Wie Hilfe und Notaufnahme nach dem russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 in Rhein-Berg anliefen – und was daraus wurde.
Russlands Angriff auf die UkrainePlötzlich stand der Krieg in Rhein-Berg vor der Haustür

Stoppt den Krieg: In Rhein-Berg regieren nach dem russischen Angriff auf die Ukraine am frühen Morgen des 24. Februar 2022 Fassungslosigkeit, Sorge und Mitgefühl.
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Der 24. Februar 2022 ist ein Donnerstag. Weiberfastnacht. In Rhein-Berg schlafen die Menschen noch, als keine 2000 Kilometer weiter östlich Sirenen und Raketen Frauen, Männer und Kinder aus dem Schlaf reißen. Der russische Angriff auf die Ukraine hat begonnen. An diesem Morgen auch das beherrschende Thema bei den wenigen Veranstaltungen, die angesichts der damals noch alles beherrschenden Corona-Pandemie stattfinden.

Auch bei der Möhnemesse in Herz Jesu Schildgen ist der russische Angriff auf die Ukraine aus der Nacht am Morgen des 24. Februar 2022 ein wichtiges Thema.
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Noch am Abend des 24. Februars 2022 wird ein Lichterzug in Kürten-Bechen kurzerhand zum Protest gegen den russischen Angriffskrieg. Seit diesem Morgen vor vier Jahren ist die Ukraine direkt vor der bergischen Haustür präsent: von ersten Anti-Kriegs-Demos über vor dem Krieg Geflüchtete, die in Rhein-Berg ankommen, bis hin zu Hilfskonvois aus Bergisch Gladbach, Overath, Rösrath, Odenthal und Kürten in die Ukraine. Einige Schlaglichter der Anfänge:
Februar 2022: In Rhein-Berg regieren Fassungslosigkeit, Sorge und Mitgefühl. Friedensgebete in Kürten-Bechen und St. Pankratius Odenthal folgen Friedensmahnwachen und Demonstrationen unter anderem in Bergisch Gladbach, Overath, Rösrath. Mit dabei auch erste Geflüchtete aus der Ukraine: „Meine Mutter sitzt seit Donnerstag in Ochtyrka im Nordosten der Ukraine im Keller und hat Todesangst“, sagt eine Ukrainerin in Gladbach. „Ich bin fassungslos darüber, was gerade passiert“, sagt NRW-Innenminister Herbert Reul beim Friedensgebet in Kürten.
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Bergisch Gladbach, Mahnwache, Liubov Wolff (2.v.l.) mit ihrem Mann Martin (r.) und den Söhnen Marvin und Jonas (v.l.), hat kurz vor dem russischen Angriff auf die Ukraine ihre Schwester mit den beiden Töchtern aus dem Land nach Bergisch Gladbach holen können, und macht sich nur große Sorgen
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März 2022: Zahlreiche Menschen sind auch in Privatinitiativen aktiv, um teils in zerschossenen Autos ankommende Geflüchtete aufzunehmen. In Rösrath startet Reiseunternehmer Sascha Meurer eine „Busbrücke“ zur ukrainischen Grenze, in Odenthal fährt Gerd Kortschlag Krankenwagen und Feuerwehrwagen in die Ukraine, überall organisieren Vereine wie „Himmel un Ääd“ oder „Herwi“ (Herzlich willkommen) Hilfen. Die Humanitäre Hilfe Overath und der Gladbacher Verein Hilfe Litauen Belarus tun sich zusammen, organisieren Spenden-Drive-Ins und Hilfskonvois in die Ukraine.

Eine Busbrücke zur ukrainischen Grenze hat Sascha Meurer aus Rösrath eingerichtet.
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Das Deutsche Rote Kreuz kann innerhalb von Stunden Erstaufnahmeeinrichtungen einrichten und organisieren. Auch der Arbeiter-Samariter-Bund betreut später Geflüchtete. Mit Blaulicht- und Blinker-Aktionen setzt die Feuerwehr blau-gelbe Solidaritätsbekundungen. Schülerinnen und Schüler bilden riesige Friedenssymbole auf den Schulhöfen. „Betten sind die harte Währung“, heißt es beim Aufbau einer weiteren Erstaufnahmeeinrichtung für 200 Geflüchtete durch die Feuerwehr in der Gladbacher Hermann-Löns-Halle. Zwei Tage später leben dort Menschen unter anderem aus Charkiw. Auf ihren Handys haben sie Bilder ihrer zerstörten Heimat. Auch ihre Seelen leiden.
April 2022: Über ihre polnische Partnerstadt Pszczyna hat Bergisch Gladbach Kontakt zu deren ukrainischen Partnerstadt Butscha aufgenommen, die durch Gräueltaten der russischen Besatzer an Zivilisten weltweit bekannt wurde. Die Gladbacher Feuerwehr bringt Hilfen wie einen Rettungswagen, Medikamente und Feuerwehrausrüstung Richtung Butscha. An der ukrainischen Grenze holen Vertreter aus Butscha die Hilfsgüter ab. Weitere Hilfskonvois folgen, unter anderem mit Bussen.

