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„Oma-Hobbys“ in KölnWarum junge Leute wieder nähen, stricken und häkeln

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Stefanie Walter ist gelernte Schneiderin und führt seit 2011 den Salon Fadenschein.

Stefanie Walter ist gelernte Schneiderin und führt seit 2011 den Salon Fadenschein. 

Häkeln, Stricken oder Nähen – immer mehr junge Menschen entdecken die Handarbeit für sich.

Hello Kitty, kleine Tierchen oder Pflanzen – wer darauf achtet, sieht sie überall: winzige, gehäkelte Figuren, die an Taschen vieler junger Menschen baumeln. Handarbeit wie Häkeln oder Stricken wird immer beliebter – in den Sozialen Medien werden sie liebevoll als „Oma-Hobbys“ bezeichnet.

Zu Stefanie Walter, Gründerin der Näh- und Handarbeitsschule „Salon Fadenschein“ am Zollstocker Gottesweg, kommen immer mehr junge Menschen, die Großmutters Fähigkeiten lernen möchten. „Das ist wie eine Welle – mal ebbt der Trend ab, dann kommt er wieder“, sagt Walter. „Im Moment ist er besonders stark.“

„Oma-Hobbys“ sind Freizeitbeschäftigungen wie Stricken, Häkeln, Nähen, Gartenarbeit oder Töpfern, die so genannt werden, weil sie traditionell mit Großmüttern und der älteren Generation assoziiert werden. In den sozialen Medien wird der Begriff wieder verstärkt aufgegriffen und popularisiert. Unter dem Schlagwort kursieren unzählige Videoanleitungen auf verschiedenen Plattformen, die zeigen, wie Kuscheltiere, Mützen oder Socken selbst hergestellt werden können.

An den Kursen nehmen hauptsächlich junge Menschen teil

Die gelernte Schneiderin bietet in ihrem Geschäft verschiedene Kurse an. Zwischen Regalen voller Stoffe und Nähgarn können Teilnehmende Stricken, Häkeln, Nähen oder Filzen lernen. „Es finden hauptsächlich Anfängerkurse statt. Viele Teilnehmende sind zwischen 19 und 29 Jahre alt“, berichtet Walter. Oft kämen Freundesgruppen, manchmal sogar Junggesellinnenabschiede. Der Trend sei hauptsächlich frauendominiert. „Hin und wieder sind aber auch mal junge Männer dabei“, so Walter. Im kommenden Jahr soll zudem ein offener Stricktreff dazukommen, bei dem Menschen gemeinsam an ihren Handarbeiten sitzen und sich gegenseitig unterstützen können.

„Früher hat man Stricken und Nähen noch in der Schule gelernt – mittlerweile kaum noch. Auch von den Großeltern lernen viele das nicht mehr“, sagt Walter. Sie sieht vor allem die Sozialen Medien als Triebfeder der Bewegung. „Je mehr Zeit man im virtuellen Raum verbringt, desto stärker wird der Wunsch, etwas mit den eigenen Händen zu schaffen – etwas, das man sehen und fühlen kann.“ Es gehe dabei um Selbstwirksamkeit und das Bedürfnis, Dinge selbst gestalten zu können.

Umweltthemen und soziale Medien spielen eine Rolle beim Trend

Die Handarbeit und Gestaltung von Kleidung schaffe ein größeres Bewusstsein für Umweltthemen. Viele junge Menschen würden sich dabei mit Fast Fashion (dt. Schnelle Mode) auseinandersetzen – einem Geschäftsmodell, bei dem Mode schnell produziert wird, um Trends sofort aufzugreifen. Fast-Fashion-Kleidung besteht oft aus Kunstfasern wie Polyester oder Nylon. Diese Materialien sind meist von minderer Qualität und nutzen sich schnell ab. Die Kleidung wird häufig nur wenige Male getragen und anschließend entsorgt, was zu hohem Konsum und großen Müllmengen führt.

„Beim Stricken wissen die Leute genau, woraus ihre Sachen bestehen“, erklärt Walter. Sie selbst verwendet gern hochwertige Materialien wie Mohair oder Seide. „So etwas findet man im Einzelhandel kaum – und wenn, dann als Luxusware.“ Zwar sprängen inzwischen viele Handelsketten auf den Trend auf, doch: „Die günstige Wolle enthält oft auch Kunststoffe wie Polyamide.“

Auch die Wünsche der Teilnehmenden werden vielfältiger. Im Salon Fadenschein gibt es inzwischen Upcycling-Kurse – „Aus Alt mach Neu“, wie Walter sie nennt –, bei denen alte Kleidungsstücke verschönert werden. „Den Leuten geht es dabei nicht unbedingt ums Geldsparen, sondern darum, Dinge individuell zu gestalten“, erklärt sie. „Der Einstieg ist niedrigschwellig und kreativ – das wirkt nicht abschreckend.“


Salon Fadenschein, Gottesweg 37, 50969. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 11 bis 13.30 Uhr, sowie von 16.30 bis 18 Uhr. Am Samstag ist bis 13.30 Uhr geöffnet.

www.salon-fadenschein.de