Padel liegt im Trend. Doch das Angebot an Plätzen kann die hohe Nachfrage in Köln nicht decken.
Neue Anlage in MülheimPadel boomt auch in Köln – Doch es fehlt an Plätzen

Die Padel-Anlage von The Cube Padel in Mülheim.
Copyright: Maria Fashchevskaya
Dumpfe Schläge, Bälle treffen hallend auf durchsichtige Plastikwände. Vier Männer huschen über den kleinen Platz mit Netz und hauen sich einen kleinen gelben Filzbälle um die Ohren. Die Halle auf dem Carlswerk-Gelände in Mülheim hat vor kurzem eröffnet. Insgesamt acht Innen- und zwei Außenplätze stehen in der Anlage zur Verfügung – und alle sind an diesem bewölkten Vormittag belegt.
Padel liegt im Trend. Schon Ende der 2010er Jahre breitete sich die Rückschlagsportart - eine Mischung aus Tennis und Squash - langsam in Deutschland aus. Nach der Pandemie folgte ein weiterer Boom, der bis heute ungebrochen anhält. Doch das Angebot kann die riesige Nachfrage vielerorts nicht decken. Das ist in vielen Städten so, auch in Köln. „Es gibt zu wenig Plätze in Köln, aber immer mehr interessierte Spielerinnen und Spieler. Deswegen ist die neue Halle wunderbar“, sagt Simon Schmitz, einer der Inhaber von The Cube Padel, dem Betreiber der Halle in Mülheim.
Die Anlage ist laut eigenen Angaben die modernste Deutschlands. Statt nach alter Turnhalle, so wie auf manch einem Indoor-Tennisplatz, fühlt sich die großzügige Anlage mit ihren bequemen Lounge-Möbeln und der Café-Bar tatsächlich nach einem Ort an, an dem man sich gerne aufhält. Nicht nur, um Sport zu treiben. Dabei müssten neue Anbieter gar nicht mal so viele Anreize über die reine Sportstätte hinaus bieten, um das Publikum anzuziehen. Viel Konkurrenz gibt es in Köln ohnehin nicht: drei Anlagen unter dem Namen „padelBox“ in Lövenich, Weiden und Widdersdorf, eine Anlage vom Unisport im Inneren Grüngürtel, auf der Oskar-Jäger-Straße in Ehrenfeld eröffnet bald ein „Boutique Padel Club“ des Berliner Unternehmens „The Padel Company“.
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Nick Merten ist die deutsche Nummer eins im Padel.
Copyright: Maria Fashchevskaya
Mehr Angebote für Padel-Spieler, das wünscht sich auch Nick Merten, der in der Anlage im Carlswerk als Manager arbeitet. Doch nicht nur das. Der 26-Jährige ist die deutsche Nummer eins im Padel. Erst im November hat er mit dem TC Weiden die Deutsche Meisterschaft gewonnen. „Vor Padel habe ich Tennis leistungsorientiert gespielt“, sagt der 26-Jährige. Er studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln den Studiengang „Sport und Leistung“, der die Absolventen für Berufsfelder im leistungsorientierten Sport qualifiziert. Vor rund drei Jahren packte ihn die Begeisterung für den Padel-Sport, seit 2023 trainiert er mehrmals die Woche.
Die Idee hinter der Eröffnung der Halle auf dem Carlswerk-Gelände sei den Besitzern in Spanien gekommen, sagt Merten. „Sie haben auf Mallorca Padel gespielt, fanden es cool, haben aber in Köln keinen Platz zum Spielen bekommen.“ Da haben sie einfach ihre eigene Padelhalle eröffnet.
Obwohl er es bis an die Spitze der deutschen Rangliste geschafft hat, bleibt Merten bescheiden. „Man ist natürlich schon stolz darauf, aber weiß es auch einzuschätzen. Der Sport ist noch nicht so groß wie Tennis oder andere Sportarten. Es ist eine Bestätigung meiner Arbeit und des Fleißes, aber mehr nicht.“
Meistens wird Padel im Doppel – Zwei gegen Zwei – gespielt, aber kann auch im Einzel für Trainingszwecke gespielt werden. Im Gegensatz zu Tennis wird der Aufschlag von unten durchgeführt. Der Ball darf nur einmal auf dem Boden aufsetzen, wobei er auch an den Seitenwänden abprallen kann und darf. Besonders beliebt ist die Sportart in Spanien und Lateinamerika. In Spanien soll es mittlerweile sogar mehr Padel-Plätze als Tennis-Plätze geben, in Argentinien ist Padel schon fast Nationalsport. 2024 reiste Merten mit ein paar anderen Spielern für ein halbes Jahr nach Barcelona, um in einer Padel-Akademie zu trainieren.
In Deutschland wachse der Sport stetig, sagt Merten. „Der Sport hier ist noch relativ frisch und nicht so weit entwickelt wie in anderen Ländern.“ Dementsprechend fehle es an Strukturen, etwa an ausgebildeten Trainern, aber auch an Fördergeldern. Dass sich daran etwas ändert, daran arbeitet unter anderem die Agentur Sport360, die auch Fußball-Profis wie Toni Kroos, Florian Wirtz sowie Fußball-Nationaltrainer Julian Nagelsmann unter Vertrag hat. Hinter der Agentur steckt der in der Szene bekannte Spielerberater und Unternehmer Volker Struth. Die Agentur hat im vergangenen Jahr die Vermarktungsrechte des Deutschen Padel Verbands bekommen und möchte den Sport finanziell und medial weiterentwickeln. Der Plan: mehr Plätze, mehr Spieler, mehr Talente. Dann braucht es Sportler, die zu Idolen werden und wiederum Nachwuchs in den Sport ziehen. Die Rechnung klingt einfach. Der Weg dahin aber noch ein weiter.