Mit einem zerschossenen ukrainischen Krankenwagen machen Mitglieder des Städtepartnerschaftsvereins Bergisch Gladbach – Butscha auf den Krieg in der Ukraine aufmerksam.
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Mai/Juni 2022: Die Vereine der Humanitären Hilfe Overath und Bergisch Gladbach (damals noch „Hilfe Litauen Belarus“) bringt einen ersten Hilfskonvoi direkt in die Ukraine: Lebensmittel und Medikamente unter anderem für das Kinderkrankenhaus in Lviv. Parallel gibt's weitere private Hilfsaktionen wie unter anderem des ukrainischen Pianisten Paul Kruk, der in Gladbach Benefizkonzerte gibt und als Dolmetscher hilft. Der Bergisch Gladbacher Stadtrat beschließt eine Städtepartnerschaft mit Butscha.

durch Checkpoints ins Kriegsgebiet: Anfang Mai bringen die Vereine der Humanitären Hilfe Overath und Bergisch Gladbach erstmals einen Hilfskonvoi direkt in die Ukraine hinein.
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August 2022: Mit Bürgermeister Frank Stein und Feuerwehrchef Jörg Köhler reisen zwei Vertreter der Stadt Bergisch Gladbach nach Butscha, wo die Städtepartnerschaft mit dem dortigen Bürgermeister Anatolii Fedoruk unterzeichnet wird. Die Delegation bringt Bilder der Zerstörung mit – und neue Freundschaften.
September 2022: Zum Gladbacher Stadtfest kommt eine Delegation aus Butscha. Im Angesicht einer Ausstellung von Pressebildern der Gräueltaten aus Butscha wird im Gladbacher Ratssaal der Städtepartnerschaftsverein gegründet. Das ökumenische Begegnungscafé „Himmel un Ääd“ und zwei Grundschulen aus Refrath und Kippekausen spenden noch am selben Tag große Beträge, unter anderem für neue Dächer für Kitas und Schulen in Butscha.

Alina Saraniuk aus Butscha steht im Bergisch Gladbacher Ratssaal mit einem Bild der Gräueltaten in ihrer Heimatstadt.
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Oktober 2022: Bergisch Gladbach bringt Busse Richtung Butscha, um dort von den russischen Besatzern zerstörte Infrastruktur wieder aufzubauen und Hilfen für eine mögliche erneute Evakuierung zu leisten.
Dezember 2022: In der Aktion „Päckchen für Butscha“ packen Gladbacher Geschenke für die Menschen in der Partnerstadt. Mit Hilfe von DRK und Feuerwehr werden sie eingesammelt und mit Winterkleidung, Generatoren und Co. über die Grenze gebracht. Die Bethe-Stiftung unterstützt die größte Spendenverdopplungsaktion in der Geschichte der Vereine Humanitäre Hilfe Overath und Hilfe Litauen Belarus. Binnen weniger Tage kommen mehr als 100.000 Euro für weitere Winterhilfsgüter zusammen.

