Verspätungen bei der KVBWas Verbesserung bringen könnte

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Die Stadtbahnen leisten zurzeit nicht, was sie leisten sollten.

Die Stadtbahnen leisten zurzeit nicht, was sie leisten sollten.

Seit über einem Jahr können die KVB den eigentlichen Fahrplan nicht mehr erfüllen. Es gäbe ein Mittel zumindest für Verbesserungen. Doch darüber  ist ein Tauziehen im Gange. 

Immer noch fahren die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) nach einem eingekürzten Fahrplan. Und immer noch kommt es zu Verspätungen und Ausfällen. Das geht jetzt so seit über einem Jahr. Ganz zu schweigen von den Missständen vor der Fahrplanausdünnung. Doch könnte es vielleicht ganz einfach sein, endlich Besserung herbeizuführen? Vielleicht nicht gleich wieder der eigentliche Fahrplan, aber wenigstens ein besseres und verlässlicheres Angebot als jetzt. Nach Informationen der Rundschau gibt es im Vorstand der KVB ein Tauziehen um die Wiedereinführung einer Maßnahme, die der Betrieb schon mal angewandt, aber ganz leise wieder eingestellt hat: Studentenjobs als Stadtbahnfahrerin und Stadtbahnfahrer.

Früher gang und gäbe

Noch zu Zeiten der Jahrtausendwende gehörte es zum Standard der KVB: Regelmäßig gingen Aufrufe an die Studentenschaft heraus. In einer Blitzausbildung konnten sie sich das Wissen aneignen, das es benötigt, eine Stadtbahn durch Köln zu lenken. Für Studentinnen und Studenten hatte das durchaus seinen Reiz. Die Bezahlung erfolgte nach Tarif, der Job war sicher. Für die KVB war es die Möglichkeit, unter anderem in der Haupturlaubszeit Löcher in der Personaldecke zu stopfen. Doch noch unter dem Vorgänger der jetzigen KVB-Chefin Stefanie Haaks, Jürgen Fenske, wurden die Studentenjobs abgeschafft.

Mit den damaligen Argumenten für die Einstellung des Angebots sind wir an dem Ende des Taus angekommen, an dem die Gegner einer Wiedeinführung der Studentenjobs in der Fahrerkabine ziehen. Ausgebildet wurden die Studentinnen und Studenten „nur“ für Fahrten auf den Linien 1 und 9. Warum? Für diese Linien gibt es so gut wie keine Umleitungsstrecken für den Fall von Störungen. Anders beispielsweise als auf der Linie 18. Die kann bei Bedarf auch über die Ringe geleitet werden. Doch für diesen Fall müssen die Fahrerinnen und Fahrer ausgebildet sein. Dass sie für die Linien 1 und 9 keine Extrarunden auf der Schulbank drehen mussten, hielt die Ausbildung schlank. Nach einem Monat waren sie in der Regel einsatzbereit.

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Sind Studenten unzuverlässig?

Ein weiteres KVB-Spezifikum sprach damals für die Abschaffung der Studenten-Fahrer. Der Betrieb kannte nur Acht-Stunden-Schichten in seinen Dienstplänen, berichtet ein Kenner des Betriebs. Das war für die Studentinnen und Studenten außerhalb der Semesterferien kaum möglich. Acht Stunden Dienst in der Fahrerkabine ließen sich nur schwer mit Vorlesungen im Hörsaal verbinden. Die Spätschichten hingegen sind bei den festangestellten Fahrerinnen und Fahrern beliebt. Für sie gibt es Zuschläge, durch die das schmale Gehalt aufgefüttert werden kann.

Das letzte Argument gegen die Studentenjobs geht ein wenig gegen die Ehre des Studentenstandes. Die Aushilfskräfte seien nicht sehr zuverlässig gewesen, berichtet der Insider. Melde ein Kontrolleur sich eine Stunde vor Dienstantritt unpässlich, sei das kein Beinbruch. Geschieht das beim Fahrer, kippt der Fahrplan. Studierende setzen die KVB heute „nur“ noch bei der Fahrscheinkontrolle ein.

Angesichts dieser Wucht an Argumenten stellt sich die Frage, was kann dem an der anderen Seite des Taus an Kraft entgegengesetzt werden. Dem Vernehmen nach soll auf dieser Seite die Vorstandsvorsitzende Stefanie Haaks stehen. Entgegen der weit verbreiteten Meinung ist es nicht so, dass sie qua ihres Vorsitzes den anderen Vorstandsmitgliedern rundweg vorgesetzt ist. Sie kann nicht anweisen, sie muss Mehrheit herstellen. Die Argumente für die Wiedereinführung der Studentenjobs sind denkbar einfach: Die Rahmenbedingungen müssten den Bedürfnissen angepasst werden. Beispielsweise bei der Schichtlänge. In der jetzigen Lage der KVB wäre es wohl auch schon eine Hilfe, für vier Stunden eine zusätzliche Besetzung in der Fahrerkabine zu haben. Ebenso würde der Ernst der Lage mehr Beweglichkeit bei der Ausbildung rechtfertigen.

Fordert die Politik die Studenten ein?

Vielleicht bekommt die Seite der Befürworter noch aus den Reihen der Politik Verstärkung. Die FDP hatte vor einiger Zeit angefragt, wie viele Ausfälle und Verspätungen es in 2023 bei der KVB trotz des eingekürzten Fahrplans gab. „Nach Darstellung der KVB im Verkehrsausschuss reichen die neu ausgebildeten Fahrerinnen und Fahrer für Stadtbahnen lediglich aus, um die jeweils aktuellen Abgänge auszugleichen, aber noch nicht, um den bestehenden Personalmangel zu bekämpfen. Wann wird die KVB angesichts der gravierenden Personalprobleme ihre Entscheidung im Hinblick auf den Einsatz von Studierenden revidieren und Studierende wieder als Fahrpersonal für Stadtbahnen ausbilden?“, heißt es in der Anfrage der Liberalen. Die Antwort der KVB steht aus.

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