Olga Fröhlich von der Kölner Verbraucherberatung im Quartier unterstützt mit ihrem Team Menschen in strukturell schwächeren Viertel
Verbraucherberater berichtenWie Kölner mit steigenden Kosten kämpfen

Der Wocheneinkauf wird für viele Familien immer teurer.
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Wenn Menschen bei Olga Fröhlich und ihrem Team anrufen, dann geht es um viele Themen. Immer häufiger geht es in diesen Tagen um Strom. Oder besser gesagt: um Strom, der im schlimmsten Fall nicht mehr fließt. „Wir haben aktuell sehr viele Menschen, die ihre Stromkosten nicht mehr bezahlen können und Stromsperrandrohungen bekommen“, sagt Fröhlich. Bei der Verbraucherzentrale NRW ist sie Teamleiterin für Verbraucherberatung in den strukturell schwächeren Stadtteilen Chorweiler, Blumenberg, Seeberg, Höhenberg, Vingst, Kalk und Humboldt-Gremberg. Wenn Kölnerinnen und Kölner dort verbraucherrechtliche Fragen haben, können sie die kostenlosen Sprechstunden der Verbraucherzentrale nutzen.
Der Versorger kann Strom schneller abdrehen, als viele das vermuten. Schon wenn zwei Abschläge nicht bezahlt werden oder die ausstehende Summe 100 Euro übersteigt, kann es dazu kommen. Viele Lösungsmöglichkeiten gibt es dabei nicht. Bei den Androhungen sind Ratenzahlungsvereinbarungen noch eine Option. „Wenn der Strom erst einmal gesperrt ist, hilft nur Zahlen – und zwar die komplette Summe. Das stellt für viele ein erhebliches Problem dar“, sagt Fröhlich. Bundesweit gab es 2025 laut Bundesnetzagentur über 250.000 Stromsperrungen, 3,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Sperrungen bei Gaskunden sank dagegen leicht auf rund 34.000 Fälle.
Die finanziellen Sorgen der Menschen, die Olga Fröhlich und ihr Tram erreichen, sind vielfältig. Ebenfalls deutlich mehr als sonst beschäftigen die Berater aktuell Menschen mit geplatzten Mobilfunkverträgen. Wenn diese nicht mehr bezahlt werden können, kündigt das Unternehmen oft auch langfristig laufende Verträge und fordert dann vehement hohen Schadensersatz. „Das bringt die Leute umso mehr in Schwierigkeiten“, sagt Fröhlich.

Immer häufiger melden sich Menschen bei der Verbraucherberatung, wenn eine Stromsperrung droht.
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Lebensmittelpreise steigen
Neben den großen monatlichen Ausgaben steigen an vielen Stellen aber auch die täglichen Lebenshaltungskosten. Dass der Einkauf insgesamt teurer geworden ist, lässt sich längst nicht mehr nur gefühlt belegen. Laut Verbraucherzentrale kosten Lebensmittel heute im Durchschnitt etwa 30 Prozent mehr als 2021. Als Gründe nennt sie unter anderem gestiegene Energie-, Dünge- und Futtermittelkosten, Arbeitskräftemangel, Klimafolgen sowie versteckte Preiserhöhungen durch geringere Füllmengen oder veränderte Rezepturen.
Auch die allgemeine Inflation hält den Preisdruck hoch. Im Juli 2026 lagen die Verbraucherpreise in Deutschland laut Statistischem Bundesamt 2,8 Prozent über dem Vorjahresmonat, die Energiepreise sogar 8,3 Prozent. Für Menschen mit wenig Einkommen fällt die Belastung häufig stärker aus, weil sie einen größeren Teil ihres Geldes für notwendige Ausgaben verwenden müssen.
Spritpreise stark gestiegen
Für viele, die auf das Auto angewiesen sind, stellen vor allem Spritpreise eine immer höhere Belastung dar. 2,19 Euro kostete der Liter Super in der zurückliegenden Woche im bundesweiten Durchschnitt laut Statistischem Bundesamt. Vor dem Beginn des Iran-Kriegs im Frühjahr lag der Preis noch bei durchschnittlich rund 1,80 Euro.
Die Gefahr von Fake-Shops
Weil auch in anderen Lebensbereichen Preise steigen, gehen Menschen oft online auf die Suche nach günstigeren Alternativen. Und stoßen laut der Kölner Beratungsstelle immer häufiger auf Fake-Shops. Kunden bezahlen dort für ein Produkt, das aber nie geliefert wird. „Solche Shops mit vermeintlichen Angeboten gibt es in vielen Bereichen – von Schuhen, über Geschirr bis zu Kinder-Spielzeug“, sagt Fröhlich.
Doch selbst wenn die Online-Shops real sind, lauern bei Käufen im Internet Gefahren. Dazu zählen sogenannte „Buy now, pay later„-Systeme, bei denen Rechnungen scheinbar folgenlos verschoben werden können. „Da verlieren viele schnell den Überblick über ihre Rechnungen.“
Einen Überblick verschaffen
Bei der Verbraucherberatung im Quartier geht es oft darum, einen grundlegenden Überblick über die eigenen Kosten zu bekommen. Was sind die monatlichen Fixkosten, etwa für Miete, Strom, Internet oder das Auto? Welche Rechnungen kommen in unregelmäßigen Abständen dazu? Wann steht eine mögliche Nebenkosten-Nachzahlung an? Und was bleibt, wenn alle diese Kosten vom Konto abgehen, noch übrig? „Dann geht es darum, Prioritäten zu setzen und zu schauen: Was brauche ich wirklich und auf was kann ich verzichten?“ Ganz oben auf der Prioritätenliste stehen laut Verbraucherzentrale Miete, Strom, Medikamente und Lebensmittel. An anderen Stellen muss dann verzichtet werden, auch wenn es schwerfällt.
Wöchentliche Sprechstunden
Die Verbraucherberatung im Quartier bietet wöchentliche Sprechstunden direkt vor Ort in den Sozialräumen an. Möglich gemacht durch Mittel von Stadt und Land sollen die möglichst niederschwelligen Angebote Menschen erreichen, die aus verschiedenen Gründen die Beratungsstelle in der Altstadt nicht aufsuchen.
Neben den Sprechstunden veranstaltet das Team in den Quartieren immer wieder auch größere Aktionen. Zuletzt ging es dabei ums Thema Lebensmittelverschwendung und die Verwertung von Lebensmittelresten. „Das interessiert viele Menschen“, sagt Fröhlich. „Nicht nur aus ideologischen Gründen, sondern weil sie es sich einfach nicht leisten können, Lebensmittel zu verschwenden.“ Auch für Kinder gibt es Aktionen. „Verbraucherwissen kann man nicht früh genug erwerben.“
