"E Levve för Kölle": Divertissementchen gratuliert frech und furios zum 150. Geburtstag Konrad Adenauers .
E Levve för KölleKonrad Adenauer bekommt im Divertissementchen ein Himmelszimmer für immer

Divertissementchen "E Levve för Kölle“ - Gastspiel der Cäcilia Wolkenburg 2026 zum 150. Geburtstag von Konrad Adenauer.
Copyright: Thomas Brill
Was für ein Desaster: Konrad Adenauer (Jürgen Nimptsch) feiert im Himmel seinen 150. Geburtstag und eigentlich könnte alles so schön sein: Umsorgt von seinen Assistenz-Engeln Jona (Simon Wendring) und Luca (Manuel Anastasi) sowie Büroleiterin Anneliese Poppinga (Wolfgang Semrau) geht es dem „Alten“ richtig gut. Rege nimmt er von oben an der Kölner Kommunalpolitik teil und entwickelt gerade eine Software mit dem Namen „WibOf“ – „Wie baue ich ein Opernhaus fertig“. Dabei braucht er keine KI (Künstliche Intelligenz), denn er hat ja KA (Konrad Adenauer).
Glück auf Zeit?
Aber es ist offenbar ein Glück auf Zeit. Denn auf das himmlische Kanzlerzimmer hat sein Nachfolger als Bundeskanzler Ludwig Erhard (Stefan Bröcher) nun Anspruch. Conny soll Platz machen. Aber dalli. Ein Desaster also ganz nach dem Geschmack der kreativen Köpfe des Divertissementchens, unter denen Jürgen Nimptsch (Bonns ehemaliger OB) in der Hauptrolle auch als Librettist ganz tief in den Akten und Geschichtsbüchern geschürft hat. Der Plan: Adenauers Verdienste für die Domstadt werden aufgelistet, das soll den Herrgott bei der himmlischen Zimmervergabe gnädig stimmen, dass Conny bleiben darf.
„E Levve för Kölle“ heißt der Straßenfeger mit 30 Opernvorstellungen, der am Samstag Vorpremiere feierte und das Publikum im proppenvollen Staatenhaus hinschmelzen lies. Wer böte sich unter den Gratulanten schließlich auch besser an, als die Bühnengemeinschaft Cäcilia Wolkenburg im Kölner Männer-Gesang-Verein? Adenauer war Ehrenmitglied. So tiefenentspannt er auf seiner himmlischen Wolke wirken mag, greift er gerne selbst zur E-Gitarre. Wild ist das Potpourri aus Abba, Walzermusik oder der Titelmelodie für das „Aktuelle Sportstudio“.
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Zusammenarbeit mit Kommunisten
Letztere passt perfekt zum Tennisclub Pudelnass, in dem der junge Adenauer (Dirk Pütz) mit seiner ersten Frau Emma (Christopher Wallraff) anbandelt. Die Bergischen Symphoniker, Chor und Westwood Slickers begleiten Conny kongenial. Männerballett vom Feinsten ist das – gekürt mit Kostümideen, auf die man erst mal kommen muss. Da springt der grüne Tennisball, der samt Tanzmamsell wie ein ausgeflippter Hotdog wirkt.
Die drei Kinder, die Conny mit Emma hat, sind natürlich auch unter den Himmelsgratulanten, verraten, dass der Papp, der für die Demokratie lebte, zu Hause ganz schön streng sein konnte. Musste er als 40-jähriger Witwer mitten im Ersten Weltkrieg wahrscheinlich auch. Auch die vier Pänz aus der Ehe mit Gussi sind da.
Als Kölner Beigeordneter hatte Adenauer Großprojekte angestoßen, die in vielem dem entsprachen, was er nach dem Krieg als Oberbürgermeister weiterführte: Gründung der Messe, Schaffung des Grüngürtels, Bau der Sportanlagen Müngersdorf. Ein Running Gag – der Streit um die Mülheimer Brücke, für die der Zentrums- und spätere CDU-Politiker sogar mit den Kommunisten zusammenarbeitete.
Lokalpatriotismus
Tatsächlich stimmten diese 1927 bei den Stadtverordneten wie auch die Mieterpartei mit dem Zentrum für die Hängebrücke, deren Seile von der Firma Felten & Guilleaume ausgeführt wurden. Das sicherte Arbeitsplätze. Man kippte so die Bogenbrücke, bei der die Firma Krupp am Zug gewesen wäre.
Lokalpatriotismus? Klar spielt der auch mit. Aber alles hält sich gut die Waage. Das alte Schlitzohr in seinen Lebensweisheiten muss man einfach mögen: „Ärger ist die Buße über die Fehler der anderen.“ Und natürlich kommt der Klüngel nicht zu kurz: „Die einen kennen mich, die anderen können mich“. Der Plot ist zuverlässig wie ein Ford -A- Modell, das zum Ende auf die Bühne rollt. Unter den Gratulanten sind Queen Elizabeth II (Peter Wallraff), Nikita Chruschtschow (Knut-Ivar Østlyngen), Norbert Burger (Walter Körner), Marilyn Monroe (Sven Patschkowski), Willy Brandt (Harald Butscheid) und Charles de Gaulle (Stefan F. Robert), mit dem Conny „Europa ist uns eine Zier“ singt.
Zwei und Dreiviertelstunde, bis 17. Februar. Alle Aufführungen ausverkauft.
