Köln-Niehl – Immer noch wirken die Dimensionen der unterm Rhein hindurch geplanten Abwasserleitung schier unvorstellbar. Bis zu 6000 Liter pro Sekunde, also 40 Badewannen-Füllungen, sollen die beiden 2,80 und zwei Meter dicken Düker-Rohre von Alt-Niehl hinüber zum Klärwerk Stammheim schicken können. Am Oberhauptbauwerk in Alt-Niehl treffen unterirdisch 83 Prozent der Kölner Abwässer zusammen, bevor sie ihren Weg ins Rechtsrheinische finden. Die derzeitige, von 1929 stammende Leitung sei stör- und unfallanfällig sowie nur durch Taucher zu inspizieren. Für eine Einwohnerzahl weit über einer Million sei sie nicht ausgelegt.
„Wir brauchen für eine moderne Stadt auch ein modernes Abwassersystem“, unterstrich Christian Heinze, der Projektleiter der Stadtentwässerungs-Betriebe Köln (Steb) bei seinem Einführungsvortrag. Rund 60 Millionen Euro würde die Steb es sich kosten lassen, gebaut würde mit einem Rohr-Vortriebssystems, ähnlich wie beim 2016 eröffneten Gotthard-Basistunnel in der Schweiz.
Erster Online-Dialog der Kölner Steb
Im Frühjahr 2021 soll der Start für das Projekt sein, das erhebliche Auswirkungen – Sperrungen, Umleitungen, Lärm und Erschütterungen – auf das kleine Fischerdorf am Rhein haben wird. Um hierüber, und insbesondere über das hiermit verbundene Verkehrskonzept zu informieren, hatten die Steb zum virtuellen, online-basierten Bürgerdialog eingeladen – ihrem ersten überhaupt in der Unternehmens-Geschichte. Die Resonanz war ansprechend: In der Spitze rund 60 Leute schalteten sich live zu, um anderthalb Stunden lang mit Heinze, Steb-Vorstand Otto Schaaf, Baustellenmanagement-Amtsleiter Thomas Weil und dem Nippeser Bezirksbürgermeister Bernd Schößler zu diskutieren.
In der ersten Projektphase ab kommendem Frühling würden Leitungen im Bereich der Baustelle am Niehler Damm, knapp nördlich der Kirche Alt St. Katharina, geortet und verlegt, währenddessen der Niehler Damm an der Baustelle einspurig und per Bauampel geregelt wird. Zwischen Sommer 2021 und Sommer 2023 folgten dann die Haupt-Arbeiten, verbunden mit einer Vollsperrung des nördlichen Abschnitts des Niehler Damms. „Wir müssen hierfür rund 30 Meter tief buddeln“, unterstrich Heinze.
Kölner Schule muss umziehen
Hauptbetroffene ist die Gemeinschafts-Grundschule (GGS) Halfengasse, die direkt neben der Baustelle liegt: Sie wird während der Bauzeit ins Container-Interim an der Ecke Bremerhavener Straße / Niehler Damm ziehen. Während der Arbeiten soll zugleich die Chance genutzt werden, das dann leere Schulgebäude zu sanieren. Die Kapazitäten des Ausweichquartiers würden für alle Schüler reichen. Die Buslinie 147 fährt während der Sperrung komplett über die Merkenicher Straße zur Endhaltestelle an der Wendeschleife, nördlich der Siedlung Flittarder Weg / Pastor-Wolff-Straße. Weil die Straße stellenweise sehr eng ist, werden auch hier Bauampeln eingerichtet. Kurz vor Baubeginn will die Steb mit Anwohnern individuelle Gespräche führen, damit die Grundstücke zugänglich bleiben.
Die Stimmung der zugeschalteten Nachbarn war konstruktiv, wenngleich nicht frei von Sorgen. Ein Malermeister am Niehler Damm sorgt sich, ob er während der Bauphase mit seinen Fahrzeugen weiterhin zum Betrieb kommen kann: „Wird hier auch ein Gespräch geführt?“„Wir werden individuelle Gespräche suchen. Unser Ziel ist es, dass der Betrieb weiter arbeiten kann“, sicherte Heinze zu. „Einige wenige Bäume“ entlang des Niehler Damms werde man fällen müssen, man werde sie aber auf jeden Fall durch Neupflanzungen ersetzen. Eine gute Nachricht verkündete die Steb auf die Frage von Stefan Eulitz: Die große Platane auf dem Schulhof der GGS sei, trotz Bauarbeiten, doch zu retten. „Der Baum steht relativ nah am Altgebäude. Wir wollen ihn weiterhin schützen, inklusive der Wurzeln“, so Heinze.
Bernd Valjeur, der Vorsitzende des Niehler Bürgervereins, sorgte sich um das illegale Befahren der KVB-Privatstraße im Norden von Alt-Niehl, zwischen Flittarder Weg und Merkenicher Straße, sowie um die Raserei auf dem übrigen Niehler Damm, dessen Südteil als Umleitung fungiert. „Wir nehmen den Hinweis auf die KVB-Straße direkt mit. Zudem wird auf dem übrigen Niehler Damm das Tempo kontrolliert“, sicherte die Steb zu. Zudem solle das neu eingeführte Tempo 30 entlang der Straße bestehen bleiben. Ferner gab es Bedenken wegen des Schulwegs entlang der Merkenicher Straße, auf der durch die Busroute zusätzlich Verkehr entsteht und wo es nur schmale, mitunter auch gar keine Bürgersteige gebe. „Hier sollten Sie ganz genau hinschauen“, mahnte Valjeur. Eine neue Problemstelle könne es ferner an der Einmündung Sebastianstraße/Scheibenstraße geben, ebenfalls ein Teil des Umleitungssystems, merkten einige Teilnehmer an.
Die Steb zogen ein positives Fazit ihres ersten Online-Bürgerabends. „Aus unserer Sicht war der Abend ein voller Erfolg“, so Schaaf. „Diese Pilotveranstaltung hat uns gezeigt, dass trotz Covid-19-Pandemie Bürgerbeteiligung funktioniert.„ Man wolle auch weiterhin darauf zurückgreifen, wenngleich man hoffe, dass bald wieder klassische Bürgertreffen möglich würden.www.rheindueker.koeln