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Debatte um PreisdumpingTaxi-Ruf fordert Mindestentgelte für Uber und Bolt in Köln

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Taxen am Kölner Hauptbahnhof.

Das Taxi-Gewerbe in Köln steht in einem ungleichen Preiskampf mit Vermittlungsplattformen wie Uber.

Die Genossenschaft Taxi-Ruf Köln ist gegen eine Erhöhung der Taxi-Tarife und fordert Maßnahmen gegen Kampfpreise von Uber und Co. Es müsse ein Mindestbeförderungsentgelt für Mietwagen eingeführt werden.

Taxifahren in Köln soll teurer werden. Auf Antrag eines Taxi-Anbieters – nach Rundschau-Informationen handelt es sich um Taxi17 – hat die Stadtverwaltung dem Stadtrat eine zweistufige Erhöhung der Taxi-Tarife vorgeschlagen. Demnach soll der Kilometerpreis für die ersten sieben Kilometer zum 1. Juni 2026 von derzeit 2,60 Euro um 30 Cent auf 2,90 Euro steigen. Das entspricht einer Erhöhung um 11,5 Prozent.

Der Kilometerpreis ab dem achten Kilometer bleibt unverändert bei 2,20 Euro, die Grundgebühr unverändert bei 4,90 Euro. Die Wartezeit verteuert sich von 50 Cent auf 60 Cent pro Minute. Der Zuschlag für Großraumtaxen steigt von 6,00 auf 7,00 Euro.

Zudem soll sich ab 1. März 2027 die Grundgebühr von 4,90 auf 5,00 Euro erhöhen und der Kilometerpreis für die ersten sieben Kilometer von 2,90 auf 3,00 Euro steigen.

Taxi-Ruf Köln ist gegen Erhöhung der Taxi-Tarife in Köln

Taxen sind – anders als Mietwagen – stets Teil des öffentlichen Personenahverkehrs (ÖPNV) und haben innerhalb der sogenannten Pflichtfahrgebiete eine Beförderungspflicht. Der Kölner Taxi-Tarif legt als Rechtsverordnung verbindlich fest, welche Beförderungsentgelte in Köln gelten. Darunter fallen Grundpreis, Kilometerpreise und Entgelte für Wartezeiten. Daraus ergeben sich die Gesamtkosten einer Taxifahrt im Stadtgebiet.

Die Taxi-Genossenschaft „Taxi-Ruf Köln“, die nach eigenen Angaben rund 90 Prozent des Kölner Taxi-Gewerbes vertritt, ist gegen die Erhöhung der Tarife. „Bei einer Befragung haben sich 83 Prozent unserer Mitglieder dagegen ausgesprochen“, sagte Aleksandar Dragicevic, Vorstandsvorsitzender des Taxi-Rufs, der Rundschau. Er argumentiert: Eine Erhöhung des Taxi-Tarifs werde nur Vermittlungsplattformen wie Uber und Bolt nützen, weil der Preisunterschied dann noch größer würde.

Die Plattformen würden mit ihren Niedrigpreisen das Kölner Taxi-Gewerbe kaputtmachen. Wegen der Billig-Konkurrenz würden die Taxi-Unternehmen unter schlechter Auslastung leiden. „Das Preisdumping der Plattformen hat nur den Zweck, die Konkurrenz auszuschalten. Sollte das gelingen, werden die Preise danach massiv steigen“, ist Dragicevic überzeugt. Er fordert, Köln müsse dringend ein Mindestbeförderungsentgelt für Mietwagen einführen, wie es zum Beispiel in Essen seit dem 1. Januar 2026 gilt. „Sonst ist das Taxi-Gewerbe in Köln irgendwann tot. Und das wäre schlecht für die Verbraucher.“

Stadt Köln will Mindestentgelt für Mietwagen einführen

Taxi-Unternehmen hätten am Markt „keine Chance“, so lange Uber und Co. den Taxi-Tarif um 40 bis 50 Prozent unterbieten dürften, so Dragicevic. Die Stadt Köln erklärte am Freitag, sie plane, eine Allgemeinverfügung zur Einführung eines Mindestbeförderungsentgelts für Mietwagen zu erlassen. Dem Vernehmen könnte dies schon bald erfolgen. Der Stadtrat entscheidet am 19. März über den höheren Taxi-Tarif. Im Oktober 2024 hatte der Rat zuletzt eine Erhöhung abgelehnt, aber Festpreise und einen Tarifkorridor eingeführt, der bei Vorbestellungen Abweichungen vom regulären Beförderungsentgelt nach unten oder nach oben ermöglicht.

Wie aus mehreren Fraktionen zu hören war, soll es im Rat vermutlich nur dann grünes Licht für höhere Taxi-Tarife geben, wenn auch ein Mindestbeförderungsentgelt für Mietwagen eingeführt wird.

Vermittlungsplattformen weisen Kritik zurück

Der Bundesverband „wirfahren“, der nach eigenen Angaben die Interessen von plattformvermittelten Mietwagen- und Taxiunternehmen sowie deren Fahrerinnen und Fahrern in Deutschland vertritt, wies den Vorwurf des Preisdumpings zurück. Sprecher Max Zombek erklärte, das Mietwagengeschäft in Deutschland sei „wirtschaftlich tragfähig – vor allem aufgrund hoher Auslastung, effizienter digitaler Vermittlung und dynamischer Preise. Diese ermöglichen günstigere Fahrten bei niedriger Nachfrage, während Preise zu Spitzenzeiten auch über dem Taxitarif liegen können.“ Die Taxibranche sei mit strukturellen Problemen konfrontiert, „die nicht auf den Wettbewerb mit Mietwagen zurückzuführen sind“. Gegenüber Mindestpreisen bestünden erhebliche rechtliche Bedenken. 

Die Mobilitätsplattform Uber verwies auf eine in ihrem Auftrag erstellte Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Civey, wonach die Einführung von Mindestpreisen für Mietwagen ihr erklärtes Ziel, die Taxibranche zu stärken, verfehlen würde. Demnach würden lediglich ein Prozent der Befragten häufiger Taxi fahren, wenn die Preise für Mobilitätsservice-Apps um 50 Prozent steigen würden. Rund 35 Prozent hätten angegeben, dann wieder häufiger mit dem eigenen Auto fahren zu wollen. Befragt habe man 2000 Menschen in sieben deutschen Großstädten, darunter Köln.