Gemeinsam für die Ukraine-Hilfe: Die Bethe-Stiftung von Roswitha Bethe (3.v.r.) und Erich Bethe (3.v.l.) verdoppelt die Spendenaktion der Vereine Hilfe Litauen Belarus e.V. und Humanitäre Hilfe e.V.
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Mai 2023: Unter anderem mit Baufahrzeugen von Straßen NRW fährt der erste Gladbacher Hilfskonvoi bis in die ukrainische Partnerstadt Butscha durch. Die symbolische Wirkung des demonstrativen Beistands ist noch größer als die der zahlreichen Tonnen Hilfsgüter. Unabhängig davon bringt die vereinigte Overath/Gladbacher Ukraine-Hilfe Krankenwagen nach Lviv und beginnt, den Aufbau eines Traumazentrums im Süden der Ukraine zu unterstützen.
August 2023: Eine erste Schülergruppe aus Butscha besucht Bergisch Gladbach, ein paar Tage Auszeit vom Kriegsalltag.
November 2023: Die Hilfskonvois von Gladbach und Overath in die Ukraine rollen erneut, obwohl es schwieriger wird, Spenden zu erhalten.
Februar 2024: Während manche Familien bereits seit zwei Jahren Geflüchtete in ihrem Haus beherbergen, haben sich andere von ihren Gästen getrennt, weil die Lebenseinstellungen zu unterschiedlich waren. 3690 Geflüchtete aus der Ukraine leben laut Kreissprecherin Nina Eckardt aktuell im Rheinisch-Bergischen Kreis. Lediglich im vergangenen Jahr waren es mit 3731 etwas mehr. Zahlreiche Notunterkünfte sind bis heute voll belegt, Organisationen wie „Habitat for Humanity“ bemühen sich in Kooperation mit Kommunen fortlaufend um weitere Anmietungen von Wohnraum, während in der Ukraine kein Ende des Krieges abzusehen ist - und die bergischen Hilfsorganisationen weiter aktiv sind (siehe separate Berichte unten).
Neue Hilfe und ein Film über den Februar 2022
Butscha Baumaschinen, Stromerzeuger und medizinische Hilfe – noch vor Ostern wollen die Mitglieder des Städtepartnerschaftsvereins Bergisch Gladbach – Butscha den mittlerweile 16. Hilfstransport in die ukrainische Partnerstadt Butscha bringen.

Filmszene aus „Der lange Februar“ von Michael Stadnik
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An diesem Dienstag wird dort der Dokumentarfilm des Frankfurter Regisseurs und Kameramanns Michael Stadnik gezeigt, der die dramatischen Wochen der russischen Besatzung von Butscha unter dem Titel „Der lange Februar“ aufgearbeitet hat. In den 33 Tagen der Okkupation wurden in Butscha mehr als 400 Menschen getötet, viele von ihnen auf offener Straße erschossen. Tagelang war es den Überlebenden nicht erlaubt, die Leichen zu bergen, zielten Scharfschützen immer wieder auf Zivilisten, die sich aus dem Haus wagten.
Dieser Film ist unser Schmerz, unsere Wunde, unsere Wahrheit. Die Welt muss ihn sehen.
Der Film rekonstruiert anhand zahlreicher privater Videoaufnahmen und bislang unveröffentlichter Materialien das Leben der Menschen in Butscha unter Gewalt, Angst und Besatzung. Stadnik hat über fast drei Jahre hinweg recherchiert und persönliche Perspektiven aus der Stadt zusammengetragen. Durch seine familiären Verbindungen in die Region – Verwandte leben im benachbarten Irpin – erhält der Film eine besondere Nähe.
„Dieser Film ist unser Schmerz, unsere Wunde, unsere Wahrheit. Die Welt muss ihn sehen“, sagt Butschas Bürgermeister Anatolii Fedoruk.
In Bergisch Gladbach ist der Film (ab 16 Jahren) am Mittwoch, 25. März, 19.30 Uhr, im Rahmen der Kultkino-Reihe im Bürgerhaus Bergischer Löwe zu sehen. Im Anschluss gibt's eine Gesprächsrunde mit dem Regisseur sowie Vertretern des Städtepartnerschaftsvereins. Karten (5 Euro) gibt's an der Theaterkasse, (0 22 02) 29 46-18. Wer den Städtepartnerschaftsverein unterstützen möchte, findet Infos dazu hier im Internet. (wg)
Spenden-Drive-In vor dem 18. Hilfskonvoi
Mehr als 544 Tonnen Hilfsgüter – von Arzneimitteln über Lebensmittel bis hin zu kompletten Klinikeinrichtungen haben die Vereine der Humanitären Hilfe Bergisch Gladbach und der Humanitären Hilfe Overath bereits in die Ukraine gebracht, wo sie unter anderem seit Kriegsbeginn das Kinderkrankenhaus in Lviv und den Aufbau eines Traumazentrums in Chmelnytzkyj unterstützen.

