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NRW-LandesinitiativeRheinisch Bergischer Kreis führt Kampfansage an die Wohnungsnot fort

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Ein Obdachloser sitzt auf der Straße.

Hoher Nachfragedruck und fehlender bezahlbarer Wohnraum erhöhen die Probleme auf dem Wohnungsmarkt. (Symbolbild)

„Endlich ein Zuhause“ heißt die NRW-Landesinitiative, in deren Rahmen im Kreis eine Projektfortsetzung für zwei Jahre beschlossen wurde.

Viele Städte und Kommunen stehen vor immer größer werdenden Problemen bei dem Umgang mit Wohnungslosen: Der Wohnraum ist knapp und nicht immer sind die Mittel da, um obdachlose Menschen unterzubringen. Ganz zu schweigen von hohem Nachfragedruck bei gleichzeitig fehlendem bezahlbarem Wohnraum. Um Wohnungslosigkeit zu vermeiden und die Lebenslagen von Menschen in Wohnungsnot zu verbessern, beteiligt sich der Rheinisch-Bergische Kreis auch finanziell an der NRW-Landesinitiative „Endlich ein Zuhause“. Das soll dieses und nächstes Jahr fortgesetzt werden, heißt es in einem Antrag, dem der Ausschuss für Arbeit, Soziales, Pflege und Gesundheit in seiner jüngsten Sitzung einstimmig zustimmte.

Das Projekt besteht im Kreis nach eigenen Angaben schon seit rund sieben Jahren. Ursprünglich sollte es nur bis einschließlich 2025 zu 90 Prozent aus Fördermitteln des Europäischen Sozialfonds refinanziert werden. Zehn Prozent steuerte außerdem der Kreis bei.

Die Kosten für zwei Jahre betragen rund 578.000 Euro

Kurzfristig wurde laut Verwaltung allerdings eine letzte zweijährige Förderphase bewilligt und somit wird sich der Kreis, wenn Kreisausschuss und Kreistag ebenfalls zustimmen, jährlich weiterhin mit zehn Prozent, also rund 29.000 Euro, beteiligen. Insgesamt betragen die Kosten für beide Jahre rund 578.000 Euro.

Bei der Umsetzung der Landesinitiative, für die sich der Kreis vor Beginn mit allen acht kreisangehörigen Kommunen abgestimmt hatte, handelt es sich um ein sogenanntes „Kümmerer-Projekt“. Nach Angaben des NRW-Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales kümmern sich im Rahmen dieser „zentralen Bausteine der Landesinitiative“ Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter und auch Immobilienfachleute darum, wohnungslose Menschen mit Wohnraum zu versorgen. Auch sollen sie dabei helfen, drohende Wohnungsverluste durch frühzeitige Beratung zu vermeiden.

Das Netzwerk Wohnungsnot setzt das Projekt im Kreis um

Im Kreis erfolgt die Projektumsetzung durch das Netzwerk Wohnungsnot Rhein-Berg. Bis zu 3 vollzeitäquivalente Stellen werden nach Angaben der Verwaltung beim Netzwerk gefördert.

Das Kümmerer-Projekt im Kreis setzt sich nach Angaben des Netzwerks Wohnungsnot aus vier Kategorien beziehungsweise vier einzelnen Projekten zusammen. Bei der „Präventiven Wohnraumsicherung“ helfe ein multiprofessionelles Team betroffenen Haushalten dabei, die bisherige Wohnsituation zu stabilisieren oder zeitnah neuen Wohnraum zu mieten.

Ein Ziel ist, wohnungslosen Menschen Zugang zu regulärem Wohnraum zu ermöglichen

Ein weiteres Projekt heißt „Wohnraum für Menschen aus Obdächern“ und ziele darauf ab, Haushalte in kommunalen Obdächern dabei zu unterstützen, regulären Wohnraum zu finden und zu mieten.

