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Bike Tower für KölnBau der Radparkhäuser verzögert sich

Lesezeit 3 Minuten
Radparkhaus_Offenburg_biketower

Das "Radhaus" in Offenburg (Ba­den-​Würt­tem­berg) gibt es bereits seit 2013 -​ ein voll­au­to­ma­ti­sches Fahr­rad­park­haus mit Platz für 120 Räder und Chip­kar­ten­zu­gang.

Köln – „Stadt will mit Rädern hoch hinaus“ – unter dieser Überschrift berichtete die Rundschau im November 2017 über Pläne der Stadt Köln, fünf Fahrrad-Parkhäuser zu bauen. An Bahnhöfen und KVB-Haltestellen sollen so genannte „Bike Tower“ entstehen – als sichere Unterbringungsmöglichkeit für jeweils 120 Fahrräder oder E-Bikes. Zielgruppe sind vor allem Berufspendler, die Rad und öffentlichen Nahverkehr kombinieren und so einen Beitrag zum Klimaschutz leisten wollen.

Bisher wurde kein Auftrag vergeben

Doch bis dato ist kein einziges Radparkhaus gebaut, obwohl sich die Stadt verpflichtet hat, bis Ende 2022 alle fünf zu errichten. Der erste Bike Tower sollte eigentlich schon seit 2020 an der Endhaltestelle der Linie 1 Weiden West stehen, doch bisher ist nicht mal der Auftrag vergeben.

Die Vergabe sei noch nicht abgeschlossen, teilte die Stadt auf Anfrage der Rundschau mit. „Die Verwaltung hofft, das Verfahren in den nächsten Monaten abzuschließen.“ Nach der Beauftragung betrage die Bauzeit für den Bike Tower etwa ein Jahr. Im Klartext: Selbst wenn jetzt alles klappen sollte, wäre das erste Radparkhaus frühestens im Herbst oder Winter 2023 fertig.

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Pandemie verlangsamte den Prozess

Als in Köln Dieselfahrverbote wegen hoher Luftschadstoffwerte drohten, hatte die Stadt mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH) im Juni 2020 einen Vergleich geschlossen und unter anderem zugesagt, dass alle fünf Bike Tower zwischen 2020 und 2022 fertiggestellt werden, damit es keine Fahrverbote gibt. Das hat nicht geklappt.

Zu den Gründen erklärte das Mobilitätsdezernat: „Bei dem Ausschreibungsverfahren zum ersten Bike Tower in Weiden West waren viele grundsätzliche Fragestellungen zu klären, da es sich um ein für Köln völlig neues Modul der Fahrradabstellanlagen handelt. Die Verwaltung geht davon aus, dass die weiteren vier Bike-Tower in kürzerer Zeit geplant und realisiert werden können. Leider erschwerten auch die Beschränkungen der Pandemie und Fehlzeiten durch krankheitsbedingte Ausfälle den Prozess.“

Wenige Gebote für viel Geld

Dem Vernehmen nach gingen nur wenige Gebote ein, und die waren deutlich teurer als die im Jahr 2020 kalkulierten 450 000 Euro. Auch beim Baugenehmigungsverfahren soll es Verzögerungen gegeben haben.

„Das ist sehr ärgerlich“, sagt Christoph Schmidt, Vorsitzender des Kreisverbands Köln des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). „Die Kombination aus Radfahren und öffentlichem Nahverkehr ist das absolute Gewinnerthema für die Verkehrswende. Aber ohne sichere Abstellmöglichkeiten funktioniert es nicht. Dass die Stadt Köln mehr als fünf Jahre braucht, um ein einziges Radparkhaus zu bauen, ist peinlich. In Offenburg gibt es so etwas bereits seit 2013, im Übrigen auch im Kölner Umland.“ Die Stadt müsse solche Projekte deutlich schneller umsetzen, „zumal fünf Bike Tower längst nicht den Bedarf decken und nur der Anfang sein sollten“, so Schmidt.

Konsequenzen befürchtet die Stadt nicht. Man gehe nicht davon aus, dass nun Dieselfahrverbote drohen, denn die Bike Tower seien nur „eine von vielen Maßnahmen“ und aktuell würden die Schadstoffgrenzwerte eingehalten. Wo die vier anderen Radparkhäuser gebaut werden, muss die Politik noch entscheiden. Nach Rundschau-Informationen sind unter anderem Bocklemünd, Porz-Wahn und Schlebusch vorgesehen.

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