Die Müllgebühren in Köln steigen im nächsten Jahr erneut deutlich an. Auch Straßenreinigung und Abwasser wird teurer.
Plus 12,4 ProzentMüllgebühren in Köln sollen 2026 stark steigen

Die Gebühren für die Kölner Müllabfuhr sollen 2026 deutlich erhöht werden.
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Und wieder müssen die Verbraucher tiefer in die Tasche greifen: Die Abfallgebühren in Köln sollen im kommenden Jahr im Schnitt um satte 12,4 Prozent erhöht werden. 2025 waren sie bereits um durchschnittlich 9,3 Prozent angehoben worden, im Jahr 2024 um 1,6 Prozent. Somit sind die Gebühren binnen drei Jahren um rund ein Viertel gestiegen.
Der Kölner Stadtrat soll die Gebührenerhöhung am 16. Dezember absegnen. In den vergangenen Jahren hat er das stets getan. Wie die Stadt Köln mitteilt, steigen die Gebühren „je nach Größe und Art des Abfallbehälters von 5,97 Prozent für die 40-Liter-Restmülltonne bis zu 15,61 Prozent für eine Müllschleuse mit 770 Litern“.
Konkret sollen sich die Gebühren 2026 wie folgt ändern: Im Vollservice, bei dem Mitarbeiter der Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) die Tonnen aus dem Haus holen, werden für eine 60-Liter-Tonne pro Jahr 499,54 Euro fällig (vorher 451,19 Euro). Eine 120-Liter-Tonne kostet statt 659,52 Euro künftig 755,71 Euro, eine 240-Liter-Tonne 1.246,98 Euro statt 1.117,37 Euro. Für einen 500-Liter-Behälter müssen nächstes Jahr 2.381,30 Euro statt 2.114,81 Euro bezahlt werden, für einen 1.100-Liter-Behälter 3.878,89 Euro (vorher 3.552,08 Euro).
Müllabfuhr wird für vierköpfige Familie in Köln nächstes Jahr rund 71 Euro teurer
Auch im Teilservice, bei dem man die Mülltonne selbst an die Straße stellen und wieder hereinholen muss, wird es deutlich teurer: Eine 60-Liter-Tonne kostet statt 382,58 Euro künftig 428,76 Euro, eine 120-Liter-Tonne 645,98 Euro (vorher 553,17 Euro). Die 240-Liter-Tonne durchbricht die Marke von 1000 Euro: Für sie muss man nächstes Jahr 1.047,54 Euro berappen, zuvor waren es 924,06 Euro.
Eine vierköpfige Familie muss laut Stadt Köln bei Nutzung einer 80-Liter-Restmülltonne im Teilservice nächstes Jahr 68,51 Euro mehr bezahlen, bei Vollservice 71,07 Euro mehr. Gemäß Abfallsatzung müssen Haushalte in Köln Restmüllbehälter in einer Größe von mindestens 20 Liter pro Person und Woche vorhalten und bezahlen. Über die Restmüllgebühr finanzieren die Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) weitere Leistungen wie die Abholung von Altpapier und Biomüll, kostenlose Sperrmüllabfuhr, die Wertstoffhöfe und die Reinigung von Grünanlagen.
CO2-Abgabe auf Abfallverbrennung macht Müllentsorgung in Köln teurer
Als Hauptgründe für die erneute Verteuerung der Müllgebühren führt die Stadt Köln höhere Personalkosten wegen Tariferhöhungen, steigende Logistikkosten sowie eine drastische Preissteigerung bei der Entsorgung von Restmüll in Höhe von 31,6 Prozent an. Der Preis für die Verbrennung von Restmüll steige von 154,05 auf 200,97 Euro pro Tonne (plus 30,5 Prozent). Ein wesentlicher Faktor dabei ist laut Stadt die von der Politik eingeführte CO2-Abgabe für die Restabfallverbrennung. Sie steigt nächstes Jahr von 55 Euro auf 65 Euro pro Tonne. Die CO2-Abgabe war erstmals 2024 erhoben worden, damals kostete sie 40 Euro pro Tonne.
