Bahn frei für Radfahrer?An diesen Stellen klemmt es auf den Kölner Ringen

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250 Meter Radstreifen, die ein Meilenstein sind. Am Rudolfplatz wurde eine Lücke im Projekt Ringfrei geschlossen.

250 Meter Radstreifen, die ein Meilenstein sind. Am Rudolfplatz wurde eine Lücke im Projekt Ringfrei geschlossen.

Die Ringe sind inzwischen fast ganz frei für Radler – doch zwei verkehrliche Bollwerke verhindern die Durchfahrt. Und das wird wohl erst einmal so bleiben.

Es sind nur ein paar Meter in Köln, aber ist ein großer Wurf für Deutschland. Zumindest in der Einschätzung von Kölns Mobilitätsdezernenten Ascan Egerer verhält es sich so mit dem schon vor Wochen fertiggestellten Radstreifen auf dem Habsburgring entlang des Rudolfplatzes. Diese 250 Meter seien nicht weniger als ein Meilenstein, so Kölns oberster Verkehrsplaner. Dank dieses „Lückenschlusses“ können Radfahrende nun über neun Kilometer auf den Ringen durchradeln. Und wären da nicht zwei verkehrliche Bollwerke, wie der Barbarossaplatz und der Ebertplatz, es ging für die Radler noch weiter. Doch an diesen beiden Plätzen wird es noch auf unabsehbare Zeit eng zugehen.

Es könnte als Bescheidenheit ausgelegt werden, oder als Bürokratie: Fertiggestellt wurde der 2,5 Meter breite Radstreifen bereits vor Wochen. Nun erst stellt Egerer im Beisein des Fahrradbeauftragten Jürgen Möllers Den „Suezkanal“ des Kölner Radwegenetzes vor. Was auf den Ringen geleistet worden sei, gelte bundesweit als „Kölner Standard“, sei ein „Vorzeigeprojekt“ für andere Städte.

„Vaterstolz“ bei Reinhold Goss, mittlerweile Fahrradbürgermeister und einst Mitbegründer der Initiative „Ringfrei“. Die legte mit einem Zehn-Punkte-Plan den Grundstein, der nun zum Meilenstein wurde. Heute käme in Köln manch einer auf ihn zu und würde fragen: „Sind Sie der Herr Goss?“ Auf das „Ja“ folge dann ein herzliches „Dankeschön“ eben für die nunmehr für Radler freien Ringe.

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20 Prozent weniger Pkw-Verkehr

Der Vergleich mit dem Suezkanal hinkt nur ein bisschen, denn der Aufwand für das Projekt war alles andere als gering. Bis zu 25 Einzelplanungen habe es für jeden Abschnitt gebraucht“, so Möllers. Doch der Aufwand habe sich gelohnt. „Der Kfz-Verkehr hat um 20 Prozent abgenommen. Die Raserszene ist weg“, sagt der Fahrradbeauftragte. Dafür habe der Fahrradverkehr von wenigen Hundert auf bis zu 7000 Radfahrende am Tag auf den Ringen zugenommen. Fußgänger hätten mehr Platz. Möllers Begeisterung für das „Vorzeigeprojekt“ bricht sich in dem Ausruf Bahn: „Wir gehen nie wieder zurück, es wird immer so weiter gehen.“

Weitergehen, das müsste es nun mit dem Barbarossaplatz und dem Ebertplatz um das Projekt „Ringfrei“ zu vollenden. Plätze, mit herausfordernder verkehrlicher Gemengelage. Oder wie Egerer es für den Barbarossaplatz ausdrückt: „Da stehen noch Beschlüsse an, da gibt es noch keinen Zeitplan.“

Eine schlechte Nachricht vor allem für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Einsteigen in die Stadtbahnen der Linien 16 und 18 kann an der Haltestelle Barbarossaplatz   nur, wer in der Lage ist, Stufen zu überwinden. Denn dort halten die Hochflurbahnen seit Jahrzehnten an Niederflurbahnsteigen. Neue Bahnsteige könne es erst geben, wenn Pläne für den Umbau des Barbarossaplatzes vorliegen, heißt es bei den KVB.

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