Kunst beim OptikerBrillengeschäft in der Südstadt als Proberaum

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Freunde der klassischen Musik: Optiker Tobias Brandhofer und die Pianistin. Aude St. Pierre mit ihrem Steinway-Flügel.

Köln – Normalerweise betreten die Kunden von Tobias Brandhofer dessen Geschäft in der Südstadt, um danach besser sehen zu können. Brandhofer ist nämlich Optiker vom Beruf. Doch seit kurzer Zeit ziehen nicht bloß die verschiedenen Brillenmodelle die Aufmerksamkeit auf sich, sondern auch ein restaurierter Steinway-Flügel aus dem Jahr 1927.

Das beeindruckende, edle Instrument ist jedoch nicht bloß ein platzeinnehmendes Deko-Element, für das Brandhofer, um Platz zu schaffen, sogar seine 20 Jahre alte Kassentheke entsorgen musste. Es wird stattdessen tatsächlich intensiv und professionell genutzt – von der mehrfach preisgekrönten Pianistin Aude St. Pierre, der der Flügel auch gehört.

Mitarbeiter sind Musik-affin

Wer also in nächster Zeit in den Abendstunden an dem kleinen Laden an der Merowingerstraße 16 vorbeigeht, dem kann es gut und gerne passieren, ein wenig von der Kunst St. Pierres zu erleben.

„Mein ganzes Team ist sehr Musik-affin, und wir haben auch schon verschiedene Veranstaltungen wie Konzerte oder Comedy-Abende hier gemacht“, erzählt der Optiker mit dem Herz für Musik, wie die Idee zustande gekommen ist.

Schon seit einiger Zeit habe man überlegt, wie man die Geschäftsräume, die er seit 2007 betreibt, wieder mehr und regelmäßiger für besondere Events nutzen könnte. Weil der Laden montags und dienstags geschlossen hat, und weil Proberäume insbesondere für Musiker im klassischen Bereich in Köln knapp und teuer sind, kam irgendwann die Idee auf, den eigenen Raum auch als Übungsraum für Musiker anzubieten.

Pianistin meldete sich auf Aushang

Auf einen entsprechenden Aushang meldete sich schließlich die in Kanada geborene Pianistin, die 2013 nach Deutschland kam und in Köln an der Hochschule für Musik und Tanz studierte.

Denn auch Aude St. Pierre kennt die verzwickte Proberaum-Situation in der Stadt. Den Flügel hat sie ihrer alten Klavierlehrerin abgekauft, nur nach einem Platz dafür musste sie anschließend länger suchen. Umso glücklicher zeigt sie sich nun, wo sie endlich fündig geworden ist – und das sogar unentgeltlich.

Denn Tobias Brandhofer stellt der jungen Pianistin den Platz gratis zur Verfügung. Die einzige Bedingung: Sie soll ihre Kunst für die Kölner hörbar machen. „Das ist schon super, dass ich nicht nur einen Raum zum Proben erhalten habe, sondern auch jemanden gefunden habe, der genauso wie ich Lust hat, gemeinsam etwas aufzuziehen“, schaut St. Pierre mit freudiger Erwartung in die Zukunft.

Zukunft ist noch offen

Wie diese Kooperation in Zukunft genau aussehen kann, können beide noch nicht zu hundert Prozent sagen, Ideen, wie zum Beispiel eine Sonntagsmatinee, gibt es aber schon einige. Zuerst einmal wird der Flügel am kommenden Samstag, 27. Juli, um 19.30 Uhr bei einem kleinen Gratiskonzert für Interessenten erklingen. Spielen wird Aude St. Pierre dabei unter anderem – passend zu Köln – das Stück „Carneval, Op. 9“ von Robert Schumann. Optiker Tobias Brandhofer zeigt sich schon mal im Vorfeld begeistert: „Das klingt unfassbar, und die Atmosphäre ist einfach nur richtig schön.“

www.aude-st-pierre.com

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