeln“, sagt der Verbands-Vorsitzende Martin Becker. „Das schafft jedoch nicht automatisch einen funktionierenden Markt. Entscheidend ist vielmehr, wie das System organisiert ist.“ Wenn sehr viele Anbieter parallel in denselben Gebieten operieren, steige der Koordinationsaufwand für die Städte.
Auch ein Gerichtsurteil könnte eine Rolle dabei spielen, wie sich der E-Scooter-Markt in Köln künftig entwickeln wird. 7,10 bis 10,80 Euro pro Monat und Roller müssen Leih-Anbieter an die Stadt zahlen. Das entspricht etwa 85 bis 130 Euro im Jahr. Weil die Gebühren in Köln im bundesweiten Vergleich deutlich höher als in anderen Städten sind, klagten drei Verleihfirmen dagegen. Dazu kommt, dass in Köln auch die Gebühren für Leihfahrräder mit 85 Cent pro Monat erheblich niedriger sind. Das Urteil des Oberverwaltungsgerichts in Münster wird in diesem Jahr erwartet.