Die „Sozialraumorientierte Fachberatung im Nordkreis“ soll die fachliche Präsenz der Wohnungsnotfallhilfen in den nördlichen Kommunen des Kreises stärken. Ziel seien auch der Aufbau belastbarer Kooperationsstrukturen und kurze Zugangswege zu Sozialräumen mit erhöhtem Unterstützungsbedarf.

833 Haushalte hat das Netzwerk in den vergangenen Jahren erreicht

Bei dem viertem Projekt handelt es sich um ein „Beratungsmobil“, das laut Netzwerk Wohnungsnot regelmäßige Sprechstunden an kommunalen Obdachlosenunterkünften und an Jobcenter-Standorten ermöglicht und gezielt Orte mit „versteckter“ Wohnungslosigkeit und „Szenetreffpunkte“ aufsucht, um die Menschen vor Ort zu erreichen.

Von 2020 bis 2025 erreichte das Netzwerk nach eigenen Angaben mit den Projekten der Landesinitiative kreisweit 833 Haushalte mit 1646 Personen, darunter 559 minderjährige Kinder. Mehr als ein Dirttel stammten aus Bergisch Gladbach, die wenigsten aus Overath.

In der gesamten bisherigen Projektlaufzeit konnten die Angebote im Kreisgebiet Wohnungslosigkeit vielfach gezielt verhindern oder beenden
Aus einem Bericht des Netzwerks Wohnungsnot Rhein-Berg

„In der gesamten bisherigen Projektlaufzeit konnten die Angebote im Kreisgebiet Wohnungslosigkeit vielfach gezielt verhindern oder beenden“, teilt das Netzwerk mit. Bei insgesamt 308 Haushalten sei die präventive Wohnraumsicherung gelungen, der Großteil davon habe neuen Wohnraum gemietet. Bei 212 Haushalten habe das Projekt „Wohnraum für Menschen aus Obdächern“ sein Ziel erreicht, die Haushalte mieteten laut dem Netzwerk neuen Wohnraum auf dem Wohnungsmarkt an.

Durch die „Sozialraumorientierte Fachberatung“ seien 96 Haushalte in das Präventionsprojekt und 76 Haushalte in wohnraumversorgende Hilfen geleitet worden. Das Beratungsmobil ermöglichte nach Angaben des Netzwerks 4142 Kontakte und erreichte so Menschen, die den Zugang zu den Hilfen sonst möglicherweise nicht gesucht hätten.

Aus haushaltspolitischer Sicht ist für die Kommunen die Unterbringung von wohnungslosen Menschen erheblich kostenaufwendiger als die vorbeugende Wohnraumsicherung
Aus der Verwaltungsvorlage zur Förderung

Die Verwaltung spricht in diesem Rahmen von einem „positiven Projekterfolg“. „Aus haushaltspolitischer Sicht ist für die Kommunen die Unterbringung von wohnungslosen Menschen erheblich kostenaufwendiger als die vorbeugende Wohnraumsicherung“, heißt es in der Verwaltungsvorlage zudem als Begründung für die Fortsetzung des Projekts. Außerdem führten drohender Wohnungsverlust oder Obdachlosigkeit dazu, dass Betroffene größere Probleme hätten, eine Arbeit zu finden und „der Erfolg einer Erwerbsaufnahme aus sozialen Gründen und Arbeitgeberinteressen nahezu nicht gegeben“ sei. Problematisch seien in diesem Rahmen auch die Auswirkungen auf Bildungschancen von   familiär betroffenen Kinder und jungen Menschen.

Laut Verwaltungsvorlage hatte die Verwaltung vorbehaltlich entsprechender Beschlussfassung des Kreistags bereits den Förderantrag für das Kümmerer-Projekt gestellt. Das Land NRW hat diesen bewilligt. Wie es ab 2028 mit dem Projekt weitergehen wird, ist noch offen. Doch darüber soll, so heißt es in der Verwaltungsvorlage, noch in diesem Jahr gemeinsam mit den kreisangehörigen Kommunen entschieden werden.