- Immer mehr Bücher über Köln und die Region erscheinen, immer dichter wird der Takt.
- Wer soll das nur alles lesen? Keine Sorge, sagen die großen Verleger.
Köln – Selbst über den Kölner Dom ist noch nicht alles gesagt. Zumindest nicht mit den gleichen Worten und Bildern. „Wie der Dom nach Köln kam“ ist so ein Buch, das einen neuen Blick eröffnet. Es ist vor vier Jahre im Greven-Verlag erschienen, ein großformatiges Bilderbuch, in dem sich auch Erwachsene verlieren können. Ein Buch, das von der menschlichen Hingabe berichtet und der Stadt, die sich rund um ihr Wahrzeichen immer verändert hat, aber oft auch um sich selbst kreist. Das Buch kam gut an, verkaufte sich bestens. Ein Volltreffer.
Jedes Jahr erscheinen Dutzende Bücher über Köln, mit der Region sind es noch viel mehr. Bildbände, Reiseführer, Kinderbücher, Entdeckerbücher und, und, und. Die Regalwände der Buchhandlungen sind gefüllt mit Regio-Literatur, oft stehen sie direkt neben den Bestsellern. Wie findet man die Leerstelle? Wie eine neue Erzählung?

„Wir machen Bücher für normale Menschen.“ Hejo Emons vom Emons-Verlag
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Hejo Emons hat 1984 den ersten Regionalkrimi überhaupt herausgebracht: „Tödlicher Klüngel“ von Christoph Gottwald. Für den 70-Jährigen (er legt Wert darauf, dass „Das Ekel von Datteln“ später erschien) ist das Buch Teil der Gründungsgeschichte seines Verlages. Den Tipp zum Autor hat er in einer Kneipe bekommen. Als er den Text gelesen hat, ist er durch die Stadt gelaufen und hat überprüft, ob etwa ein beschriebenes Klingelschild wirklich abgerissen ist. Sorgfältiges Lektorat. „Wir dachten, wir machen zwei, drei Bücher aus dieser Reihe, und dann war es das.“ Aber es ging immer weiter. Heute sind rund 160 Köln-Krimis erschienen, längst lässt Emons bundesweit meucheln und morden.
Drei Verlage bestimmen den Markt
Es sind vor allem drei Verlage, die den Markt der Köln-Bücher bestimmen. Der junge Emons-Verlag mit den Krimis und den 111-Orte-Führern, die inzwischen Tipps auch für Palm Beach und Mauritius geben. Dann der Bachem-Verlag mit seinen Freizeitführern und Sachbüchern für jüngere Leser und der Greven-Verlag.

„Alles wichtige zu einem Thema und das in höchster Qualität. Das ist unser Anspruch.“ Damian van Melis vom Greven-Verlag
Copyright: Costa Belibasakis
Zur fast 200 Jahre alten Greven-Gruppe gehört ein Medienhaus und ein klassischer Buchverlag, in letzterem erscheinen seit den späten 40er Jahren Bücher über Köln und die Region. Oben im Verlagshaus nahe dem Barbarossaplatz hat man einen tollen Überblick über die Stadt. Man sieht die Kirchen, den Dom sowieso, die Brücken, aber auch die hässlichen Bauten, die hingeschluderte Stadt. Verlagschef Damian van Melis: „Zwischen den Menschen, die Köln fürchterlich finden und denen, die ihr blind verfallen sind, gibt es die, die der Stadt mit kritischem Blick verbunden sind – das sind unsere Leser.“ Kölschseligkeit ist ihm zu billig, Kölnbashing zu destruktiv. Mit seinen Büchern will er helfen, Köln besser zu verstehen. Wie die Stadt im Mittelalter getickt hat oder zur Zeit der Preußen. Warum heute eine Art Autobahn die Innenstadt spaltet. Mit dem nüchternen Blick auf den Alltag der Menschen, mit Bildbänden und Texten, die ein neues Licht werfen.
So wie in den Foto-Bänden zur Stadtgeschichte. Der erste Band („Köln vor dem Krieg“) hat sich 17 000 Mal verkauft, das ist schon mal ein Wort. Die aufwendig gestaltete Reihe gilt als Standardwerk und als eine Dokumentation, die es so in keiner anderen deutschen Stadt gibt. Lieben die Kölner ihre Heimat also tatsächlich mehr? „Das Bewusstsein, mit Stolz auf die eigene Stadt zu schauen, gab es in Köln schon immer“, sagt van Melis. Aber seit 15 Jahren werde der Markt regelrecht „zugeballert“. Da helfe nur: Qualität. „Unsere Bücher liefern einen Kanon“, sagt er. „Alles wichtige zu einem Thema und das in höchster Qualität.“ Das sei der Anspruch, dafür stehe der Verlag. Wer ins Kino gehe, erwarte doch auch etwas Größeres als das, was er daheim bei Netflix bekomme.

