Abo

Kommentar

Kommentar zur Olympia-Bewerbung
Warum dieses „Ja“ in Köln und NRW Mut macht

Ein Kommentar von
3 min
Ministerpräsident Hendrik Wüst (l.) und Kölns OB Torsten Burmester vor der beleuchteten Hohenzollernbrücke.

Ministerpräsident Hendrik Wüst (l.) und Kölns OB Torsten Burmester vor der beleuchteten Hohenzollernbrücke.

Dass die Zustimmung in Köln eher niedrig ausfiel, ist ein Schönheitsfehler - aber einer, über den man nachdenken sollte, findet Rundschau-Chefredakteur Jens Meifert

Die erste Hürde ist mit Schwung genommen: Die Bürger aller befragten 17 Kommunen an Rhein und Ruhr haben sich für eine Olympia-Bewerbung ausgesprochen. Die Zustimmung lag in etwa der Hälfte der Kommunen über 70 Prozent, das ist ein deutlicher Schub für die Initiative in Nordrhein-Westfalen. An den erleichterten Gesichtern der Bürgermeister, Politiker und Sportfunktionäre lässt sich ablesen, dass damit nicht alle gerechnet hatten. Köln und NRW können nun selbstbewusst in die nationale Ausscheidung starten. Dass ausgerechnet in Köln, der „Leading-City“ der Initiative, die Zustimmung am niedrigsten ausfiel, ist ein Schönheitsfehler - aber einer, über den es sich nachzudenken lohnt.

Über vier Millionen Menschen waren aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Der Ministerpräsident nutzte das Ergebnis, um mit euphorischen Worten nicht nur das Ergebnis, sondern den demokratischen Prozess als solchen zu feiern. Jeder Dritte der Befragten hat sein Votum abgegeben, und die Abstimmung ist sehr deutlich ausgefallen: Die Menschen haben gezeigt, dass sie Lust auf die Spiele haben, dass sie das größte denkbare Sportfest in ihrer Region haben wollen. Das ist schon ein Ausrufezeichen in tristen Zeiten. Es zeigt, dass die Menschen die Chancen sehen, die dieses gigantische Sportfest mit sich bringt, dass sie bereit sind für etwas Neues.

Für Köln stehen viel größere Herausforderungen an als die Auszählung der Stimmen. Und die hat alles andere als reibungslos funktioniert.

Für Köln und NRW sind das gute Nachrichten. Weil so viele Menschen sich beteiligt haben, weil dieses klare Ergebnis in der ersten Phase der Bewerbung Mut macht. Nun ist der Startschuss gefallen für die nächste Phase der Initiative. Mit München, Hamburg und Berlin stehen große Konkurrenten in den Startblöcken. In München lag die Zustimmung mit über 64 Prozent ebenfalls hoch. Das Maß der Zustimmung ist wiederum nur ein Teil des Bewerbungsprofils, das der Deutsche Olympische Sportbund für seine Entscheidung im September zugrunde legen wird. Köln und NRW brüsten sich damit, die kompaktesten und nachhaltigsten Spiele ausrichten zu können. Das klingt in Bayern oder in Hamburg nicht anders.

In Köln wollen 57 Prozent der Menschen die Spiele. Auch das ist deutlich, aber es gibt Bedenken. Viele denken offenbar, dass Köln dieser Aufgabe nicht gewachsen ist. Weil sie im Alltag merken, dass Sportstätten fehlen, dass Bäder marode sind. Weil auch die Auszählung alles andere als reibungslos über die Bühne gelaufen ist. Nun stehen viel größere Herausforderungen an: Köln soll ein temporäres Olympiastadion bekommen, ein Athletendorf und einen olympischen Park. Diese Vision muss nun konkreter und sichtbarer werden. Dafür braucht es Bilder. Denn bislang sind viele Ideen eher abstrakt formuliert: eine Seilbahn zum Rhein soll es geben, dazu tausende Wohnungen für die Sportler im olympischen Dorf. Die Infrastruktur muss bei allem mitgedacht werden. Denn das war neben den Wettkämpfen selbst wohl das stärkste Argument für die Kölner: dass mit einer Bewerbung die Verkehrswege modernisiert werden. Wer den jüngsten Bericht zum Zustand der Kölner Brücken gelesen hat, weiß um die Notwendigkeit.

Der Ministerpräsident verspricht einen Zuschauerrekord mit 14 Millionen Tickets und großen Kulissen. Das sind die Argumente, die auch beim Internationalen Olympischen Komitee verfangen. Doch vorher geht es um den nationalen Entscheid. Um klar zu machen, dass Köln der perfekte Gastgeber für Sportler aus aller Welt sein kann, braucht es einen selbstbewussten Auftritt. Und da ist noch Luft nach oben. Denn bei aller Freude über die Zustimmung der Bürger: An Sichtbarkeit und Strahlkraft kann die Kampagne für Spiele an Rhein und Ruhr noch zulegen. Nun geht es darum, andere für Köln und NRW zu begeistern.

Ihre Meinung an: leserbriefe@kr-redaktion.de