Rheinpegel im TiefstandFür die Lachse im Rhein wird es langsam brisant

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KR Lachs

Ein laichreifer Lachs wird im Wasser festgehalten. Im Rhein werden die Fische immer seltener.

Köln – Zu hohe Temperaturen, sinkender Sauerstoffgehalt im Wasser und die wachsende Gefahr, in der verengten Fahrrinne von Schiffsschrauben verletzt oder getötet zu werden: Für viele Fische im Rhein wird die Lage in der momentanen Hitze- und Niedrigwasserperiode langsam brisant. Im Gegensatz zu den Dürrejahren 2018 und 2003, als im Rhein massenhaft Fische verendeten, hat es bisher noch kein größeres Fischsterben gegeben. Doch sollten die Temperaturen weiter steigen, könnte sich das ändern.

Sommertemperaturen um 23 Grad ideal

„Die kritische Wassertemperatur von 25 Grad wird im Rhein bereits regelmäßig überschritten“, betont Marc Daniel Heintz, Geschäftsführer der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR). „Die Mehrzahl der Fische im Rhein fühlt sich bei Sommertemperaturen um 23 Grad am wohlsten“, erklärt Prof. Dr. Jost Borcherding vom Zoologischen Institut der Universität Köln. „Andere Arten wie der Lachs mögen es kühler. Wird das Wasser zu warm, geraten die Fische in Stress. Schwächere Tiere sterben.“ Borcherding leitet die Ökologische Forschungsstation der Uni in Rees am Niederrhein. Seit mehr als 20 Jahren untersucht er die Fische des Rheins. Er sei „ziemlich sicher“, so der Biologe, dass bei Niedrigwasser mehr Fische von Schiffsschrauben verletzt werden, auch wenn das wissenschaftlich bisher kaum belegt ist.

Der Aal ist besonders gefährdet

Manche Arten wie der Aal seien besonders gefährdet. „Ab September, Oktober ziehen die Aale aus den Nebenflüssen in den Rhein, weiter in die Nordsee und von dort bis in die Sargassosee in der Karibik, wo sie sich vermehren. Falls zu Beginn dieser Wanderung noch immer extremes Niedrigwasser herrschen sollte, haben die Tiere ein Riesenproblem. Denn die Aale schwimmen mit der fließenden Welle in der Fahrrinne und somit ganz in der Nähe der Schiffe“, erläutert Borcherding.

KR Rhein Aale

Zurzeit steigt der Rheinpegel wieder etwas. Doch von normalen Wasserständen sind wir zurzeit weit entfernt.

Auch für die Lachse, die im Meer leben und zum Laichen in die Sieg zurückkehren, werde es im Rhein eng. „Die Lachse vermehren sich im Winter und beginnen jetzt mit dem Aufstieg in die Sieg. Das ist bei Niedrigwasser äußerst schwierig. Bei meinen Kollegen in der Fangstation in Buisdorf kommen kaum noch Lachse an“, so Borcherding. „Der Lachs leidet besonders unter niedrigen Wasserständen. Generell sind alle Wanderfischarten betroffen, die weite Wege zurücklegen und bei denen der Mensch diese Wege durch Stauwehre und Wasserkraftanlagen verbaut hat.“

Es gibt auch Grund zur Hoffnung

Neben den Folgen der Trockenheit, die schon seit 2018 andauere, gebe es weitere Faktoren, die die Fischpopulationen im Rhein bedrohen, so der Biologe. Durch die Begradigung des Stroms für die Schifffahrt seien viele Rheinauen verloren gegangen – wichtige Lebensräume für viele Fischarten, die auf solche Stillwasserbereiche in der Aue angewiesen sind, um zu laichen. Dort wachsen die Jungfische auf.

In den vergangenen 100 Jahren habe sich das Flussbett des Rheins durch die Strömung um bis zu fünf Meter vertieft. „Das hat zur Folge, dass die verbliebenen Rheinauen oft keine Verbindung mehr zum Fluss haben, insbesondere bei Niedrigwasser. Zudem fällt damit auch der Grundwasserspiegel ab – mit der Folge, dass die Auen trocken fallen“, so Borcherding.

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Die langanhaltende Trockenheit sieht er mit großer Sorge. „Nach dem Dürresommer 2003 hat es bis 2016 gedauert, bis die Defizite im Grundwasser ausgeglichen waren.“ Doch es gibt auch Grund zur Hoffnung, betont der Biologe. Selbst wenn in manchen Jahren eine große Zahl von Fischen im Rhein sterbe, könnten sich die Populationen rasch erholen. Vor allem, wenn die Lebensbedingungen verbessert werden. „Nachdem man die Mündung der Lippe in den Rhein bei Wesel 5 Meter tiefergelegt und renaturiert hat, sind die Fischbestände dort innerhalb kürzester Zeit explodiert.“

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