Kölnerinnen und Kölner setzen beim Einkaufen zunehmend auf Selbstbedienungs-Kassen. Vorreiter ist der Lebensmittelhandel.
Kölner EinzelhandelDer Trend geht zum Selberscannen

Nicht mehr wegzudenken: die Selbstscanner-Kassen im Supermarkt.
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Immer mehr Händler in der Domstadt bieten Selbstbedienungs-Kassen an und berichten: Die Akzeptanz der Kunden wächst, Diebstähle bleiben laut ihnen weitgehend aus. Nach Zahlen des EHI Retail Institute mit Sitz in Köln hat sich die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte mit stationären Self-Checkout-Systemen (sogenannte SB-Kassen) in Deutschland innerhalb der vergangenen zwei Jahre um 143 Prozent erhöht. Vorreiter ist der Lebensmittelhandel, auf ihn entfallen rund 60 Prozent der Geschäfte mit SB-Systemen, gefolgt von Drogerie- und Baumärkten sowie dem Textilhandel.
„Mehr Zeit für persönliche Beratung“
Auch im Baumarkt gehört das Selbst-Scannen inzwischen zum Einkaufsalltag – etwa bei der Kette OBI. Durch den Einsatz von SB-Kassen verbessere man „das Einkaufserlebnis“ der Kunden und Kundinnen. „Unsere Mitarbeitenden haben dadurch mehr Zeit für persönliche Beratung“, teilt das Unternehmen mit. In Deutschland sind inzwischen 98 Prozent der OBI-Märkte mit Self-Checkout-Systemen ausgestattet. In den sechs Kölner Filialen stehen derzeit jeweils zwei bis fünf SB-Kassen – rund 40 Prozent aller Kassenplätze. Ein weiterer Ausbau sei derzeit nicht geplant. Dank Warensicherung und Kamerasystemen sei kein Anstieg von Diebstählen zu verzeichnen, betont das Unternehmen.
Der Sportartikelhändler Decathlon nutzt die RDID-Technologie. RFID steht für „Radio Frequency Identification“, also Funkerkennung. Dabei werden kleine Chips an Produkte angebracht, die über Radiowellen berührungslos ausgelesen werden können. Die Technik ermöglicht, dass mehrere Artikel gleichzeitig erkannt werden, ohne sie einzeln über den Scanner zu ziehen.
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Wir können für unsere Kölner Filialen keinen Anstieg von Diebstählen im Zusammenhang mit der Einführung unserer Selbstbedienungskassen feststellen.
In den beiden Kölner Decathlon-Filialen legen die Kunden die Produkte in ein Wanne, die dann sofort als Ganzes erkannt werden. „Auch wenn es SB-Kassen sind, ist in diesem Bereich immer Personal von uns anwesend, das bei Fragen unterstützt“´, betont das Unternehmen, das ebenfalls die RFID-Technik als sicher erachtet. „Wir können für unsere Kölner Filialen keinen Anstieg von Diebstählen im Zusammenhang mit der Einführung unserer Selbstbedienungskassen feststellen“, so ein Sprecher.
Auch die Drogeriekette dm setzt auf Selbstbedienungskassen – aktuell in 24 Kölner Filialen. „Das Kundenfeedback ist sehr positiv“, sagt Gebietsverantwortliche Heidi Ley-Beck. „Insbesondere bei kleineren Einkäufen oder starkem Kundenaufkommen ermöglichen die Kassen eine schnellere Bezahlung.“ Gleichzeitig betont sie: „Die klassische Bedienkasse hat weiterhin ihre Berechtigung. Viele Kundinnen und Kunden schätzen den persönlichen Kontakt.“ Zu möglichen Diebstählen äußert sich das Unternehmen zurückhaltend: Zwar beobachte man – wie im gesamten Einzelhandel – eine allgemeine Zunahme von Ladendiebstählen, sehe die Ursachen aber nicht speziell im Zusammenhang mit SB-Kassen. Man wolle das Konzept weiter ausbauen, „wo es für Kundinnen und Kunden sinnvoll ist“, so Ley-Beck.
Die Kölner REWE-Gruppe, die ihre ersten Self-Checkout-Kassen bereits 2013 getestet hat, meldet eine stetig wachsende Akzeptanz. Bundesweit bieten inzwischen mehr als 1.830 REWE-Märkte Selbstbedienungssysteme an. „Es gibt Märkte, in denen mehr als drei Viertel der Kundinnen und Kunden selbst auschecken“, heißt es von REWE. Besonders in den Stadtfilialen sei die Nachfrage groß. Einen signifikanten Einfluss auf die Diebstahlquote könne man nicht erkennen. Zur Prävention setzt auch REWE auf Videoüberwachung, das Scannes des Kassenbons am Ausgang und sogenannte Checkout-Manager, die Kundinnen und Kunden bei Bedarf unterstützen.
Ziel ist es, den Kundinnen und Kunden auf gleicher Fläche mehr Bezahlmöglichkeiten zu bieten und Wartezeiten zu verkürzen.
Bei EDEKA Rhein-Ruhr entscheiden die selbstständigen Kaufleute selbst, ob sie Express- oder Selbstbedienungskassen anbieten. Auch im Raum Köln haben einige Märkte solche Zonen eingeführt. „Wir sehen generell einen Trend zum weiteren Ausbau dieses Angebots“, heißt es aus der Regionalgesellschaft. Auch Lidl baut den Bereich konsequent aus, heißt es auf Nachfrage. Die SB-Kassen wurden bei dem Discounter 2023 deutschlandweit eingeführt. Bis Frühjahr 2026 soll jede zweite der rund 3250 Filialen bundesweit über solche Terminals verfügen. „Ziel ist es, den Kundinnen und Kunden auf gleicher Fläche mehr Bezahlmöglichkeiten zu bieten und Wartezeiten zu verkürzen“, so ein Unternehmenssprecher. Neben bewährten Sicherheitsmaßnahmen wie intelligenten Warenkorbkontrollen und Ausgangsschranken sollen auch künftig Bedienkassen erhalten bleiben.
Während einige Kundinnen und Kunden die Schnelligkeit und Flexibilität schätzen, bleibt anderen der persönliche Kontakt wichtiger. Alle Händler setzen auf Mischsysteme: Wer möchte, scannt selbst, wer lieber ans Kassenband geht, kann das weiterhin tun.
