"Mit Vielfalt auf Kurs bringen"Verteidigungsminister Pistorius zur Personalsuche

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Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius spricht in ein Mikrofon, im Hintergrund Angehörige der Kölner Lüttich-Kaserne und ein Karrieretruck der Bundeswehr.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) in Köln in der Lüttich-Kaserne vor einem Karrieretruck der Bundeswehr.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) war in der Kölner Lüttich-Kaserne, beim Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr, zu Besuch.

Personal sei neben der Materialbeschaffung seine höchste Priorität, erklärte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bei seinem Dienstantrittsbesuch in der Kölner Lüttich-Kaserne, wo das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr untergebracht ist. Hier Auszüge aus seinem Gespräch mit Journalisten.

Vor welchen Problemen stehen die Streitkräfte?

Wir brauchen eine effektivere Beschaffung und wir brauchen Personal. Nur mit Männern und Frauen fliegen unsere Flugzeuge und fahren unsere Panzer und Schiffe. Bei der Bundeswehr treffen Sie über tausend Berufsbilder, die Bandbreite ist enorm, und wir wollen weiterhin zu den beliebtesten Arbeitgebern in Deutschland gehören. Doch das große Problem so großer Organisationen: Das gelingt nur wenn man auch zeigen kann, was man bieten kann. Diese Bemühungen wollen wir verstärken. Das Karrieremobil (siehe Kasten) ist ein Ansatz. Es geht um praktische Begreifbarkeit, um in Berührung kommen auch mit denen, die Jobs machen, die man vielleicht machen möchte.

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Bewerbungsprozess „muss besser werden“

Welche dringenden Schritte stehen an?

Da sehe ich vier Punkte. Erstens: Wir müssen im Bewerbungsprozess besser werden. Unsere Bewerbenden müssen schneller und verbindlich Klarheit darüber bekommen, wann und wo sie bei uns anfangen können. Zweitens: Wir brauchen weitere eine vielfältige Truppe, auch um die Bundeswehr weiter auf Kurs für das 21. Jahrhundert zu bringen und eine Truppe zu sein, die Vielfalt lebt und als Gewinn betrachtet. Dritter Punkt: Unsere Werbung. Viertens: Personalbindung. Das Thema Personal hat, neben der Materialbeschaffung, für mich höchste Priorität.

Ist es zu schaffen, wie geplant bis 2031 die Zahl der Soldaten auf 203 000 aufzustocken?

Ich wage keine Prognose, ob wir die Zahl erreichen. Wir tun alles dafür, aber vielleicht müssen wir die Zahl auch mal überprüfen, nach unten wie nach oben.

Ist denn aktuell die Bundeswehr einsatzfähig?

Natürlich, aber sie befindet sich gerade in einem Wandlungsprozess wie alle Streitkräfte, mindestens in Europa. Den bewältigen wir gerade – durch schnellere Beschaffung, dadurch, dass wir unsere Bündnisverpflichtungen erfüllen. Ich habe keinen Zweifel an der Einsatzfähigkeit.

Wie stehen Sie zum Vorschlag der FDP, Ausländern über den Dienst bei der Bundeswehr den Weg zum deutschen Pass zu erleichtern?

Ich würde mal sagen, der Weg könnte der falsche sein. Erst Dienst, dann die deutsche Staatsbürgerschaft, dürfte rechtlich schwierig werden.

Schlechte Ausstattung, Krieg in Europa – würden Sie jungen Menschen, die Ihnen am Herzen liegen, ernsthaft den Schritt in die Bundeswehr empfehlen?

Ja. Weil wir viel besser ausgestattet und ausgebildet sind, als man gemeinhin glaubt. Es gibt kein Land, in dem man über die Defizite der eigenen Streitkräfte so lustvoll diskutiert wie in Deutschland. In anderen Ländern gibt es ähnliche oder größere Probleme, aber da redet man anders darüber. Angesichts des Niveaus der Ausbildung habe ich keinen Zweifel daran, dass ich jedem jungen Mann, jeder jungen Frau dazu raten kann, die Bundeswehr als Arbeitgeber zu wählen.

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