„Wir haben auch Spaß an unserer Stadt und der Region. Sonst würde es nicht gehen.“ Claus Bachem vom Bachem Verlag
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Claus Bachem glaubt, dass die Menschen überall gerne auf ihre Heimat schauen, in Köln seien die Publikationen pro Einwohner vielleicht etwas höher. 50 neue Bücher erscheinen jedes Jahr in seinem Verlag, der wenige Meter vom Dom und Hauptbahnhof am Ursulaplatz liegt. Kirchenbücher sind ein Schwerpunkt. Die erste Aufnahme von Gerhard Richter vor seinem Domfenster war zuerst in einem seiner Bücher zu sehen, darauf ist der 52-Jährige stolz. Populär derzeit: die Wissenswelt für junge Leser zwischen 8 und 15 Jahren. In „Köln – wie geht das?“ erklärt er, wie die Züge durch das Nadelöhr Hauptbahnhof kommen und das Gemüse pünktlich in die Supermärkte gelangt. Und er rechnet aus, dass in Köln jeden Tag 300 000 Rollen Klopapier im Abwasser landen. Die Frage: Wie kommt es da wieder raus? Das Buch ist inzwischen Unterrichtsmaterial in den Schulen.
Immer mehr Neuerscheinungen
Dass der Takt der Neuerscheinungen dichter wird, hat mit den Verheißungen des digitalen Buchdrucks zu tun. Jeder kann heute sein eigener Verleger sein. „Aber gefunden wird nur, wer ein starkes Profil hat“, sagt Bachem. Was gut läuft oder wie Blei im Regal liegt, lässt sich nicht immer vorhersagen. Manchmal ist es Glück, manchmal versinken die Bücher im „Aufmerksamkeitsloch“ wie es van Melis ausdrückt. Hejo Emons sagt: „Alles unter 3000 ist Mist.“
Für den aufwendigen Fotoband „Köln. Das Gesicht einer Stadt“, hat Claus Bachem bis zu 100 000 Euro investiert. Die müssen erstmal verdient werden, es hat funktioniert. Hervorstechen mit einem Buch kann nur, wer in den Buchhandlungen oben liegt. „Leuchtende Augen einer Buchhändlerin, eines Händlers, das ist das Schönste, was einem passieren kann“, sagt van Melis.
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„Wir haben selbst Spaß an der Stadt“, sagt Claus Bachem, „sonst würde es nicht gehen.“ Er hält sich zu gute, das regionale Wimmelbuch etabliert zu haben. Beim 1.FC Köln ist er im ersten Anlauf abgeblitzt. Nach dem Gespräch, noch am Geißbockheim, hat er sich vorgenommen: „Dann mache ich es woanders.“ Das Buch des Kölner Verlags erschien dann in Mönchengladbach über die dort beheimate Borussia. Der FC zog nach.
Neben den Kinderbüchern erscheinen im Bachem-Verlag Freizeit- und Wanderführer. Apps und GPS-Geräte gehören heute dazu wie die professionelle Outdoor-Bekleidung. „Das nehmen wir auf und integrieren es“, sagt Bachem. „Aber wir werden nie das Print-Geschäft verlassen.“ Niemand blättere gerne in einem Newsletter.
3 Tipps zum Lesen:
Claudia Welkisch: Unterwegs mit deinen Lieblingsmenschen, Emons, 240 Seiten.
Reinhard Matz, Wolfgang Vollmer: Köln von Anfang an, Leben, Kultur, Stadt bis 1880. Greven-Verlag. 392 Seiten
Köln. Wie geht das? Bachems Wissenswelt, 112 Seiten.

