Anhaltender TrendRadverkehr in Köln legt weiter zu – doch schnell genug?

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Ein Radfahrer fährt über einen Radweg.

In Köln wird das Rad weiter immer beliebter (Symbolbild)

Trotz allem bleibt die Entwicklung laut ADFC deutlich hinter dem zurück, was für eine echte Verkehrswende erforderlich sei.

Radfahren bleibt in Köln im Trend. Im ersten Halbjahr 2023 wurden an 17 Zählstellen in der Stadt 9,3 Millionen Radfahrten erfasst. Das waren 105 000 mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum, eine Zunahme um 1,1 Prozent. 2022 war der Radverkehr in Köln wieder kräftig gewachsen, nachdem es zuvor im Jahr 2021 wegen der Ausgangssperren in der Corona-Zeit und viel Regen im Sommer einen massiven Einbruch gegeben hatte.

Nun haben sich die Zahlen stabilisiert, mit einem leichten Plus im ersten Halbjahr trotz des eher verregneten Frühlings. Spitzenreiter unter den Dauerzählstellen der Stadt bleibt die Venloer Straße. Mit 977 804 Fahrten von Januar bis Juni 2023 verzeichnete sie beim Radverkehr einen Zuwachs von 1,5 Prozent. Daran konnten offenbar auch die teils chaotischen Zustände wegen des Verkehrsversuchs auf der Venloer Straße nichts ändern. Ein kräftiges Plus verbuchte als Nummer zwei die Zählstelle Universitätsstraße: Hier wurden   im ersten Halbjahr 958 822 Fahrten registriert, 13,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Zählstellen erfassen jedes vorbeifahrende Fahrrad – dieselbe Person wird also je nach Route möglicherweise mehrfach gezählt.

ADFC: Radverkehr müsste sich bis 2030 verdoppeln

Ob die solide Entwicklung seit Januar reicht, um im Gesamtjahr 2023 einen neuen Rekord aufzustellen, ist offen. Im ersten Halbjahr 2023 wurden an den 17 Zählstellen durchschnittlich 3036 Radfahrten pro Tag gezählt, im ersten Halbjahr 2022 waren es täglich im Schnitt 2985.

Alles zum Thema Kölner Verkehrs-Betriebe

„Nach dem starken Rückgang im Jahr 2021 haben sich die Zahlen wieder auf einem ganz guten Niveau eingependelt“, meint Christoph Schmidt, Vorsitzender des Kreisverbands Köln des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC). Gleichwohl bleibe die Entwicklung deutlich hinter dem zurück, was für eine echte Verkehrswende erforderlich sei. „Wenn die Stadt Köln ihre Klimaziele ernst nehmen will, muss sie deutlich schnellere Schritte einleiten.“ Dafür brauche es eine Verdoppelung des Radverkehrs bis 2030.

Zwar sei das Angebot an eigenen Fahrspuren für Radfahrer in der Kölner Innenstadt in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen und für jedermann sichtbar, so Schmidt. „Aber in den Außenbezirken passiert noch viel zu wenig.“ Um auch dort bessere Infrastruktur für Radfahrer schaffen zu können, müsse die Stadt mehr Verkehrsplaner einstellen. „Außerdem sollten mehr Dauerzählstellen in den Außenbezirken eingerichtet werden, damit man eine bessere Datengrundlage hat, bevor man baut.“ Und was sieht er als das derzeit drängendste Projekt? „Die Venloer Straße. Sie muss dringend zur Einbahnstraße werden.“


KVB-Rad auf Erfolgskurs

1,6 Millionen Mal wurden im ersten Halbjahr 2023 KVB-Räder ausgeliehen. Das ist in etwa so viel wie im gesamten Jahr 2021. Mit rund 364 000 Ausleihen allein im Juni habe man einen neuen Monatsrekord aufgestellt, teilten die Kölner Verkehrs-Betriebe mit. Auch für das Gesamtjahr 2023 ist das KVB-Rad auf Rekordkurs. Im vergangenen Jahr wurde es 1,95 Millionen Mal ausgeliehen – für 2023 rechnet die KVB mit deutlich mehr als 2,5 Millionen Ausleihen. Das KVB-Rad betreiben die Kölner Verkehrs-Betriebe gemeinsam mit ihrem Partner „Nextbike by TIER“. Rund 3000 KVB-Räder können im ganzen Stadtgebiet gemietet werden. Abo-Kunden nutzen das KVB-Rad während der ersten 30 Minuten kostenlos. (fu)

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