Weitere Preistreiber sind laut Stadt sinkende Stromerlöse aus der Verbrennung und höhere Kosten für die Instandhaltung der Restmüllverbrennungsanlage in Niehl. Die Anlage wurde in den 1990er-Jahren überdimensioniert gebaut, es flossen Bestechungsgelder in Millionenhöhe. Der „Kölner Müllskandal“ beschäftigte jahrelang die Gerichte. Mehrere Beteiligte wurden später wegen Untreue und Bestechlichkeit verurteilt.
Auch die Verwaltungskosten treiben die Müllgebühren in die Höhe. Für 2026 rechnen die AWB hier mit 5,8 Millionen Euro. Das sind 1,4 Millionen Euro mehr als 2025 - eine Steigerung um stolze 32,2 Prozent. Die Stadtverwaltung erklärte: Die Kostensteigerung resultiere im Wesentlichen „aus gestiegenen Personalkosten infolge von tariflichen Lohnentwicklungen“ sowie aus den Projektkosten für das „Zero Waste“-Konzept (521.000 Euro) und den „Masterplan Sauberkeit“ (2,2 Millionen Euro).
Straßenreinigung in Köln wird 2026 ebenfalls teurer
Auch für die Straßenreinigung müssen die Kölnerinnen und Kölner nächstes Jahr mehr ausgeben. Die Gebühren sollen um durchschnittlich 3,45 Prozent erhöht werden. Sie waren im Jahr 2025 bereits im Schnitt um 9,0 Prozent gestiegen und im Jahr 2024 um durchschnittlich 6,8 Prozent. Das entspricht einer Erhöhung um rund ein Fünftel binnen drei Jahren.
Zum Beispiel muss laut Stadt künftig für ein Einfamilienhaus mit 15 Frontmetern an einer Hauptstraße ohne niveaugleichen Gehwegausbau und 15 Metern Gehweg 181,20 Euro bezahlt werden - 6,45 Euro mehr als 2025. Für ein Mehrfamilienhaus mit 30 Frontmetern an einer Anliegerstraße ohne niveaugleichen Gehwegausbau bei anliegergereinigtem Gehweg würden 169,80 Euro für die Reinigung der Fahrbahn anfallen - 5,10 Euro mehr als 2025.
Die Abwassergebühren sollen 2026 ebenfalls kräftig erhöht werden. Laut Kalkulation der Stadtentwicklungsbetriebe (Steb), die der Rat noch bestätigen muss, soll die Gebühr für Schmutzwasser von 1,63 auf 1,76 Euro pro Kubikmeter steigen. Das entspricht einer Erhöhung um 8,0 Prozent. Die Gebühr für Niederschlagswasser soll von 1,32 Euro auf 1,39 Euro pro Kubikmeter erhöht werden (plus 5,3 Prozent).
Der Kölner Haus- und Grundbesitzerverein kritisierte die geplante Erhöhung: „Die Steigerungen werden die Gebührenzahler - Immobilieneigentümer wie auch Mieter - vor erhebliche Mehrbelastungen stellen. Damit tragen die Nebenkosten zu einem wesentlichen Teil zur Steigerung der Mieten bei.“ Bestimmte Umlagen in Köln seien „politisch motiviert, um mit diesen Leistungen nicht den allgemeinen Haushalt belasten zu müssen“. Seit Jahren fordere man die Stadt auf, mit dieser Quersubventionierung von anderen Reinigungsleistungen Schluss zu machen. „Der Kölner Haus- und Grundbesitzerverein erwartet von der Stadt, sich stärker für die Senkung der Wohnnebenkosten einzusetzen.“ Es könne nicht sein, dass private Vermieter massiv mit einer Mietpreisbremse reguliert würden, während es für die Entwicklung der Mietnebenkosten keine bremsende Wirkung gebe.
