Abo

„Studio Ursel“Wie in Nippes Clowns in Schlafanzughosen entstehen

4 min

In ihrer kleinen Küche näht Ursula Machnik ihre Kostüme — und präsentiert sie auch.

Auf ihrem Instagram-Kanal „studio_ursel“ zeigt Ursula Machnik, welche Wirkung selbstgemachte Kostüme haben können.

An dem Mittwoch vor Weiberfastnacht kann Ursel Machnik nicht gut einschlafen. Ein bisschen so wie früher, wenn sie am nächsten Tag Geburtstag hat. „Weil ich weiß, dass ich morgen etwas anziehen kann,  das etwas ganz Besonderes ist, das ich selber gemacht habe und ganz häufig nicht nur mir, sondern auch vielen, die mich sehen, Freude schenkt“, sagt die 28-Jährige. „Und das finde ich am Karneval und schönen Kostümen so schön.“

Mehr als 150.000 Mal wurden ihre Karnevalsvideos angeklickt

Ursula Machnik, genannt Ursel, trägt selbstgemachte Karnevalskostüme seit sie denken kann. Geboren und aufgewachsene ist die 28-Jährige in Nippes und dort wohnt sie auch jetzt noch in ihrer ersten eigenen Wohnung. Und hier dreht sie auch die kurzen Videoclips für Instagram, wo sie mittlerweile fast 13.000 Fans hat. Einige ihrer Videos über ihre selbstgemachten Karnevalskostüme wurden mehr als 150.000 Mal angesehen. 

Der Hintergrund ist immer derselbe: der alte Küchenschrank ihrer verstorbenen Oma. Mittweile ist er zum Erkennungsmerkmal geworden. „Das Lustige ist, dass die Leute immer denken, ich wäre so wahnsinnig groß, aber eigentlich ist nur der Schrank super klein“, sagt Machnik, die Anfang 2025 angefangen hat, ihre Kostüme in ihrer Küche zu filmen. „Und das ging irgendwie einfach so ein bisschen durch die Decke.“

Man muss nicht nähen, um ein gutes Kostüm zu machen. Ich schwöre auf doppelseitiges Klebeband.
Ursula Machnik

Eigentlich hat Ursula Machnik Grundschullehramt studiert, ins Referendariat will sie jedoch nicht. „Das ganze System ist mir einfach viel zu eng und unkreativ und unfrei“, so die Kölnerin. Dann kam die Corona-Pandemie. „Ich habe gedacht: Nichts ist sicher. Dann kann ich ja machen, was ich will.“ Machnik konzentrierte sich aufs Schneidern, das sie im Alter von zwölf Jahren auf einer Nähmaschine zuhause gelernt hat. Mit Workshops und einem kleinen eigenen Modelabel machte sie sich selbstständig. Nebenbei arbeitet sie als Aushilfe beim Schauspiel Köln.

Die Karnevalskostüme, die sie im Internet zeigt, sind meistens selbst genäht, aber auch nicht immer. „Man muss nicht nähen, um ein gutes Kostüm zu machen. Ich schwöre auf doppelseitiges Klebeband“, verrät Ursel Machnik, deren Kanal „studio_ursel“ heißt. Bei ihr gibt es verschiedene Clowns-Kostüme mit bequemen Schlafanzughosen zu sehen, sie selbst als die Freiheitsstatue oder als eine Landebahn vom Flughafen. Basis der Kostüme sind fast immer natürliche Materialien, wie Baumwolle, Leinen, Papier oder Pappmaché. „Acryl oder Polyester verwende ich nie, außer wenn ich gebrauchte Stoffe finde“, sagt die Hobbyschneiderin. Stoffe findet sie auf dem Flohmarkt, zum Beispiel alte Bettbezüge, Tischdecken oder Vorhänge. Auch Second-Hand-Kleidung ist häufig die Grundlage für ihre Kostüm-Ideen. Verkaufen möchte sie die selbstgemachten Kostüme jedoch nicht. „Ich zeige den anderen lieber wie es geht und finde es toll, wenn jemand seinen eigenen Stil findet.“ In einigen Nähworkshops hat Ursel anderen bereits beigebracht, ihre berühmten „Pillow-Pants“ zu nähen - gemütliche Hosen aus zwei 80x80-Kopfkissenbezügen.

Präsentation der Kostüme in kölscher Mundart

„Ich finde es schön, wenn man sieht, dass das Kostüm selbst gemacht ist und wie viel Arbeit man reingesteckt hat“, sagt die 28-Jährige. „Das Ziel ist es nicht, dass das nachher aussieht, als wäre es gekauft.“ Inspiration holt sie sich vom Zirkus, aber auch vom Karneval der 60er Jahre. Im Gegensatz zu anderen Karnevals-Influencern im Internet zeigt sie Kostüme, die eher wenig figurbetont sind und nicht so viel Haut zeigen, sondern vielmehr bequem und praktisch sind. „Dabei möchte ich ganz deutlich machen, dass das meine eigene Vorliebe ist und ich ganz klar dafür stehe, dass jede und jeder tragen können soll, was er oder sie gut findet, ohne Angst zu haben, diskriminiert und sexualisiert zu werden“, sagt Ursel Machnik. Denn gerade an Karneval traue man sich ja manchmal auch freizügiger zu kleiden als im Alltag. „Bei meinen Kostümen steht aber eher das Kostüm und die Idee im Vordergrund als mein Körper oder ich. Sie sollen nicht für einen männlichen Blick gemacht sein, sondern sie sollen lustig oder magisch und wie aus einer anderen Welt sein.“

Bei der Präsentation - vor dem Küchenschrank der Oma - steht aber auch Köln und die Liebe zu ihrer Heimatstadt immer im Vordergrund. So präsentiert Ursel ihre Kostüme immer in kölscher Mundart. Besonders beliebt ist aber eines ihrer Videos, das nichts mit Kostümen zu tun hat, sondern eigentlich nur mit Köln. Darin spricht sie im Off zu ihrer Freundin, während man Bilder aus verschiedenen Veedeln sieht: „Wenigstens wohne ich in Köln. Stell dir mal vor, die ganze Kacke würde mir passieren, und ich wohne woanders.“ Und: „Egal was ist, denk immer dran, wenigstens wohne ich in Köln, es könnte schlimmer sein.“