Wie Hochwasserschutz in Köln funktioniert, zeigen die Stadtentwässerungs-Betriebe in der Kölner Altstadt. Das Hochwasserschutzkonzept, das nach den extremen Überflutungen 1993 und 1995 vom Rat beschlossen wurde, besteht seit 30 Jahren. Geprobt werden für den Ernstfall muss jedes Jahr aufs Neue.
Schutz vor Überflutung der Kölner AltstadtÜbung gegen die Hochwasser-Demenz - Steb testen für den Ernstfall

Eine Großübung fand am Sonntag im Rheingarten statt.
Copyright: Meike Böschemeyer
An Heiligabend 1993 können sich viele Kölner noch gut erinnern. Bei den meisten fiel Weihnachten damals ins Wasser. Das erste sogenannte Jahrhunderthochwasser bescherte eine überflutete Altstadt. Aber auch in anderen Stadtteilen unterstützten sich Nachbarn beim Trockenlegen überschwemmter Keller, statt unter dem Weihnachtsbaum Geschenke auszupacken. Mit 10,63 Metern Kölner Pegel wurde an diesem Abend der höchste Wasserstand seit 1926 gemessen.
Nur ein gutes Jahr später, am 30. Januar 1995, sorgten flächendeckender Regen und starkes Tauwetter für eine zweite Jahrhundertflut. Der Kölner Pegel erreichte mit 10,69 Metern den Höchststand des 20. Jahrhunderts. Vieles, was gerade erst mühsam repariert worden war, wurde erneut zerstört. Durch bessere Schutzmaßnahmen waren die Schäden zwar schon nur halb so hoch wie 1993, doch nun war endgültig klar, dass ein umfassendes Konzept erarbeitet werden musste.
Minister Krischer würdigte Pionierarbeit
Deswegen beschloss der Rat der Stadt Köln einstimmig am 1. Februar 1996 das Hochwasserschutzkonzept (HSK) als kommunalen Aktionsplan. Dies jährte sich am gestrigen Sonntag zum 30. Mal. Die Stadtentwässerungsbetriebe (Steb) nahmen das zum Anlass für einen Hochwasserschutz-Tag in der Kölner Altstadt. Der nordrhein-westfälische Umweltminister Oliver Krischer und Kölns Umweltdezernent William Wolfgramm ließen sich unter anderem von Steb-Vorständin Ulrike Franzke die Bedeutung des Hochwasserschutzes für Köln und NRW erläutern. „30 Jahre Hochwasserschutzkonzept bedeuten 30 Jahre Verantwortung, Weitsicht und konkrete Sicherheit für Köln“, sagte Franzke. Krischer lobte die Kölner Erfolgsgeschichte: „Köln hat beim Hochwasserschutz Pionierarbeit geleistet.“ Und Wolfgramm betonte, das HSK stehe „für einen echten Paradigmenwechsel: weg vom Improvisieren, hin zu Vorsorge und langfristiger Sicherheit für eine wachsende Stadt am Rhein“.
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Gut 100 Interessierte ließen sich bei Führungen durch die Altstadt Einblicke in die technischen Schutzmaßnahmen entlang des Rheins und die Abläufe im Hochwasserfall geben. An manchen Häusern erinnern heute noch abgeblätterte Farbe und Plaketten an die einstigen Wasserstände. Weitere Informationen, Spiele und eine warme Suppe gab es an den Info-Ständen von Steb, THW, DLRG und HKC (Hochwasser-Kompetenz-Centrum).

Legten bei der Übung Hand an: Steb-Vorständin Ulrike Franzke und NRW-Umweltminister Oliver Krischer.
Copyright: Meike Böschemeyer
Parallel zur Bürgerveranstaltung fand die jährliche Hochwasserübung statt. Das HSK kombiniert den vorsorgenden Hochwasserschutz mit dem Ausbau technischer Schutzanlagen. So wurden nach 1996 rund 28 Kilometer neue Mauern gebaut. Heute umfasst der Schutz rund 70 Kilometer Rheinuferlänge. Als wichtiger Bestandteil gelten dabei fast elf Kilometer mobile Wände. Diese wurden zum Teil gestern aufgebaut. Jede Schutzwand besteht aus zwei Stützen, in die die Dammbalken mit Dichtungen eingesetzt werden. Spannschlitten ziehen es am Ende fest.
Denn ein Rhein-Hochwasser kann jederzeit wieder passieren. Damit im Ernstfall jeder weiß, was zu tun ist, führen die Steb mindestens einmal im Jahr eine gemeinsame Übung mit den städtischen Ämtern, stadtnahen Betrieben und anderen Organisationen durch, rotierend an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet.
Rund 120 Einsatzkräfte von 18 Firmen beteiligt
Für den Bereich in der Altstadt befindet sich das Materiallager unter der Deutzer Brücke. Neben den 123 Stützen und 1603 Dammbalken wurde gestern auch der Notausstieg des Rheinufertunnels sowie ein Rettungssteg aufgebaut. „Es gibt nämlich einen kurzen Moment, wenn zwar schon der Rheingarten überflutet, der Tunnel aber noch in Betrieb ist“, erklärte Ulf Schulze-Hennings, Steb-Geschäftsbereichsleiter Infrastrukturbewirtschaftung Netze. Und für diesen Moment gebe es im Falle eines Unfalls im Tunnel den Notausstieg. Kollege Patrick Kluding, stellvertretender Leiter Operativer Hochwasserschutz, war mit der Übung sehr zufrieden. Mit gut drei Stunden lief diese sogar schneller als maximal geplant. Das sei aber auch so gedacht, denn während gestern alle Helfer ausgeschlafen und vorbereitet antraten, wären im Ernstfall Dunkelheit, Müdigkeit oder Regen mit einzuplanen.
Insgesamt waren rund 120 Einsatzkräfte von 18 Firmen beteiligt. Die Übung machte sichtbar, wie komplex, personalintensiv und eingespielt der Hochwasserschutz für Köln ist. Auch Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) ließ es sich nicht nehmen, sich die Übung anzusehen und mit den Arbeitenden zu sprechen. Er hob den „enormen Einsatz“ hervor: „Ich bin dankbar, dass so viele Ehrenamtliche dafür sorgen, dass wir im Ernstfall einsatzbereit sind.“ Und auch Franzke betonte: „Hochwasserschutz funktioniert nur, wenn Abläufe sitzen und das Zusammenspiel aller Beteiligten regelmäßig geübt wird.“ Außerdem sei Hochwasserschutz eine Daueraufgabe. Aufgrund des Klimawandels müssten immer mal wieder Stellen angepasst werden.
Einen absoluten Schutz gebe es nicht, nahm Schulze-Hennings aber auch die Bevölkerung in die Pflicht: „Es gibt eine gewisse Hochwasser-Demenz. Es ist wichtig, dass die Menschen, insbesondere die, die in der Altstadt leben, ausreichend informiert sind.“

Eine der schlimmsten Überschwemmungen der Kölner Stadtgeschichte ereignete sich Ende Januar 1995.
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