- Jürgen Fenske geht in den Ruhestand
- Gerne hätte er noch den Ost-West-Tunnel auf die Schiene gesetz
Köln – Die letzten Tage des Jahres sind wehmütig für Jürgen Fenske, Vorstandsvorsitzender der Kölner Verkehrs-Betriebe. Er geht in den Ruhestand. Mit ihm sprach Ingo Schmitz.
Wann immer Sie im Dienste der KVB öffentlich auftraten, entstand der Eindruck, Sie brennen für die Sache des ÖPNV, das macht Ihnen Spaß, da sind Sie bei sich. Warum hören Sie auf?
Charmante Beschreibung – und mein Selbstbild ist auch so. Ich möchte die zehn Jahre KVB nicht missen, bei allen Aufs und Abs. Die Gründe für meinen Abschied sind persönlich. Mir ist es wichtig, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Ich bin jetzt 63 Jahre alt, stolzer Großvater und habe noch viele Interessen. Es gibt Überlegungen, in Stiftungen zu arbeiten. Ich werde sicherlich wieder zur Universität gehen und hören, was mir Spaß macht.
Was ist das?
Themen wie Philosophie, Städtebau und Architektur.
Werden Sie in Köln bleiben?
Ja. Meine Frau und ich haben eine schöne Wohnung in Rodenkirchen, und wir haben hier viele Freunde. Wir ziehen keinen Schlussstrich. Aber wir werden das ein bisschen mischen mit meiner alten Heimat Kiel.
Dann werden Sie die verkehrliche Weiterentwicklung Kölns also hautnah erleben. Vor allem die Entwicklung auf der Ost-West-Achse. Was wird aus Köln, wenn der Tunnel nicht kommt?
Köln hat die einmalige Chance, mit einem Tunnel Großes zu leisten. Ich hoffe über alle Lippenbekenntnisse hinaus, dass die Verkehrswende nicht nur die Köpfe erreicht hat, sondern auch umgesetzt wird. Denn die Rahmenbedingungen sind gegeben: Jetzt sind die Finanzierungsmöglichkeiten deutlich besser als sie es in der Vergangenheit waren. Zudem haben wir jetzt auch den Handlungsdruck, für die Luftreinhaltung etwas zu tun.
Zehn Jahre waren Sie Vorstandsvorsitzender der KVB. Gab es in den zehn Jahren Momente, wo Sie Ihren Wechsel nach Köln bereut haben?
Die gab es nie. Als ich damals von der Deutschen Bahn als Regionalgeschäftsführer für Bahn- und Busbetrieb nach Köln wechselte, geschah das insbesondere aus dem Motiv heraus: Ich will Chef sein. Ich wollte nicht nur für einen Bereich eines Geschäftszweiges verantwortlich sein, sondern für die ganze Bandbreite einer Wertschöpfungskette . Das hatte ich hier bei der KVB – und habe es immer sehr genossen.
Trotz des Archiveinsturzes beim Bau der Nord-Süd Stadtbahn unmittelbar nach Ihrem Dienstantritt?
Das war das einschneidendste Erlebnis meines Berufslebens. Der Einsturz zieht sich wie ein roter Faden durch meine Geschichte und durch die der KVB und beeinflusst ja heute noch die Diskussion über den Tunnel auf der Ost-West-Achse.
Bevor Sie nach Köln wechselten, war Kiel ihr Lebensmittelpunkt. Somit haben Sie zwei deutsche Mentalitäten kennen gelernt, die unterschiedlicher wohl kaum sein könnten. Was sollten die Kölner von den Norddeutschen lernen?
Schnellere Entscheidungen, sich selbst mehr zu hinterfragen, etwas weniger selbstverliebt, dafür etwas mehr Gelassenheit.
Die Nachfolgerin
Wann Stefanie Haaks (52) in Köln als neue Vorstandsvorsitzende der KVB anfängt, ist noch offen. Das muss sie noch mit ihrem jetzigen Arbeitgeber, der Stuttgarter Stadtbahn AG, aushandeln.
Ihre Aufgabe in Köln ist keine leichte. Unter anderem muss sie aufpassen, nicht in die politischen Mühlen zu geraten. Als SPD-Mitglied stützte sich ihre Wahl im KVB-Aufsichtsrat auf die Stimmen der SPD, der Linken und der Arbeitnehmerschaft . Ansonsten gab es Enthaltungen und eine Gegenstimme.
Was geben Sie Ihrer Nachfolgerin Stefanie Haaks mit auf den Weg?
Natürlich würde ich ihr sehr gerne eine positive Entscheidung für einen Tunnel auf der Ost-West-Achse mit auf den Weg geben. Eine wichtige Aufgabe für Frau Haaks wird sein, dass der ÖPNV-Bedarfsplan zügig umgesetzt wird. Das Schienennetz muss kontinuierlich weiterentwickelt werden, mit einem höheren Tempo als das bisher geschah. Das wurde in der Vergangenheit bundesweit vernachlässigt, und jetzt merken wir, dass das Hemd überall zu kurz ist.
Es gibt noch viele Zukunftsthemen: Unsere Pläne für ein On-Demand-Angebot (Kleinbusse auf Terminbestellung) in Zusammenarbeit mit Ford werden sicherlich schon im kommenden Jahr konkretisiert, wir bauen das KVB-Leihradsystem weiter aus, wir stellen unsere Busflotte auf Elektrobetrieb um. Doch über das alles sollte nie die Betriebsqualität vergessen werden. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit: Nur wenn wir da stark sind, kommen die Menschen zu uns, steigen sie um.
Köln gilt auch als ein politisch holpriges Pflaster.
Köln ist eine sehr kommunikative, politische Stadt. Deshalb muss Frau Haaks sicherlich die Bereitschaft mitbringen, sich in die politischen Diskussionen hineinzubegeben und dafür Zeit mitzubringen – mehr Zeit als in anderen Städten.
Ein paar Sätze zum Vervollständigen: Meine schönste Bahnfahrt ...
.. beim Projekt „Musik in der Bahn“ mit unseren Musikern des KVB-Orchesters.
Wenn die Fahrgäste sich über Verspätungen und Störungen ärgern ...
.. ärgere ich mich mit.
Ich wünsche Köln ...
.. den Mut zu großen Entscheidungen.