Sammeln nach wie vor gemeinsam Spenden und Hilfsgüter: die Vereine der Humanitären Hilfe Overath und der Humanitären Hilfe Bergisch Gladbach.
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Aktuell bereiten die Ehrenamtlichen den 18. Hilfskonvoi vor. In einem Spenden-Drive-In sammeln sie am Samstag, 21. März, von 10 bis 14 Uhr vor der Johannes-Gutenberg-Realschule (Kaule 19-21) in Bensberg weitere Sach- und Geldspenden.
„Nach vier Jahren Krieg hier in Europa hat sich die Not der Menschen erheblich vergrößert und haben die Luftangriffe nochmal zugenommen“, erklärt Ulrich Gürster von der Humanitären Hilfe Bergisch Gladbach die Notwendigkeit weiterer Hilfslieferungen in die Ukraine. Nur wenn die Vereine weitere Unterstützung bekämen, könnten sie auch mit weiteren Hilfskonvoi noch in diesem Jahr helfen. „Geht ganz einfach“, sagt Norbert Kuhl von der Humanitären Hilfe Overath: „Einfach am 21. März in den Drive-In reinrollen, spenden und helfen“, sagt Norbert Kuhl von der Humanitären Hilfe Overath, und Heinz-Bernd Padberg von Bergisch Gladbacher Verein betont, dass es auch wichtig sei, Geldspenden zu bekommen, um die Hilfsgüter in die Ukraine bringen und darüber hinaus zielgerichtet benötigte Hilfsgüter kaufen zu können. (wg)
Vorrangig wird folgendes beim Spenden-Drive-In am Samstag, 21. März, von 10 bis 14 Uhr an der Kaule 19-21 in Bensberg gesammelt:
- Handtücher
- Bettwäsche
- Schlafsäcke
- Decken, Windeln
- Hygieneartikel
- Medikamente (Mindesthaltbarkeitsdatum August 2026)
- Verbandsmaterial und (auch abgelaufene) Autoverbandskästen
- Kerzen/Wachsreste
- Kinderspielsachen
- gereinigte Kuscheltiere
- Toilettenstühle/Duschsitze
- Rollstühle, Rollatoren, Unterarmgehstützen
- intakte Fahrräder
- Stromgeneratoren
- Batterien
- Taschenlampen
Wer die Ukraine-Hilfe der Vereine der Humanitären Hilfe unterstützen möchte, findet Infos und Spendenmöglichkeiten dazu hier und hier im Internet.
„Wir leben in Frieden – das verpflichtet“
„Der Schnee hat uns ganz schön zu schaffen gemacht – und die Kälte“, sagt Gerd Kortschlag aus Odenthal. „Einmal musste uns das Militär freischleppen.“ Vor wenigen Wochen ist er von seinem zehnten Hilfstransport nach Charkiv zurückgekehrt, hat medizinische Ausrüstung, Stromgeneratoren und Wärmendes für den Winter zu den Menschen in der Region rund um die umkämpfte Stadt unweit der russischen Grenze gebracht.

Mit Schnee und Kälte hatte der Odenthaler Gerd Kortschlag auf seinem jüngsten Hilfstransport ins ukrainische Charkiv zu kämpfen.
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Nur mit geschützten Fahrzeugen sei er in die Stadt hineingekommen, berichtet der frühere Feuerwehrmann, der Charkiw noch aus der Zeit vor dem russischen Angriffskrieg kennt, der 2014 mit dem Angriff auf die Krim begann und am 24. Februar 2022 auf das gesamte Land ausgeweitet wurde. Die beim russischen Angriff stark zerstörte Stadt kennt Kortschlag seit humanitären Hilfsaktionen und Feuerwehrkonvois in den 90er Jahren. Insgesamt zwei Tonnen Hilfsgüter, darunter auch Ultraschallgeräte, Lebensmittel und Medikamente hat Kortschlag diesmal nach Charkiv gebracht, sich dafür einen Lastwagen der Humanitären Hilfe Overath geliehen. „In Charkiv haben wir alles an die wohltätige Stiftung ,Road to the Future' übergeben“, berichtet der Odenthaler. Die medizinischen Geräte habe er persönlich im Krankenhaus von Charkiv übergeben.

Auch mehrere Ultraschallgeräte hat Gerd Kortschlag mit seinem 10 Hilfstransport in die Ukraine gebracht.
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Warum der Mittsiebziger, der außerdem noch Vorsitzender des Tierschutzes in Leverkusen ist, immer wieder Hilfskonvois organisiert? „Wir müssen dankbar sein, dass wir in Frieden leben können, und denen helfen, die nicht das Glück haben“, sagt er und bereitet bereits den nächsten Hilfstransport nach Charkiv vor. „Um die Osterzeit werde ich wieder rüberfahren“, sagt er. Auch seine Hilfe kennt keine Ende. (wg)
