Kölner StadtarchivTermin für Prozessstart zum Archiveinsturz steht fest

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einsturz stadtarchiv dpa

In Trümmern lag das Stadt­ar­chiv 2009 auf der Straße. 

Köln – Ein Jahr und 44 Tage vor dem Verjährungstermin geht es los: Am 17. Januar 2018 wird Richter Michael Greve als Vorsitzender der 10. Großen Strafkammer am Landgericht das Verfahren zum Einsturz des Stadtarchivs eröffnen. Zwei Berufsrichter und zwei Schöffen sollen an seiner Seite sitzen, fünf Männer und eine Frau auf der Anklagebank.

Bis zum 2. März 2019 muss das Gericht per Urteil festgestellt haben, wer am Einsturz des Stadtarchivs und zweier Nachbarhäuser sowie am Tod von zwei jungen Männern Schuld hat – ansonsten verjährt jede Tat.

126 Verhandlungstage für Prozess

126 Verhandlungstage hat das Gericht anberaumt, um rechtzeitig nach allen Regeln der Prozessordnung alle Beweise zu erörtern. Beinahe jeden Mittwoch kann demnach verhandelt werden, und ganz viele Montage und Freitage stehen auf der Liste. Beginn ist immer um 10 Uhr. An Karneval gibt es eine kaum merkliche Pause: Am Tag vor Weiberfastnacht ist ein Verhandlungstermin eingetragen und Aschermittwoch schon der nächste Prozesstag. Die Liste möglicher Verhandlungstage reicht sogar über den Verjährungstermin hinaus.

Doch an welchen Terminen das Gericht wirklich tagt, wird sich erst im Laufe des Prozesses zeigen – wenn die Verteidiger ihre Beweisanträge gestellt und weitere Zeugen benannt haben werden. Weil der Fall die Kölner bewegt wie kaum ein anderer, hat das Gericht die beiden größten Verhandlungssäle reserviert. Der Auftakt findet in Saal 210 statt, später soll in Saal 142 verhandelt werden.

„Das Gericht rechnet mit der Vernehmung einer Vielzahl von Zeugen und einiger Sachverständiger“, teilte Gerichtssprecher Dr. Jan Orth mit. Die jüngst bekannt gewordene Verlängerung der gutachterlichen Ursachenforschung in der Severinstraße um weitere zwei Jahre soll den Prozess nicht beeinträchtigen, aber weitergehende Erkenntnisse für das noch folgende zivilrechtliche Verfahren bringen. Staatsanwaltschaft und Gericht haben ihre eigenen Gutachter.

Ermittlungsergebnisse auf rund 11.000 Seiten

Der 43 Jahre alte Richter am Landgericht Michael Greve und seine Kollegen haben sich bereits durch den Berg von Akten gearbeitet. Auf rund 11.000 Blättern hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungsergebnisse dokumentiert, rund 40 Standard-Aktenordner fassen weitere Beweise und Protokolle. Allein die Anklageschrift, mit der die Staatsanwaltschaft die Vorwürfe formulierte, hat einen Umfang von 196 Seiten. Ein Polier und ein Baggerfahrer sollen beim U-Bahn-Bau für die KVB wissentlich ein Loch in einer Schlitzwand verursacht und danach vertuscht haben. Andere Angeklagte sollen dies durch Pflichtverletzungen nicht bemerkt oder nicht gehandelt haben.

Michael Greve, seit 2016 Vorsitzender Richter, ist durch einige Prozesse bekannt. Häufig verurteilt er Gewalttäter, jüngst einen Busfahrer, der in Erftstadt eine Behinderte vergewaltigte. Der Jurist ist zwar stets „Chef im Saal“, aber für eine ruhige und sachliche Verhandlungsführung bekannt.

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