Nicht nur das Deutsche Rote Kreuz meldet bundesweit zu wenig Spenden. Auch die Uniklinik und die Kliniken der Stadt melden Engpässe.
Regelmäßige Blutspenden nötigWeniger Blutkonserven für Krankenhäuser in Köln verfügbar

Bis zu 40 Prozent weniger Blutkonserven kann das Deutsche Rote Kreuz laut einem Sprecher an Kölner Kliniken liefern.
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Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) schlägt Alarm: Bundesweit seien die Blutspenden in den vergangenen Wochen zurückgegangen und die Reserven dementsprechend knapp, wie der Verband mitteilte. Das DRK decke rund 78 Prozent des benötigten Blutes in NRW ab, erklärte der Sprecher der DRK-Blutspendedienste Stephan Küpper auf Anfrage. „Auch in Köln gibt es einen Engpass. Jedes Kölner Krankenhaus, das bei uns aktuell Blut anfordert, bekommt weniger als bestellt. Die Kürzungen liegen aktuell bei 30 bis 40 Prozent.“ Auch Maximalversorger wie die Uniklinik oder die städtischen Kliniken beziehen Blut vom DRK.
Krankenhäuser und Arztpraxen im Bezirk Köln werden laut Küpper vom DRK hauptsächlich mit Blut versorgt, das in einem Zentrum in Ratingen aufbereitet wird. „Die Reichweite der Reserven liegt nur noch bei 1,3 Tagen.“ Wenn also alle Krankenhäuser, die von dem Zentrum beliefert werden, alle von ihnen bestellten Blutreserven erhalten würden, wären die Vorräte innerhalb eines Tages leer. „Normalerweise liegt die Tagesreichweite bei vier bis fünf Tagen.“
Grund für die geringen Spenden sind laut dem Sprecher die vergangenen Feiertage sowie eine anhaltende Krankheitswelle. „Im Blutspendezentrum am Neumarkt war der Rückgang an Spenden im vergangenen Monat deutlich zu merken. Diese Engpässe haben wir immer mal wieder. Wir lagen auch mal bei einer Reichweite der Reserven von unter einem Tag.“
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Seit zwei Tagen seien zwar wieder vermehrt Leute zum Spenden an den Neumarkt gekommen, jedoch werde der Zulauf vermutlich schnell wieder abflachen. „Wir brauchen dringend Personen, die bereit sind, regelmäßig zu spenden. Nur so lässt es sich vermeiden, dass unsere Reserven so schnell aus dem Gleichgewicht kommen. Optimal wäre es, wenn Spender drei- bis viermal im Jahr kommen. Am Ende des Tages ist es auch völlig egal, wo die Leute spenden. Die Hauptsache ist, dass sie es tun.“
Engpässe auch in der Uniklinik und den städtischen Kliniken
Auch die Uniklinik und die städtischen Kliniken betreiben jeweils eine eigene Blutspendezentrale. „Wir haben aktuell auch Engpässe bei Blutprodukten“, sagt ein Sprecher der Uniklinik. Die Versorgung von Patientinnen und Patienten sei aber nicht gefährdet. „Mit unseren Produkten können wir zurzeit unseren Eigenbedarf nicht abdecken. Wir kaufen selbst circa 20 Prozent hinzu.“ Am Tag würden in der Uniklinik circa 60 bis 100 Blutkonserven mit jeweils 250 Millilitern transfundiert.
Im Krankenhaus Merheim, sei in den vergangenen Wochen ebenfalls ein Spendenrückgang zu verzeichnen gewesen, erklärt Dr. Barbara Schlößer, Leiterin des Instituts für Transfusionsmedizin der Kliniken der Stadt Köln. „Das ist fatal“, sagt die Medizinerin zu den Unregelmäßigkeiten. „Die Menge der geleisteten Blutspenden reicht leider nicht aus, um den Idealbestand eines Vorrates von mehreren Tagen zu decken.“
Regelmäßige Spenden nötig
Blutkonserven seien nur etwa fünf Wochen haltbar, „und jederzeit kann durch ein Unfallgeschehen der Bedarf über längere Zeit steigen“, sagt Dr. Schlößer. Allein eine nach einem Autounfall lebensgefährlich verletzte Person könne nach der Einlieferung 25 bis 30 Blutkonserven benötigen. Je nach Zustand könne die gleiche Menge auch an Tagen danach gebraucht werden.
„Bereits seit gut zehn bis fünfzehn Jahren steigen die Engpässe in den Blutbanken an“, bemerkt sie. „Der Grund ist bundesweit ein verändertes Blutspendeverhalten in der Gesellschaft. Die Generation unserer Großeltern war vom Krieg oder der Nachkriegszeit geprägt, die Blutspende war eine regelmäßige Selbstverständlichkeit.“
Die regelmäßige Blutspende sei unter anderem „ein gutes Training für das Immunsystem“. Maximal 500 Milliliter Blut werden in einer Sitzung entnommen, erklärt die Ärztin. Zudem werde vor jeder Spende ein Arztgespräch geführt und das gespendete Blut untersucht. Über mögliche Unregelmäßigkeiten erhalte die spendende Person danach Informationen. Der Spendenprozess dauere rund 90 Minuten. Ab der zweiten Spende gibt es im Krankenhaus Merheim eine Aufwandsentschädigung über 25 Euro.
Alle Anlaufstellen für eine Blutspende sind auf einer Website zusammengefasst.
