Wann, wo, wie?Große Fragezeichen bei den Schnelltests in der Region
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Ruckzuck vergriffen waren die ersten Selbsttests, die mehrere Discounter am Wochenende angeboten hatten. Die Versorgungslage soll sich jetzt rapide bessern, sagt die Landesregierung.
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Düsseldorf – Das seit dieser Woche geltende Angebot für jeden Bürger zum kostenlosen Corona-Schnelltest ist in Nordrhein-Westfalen mit erheblichen Startschwierigkeiten angelaufen. Auch der Krisenstab der Stadt Köln konnte den Menschen am Montag noch keine kostenlosen Schnelltests anbieten. Frühestens bei der nächsten Sitzung am Mittwoch sei mit Ergebnissen zu rechnen, so die Stadt. Denn unklar ist nach wie vor, wo es die Schnelltests geben wird. Nur in Apotheken oder bei Ärzten oder auch in den großen Testzentren am Hauptbahnhof und am Flughafen.
Laut Monika Baaken, Sprecherin des Hausärzteverbandes Nordrhein, kritisieren viele Mediziner, dass es derzeit einfach nicht genügend Schelltests gebe und dass bei der Abrechnung noch viele Fragen offen seien. „Schließlich ist es für die Hausärzte schwierig, sich gleichzeitig ums Testen und ums Impfen zu kümmern. Die Impfungen haben aus unserer Sicht Priorität“, erklärte Baaken gegenüber unserer Redaktion.
Auch die Vorsitzende des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe, Anke Richter-Scheer, reagierte skeptisch: „Inwieweit die bereitgestellten Tests der zu erwartenden hohen Nachfrage nach regelmäßigen kostenlosen Schnelltests genügen, wird sich in den nächsten Tagen und Wochen zeigen.“
Laut einer neuen Testverordnung des Bundesgesundheitsministeriums soll jeder Bürger ab sofort einmal pro Woche kostenlos beim Arzt, in Apotheken oder Testzentren einen Abstrich machen lassen können. Der Nachweis über das Testergebnis ist zurzeit noch nur für den maskenfreien Besuch beim Kosmetiker notwendig, soll aber im Laufe des Monats bei immer mehr Öffnungen eine Rolle spielen.
Schnelltest-Möglichkeiten in der Region
Oberbergischer Kreis
Bisher wollen nur wenige Apotheken im Landkreis kostenlose Schnelltests anbieten. Probleme gebe es vor allem noch bei Organisation: Die Apotheken antworteten auf Nachfrage, dass sie gern das Online-Anmeldesystem Ecocare auch für die Gratistests nutzen würden. Die offizielle Beauftragung durch den Kreis fehle jedoch noch.
Rhein-Erft-Kreis
Bis Montag, 15. März, gilt zunächst eine Übergangslösung: Ärzte, Zahnärzte, ärztliche oder zahnärztliche Einrichtungen, medizinische Labore, Apotheken, Rettungs- oder Hilfsorganisationen dürfen Bürger kostenlos testen. Laut der Sprecherin des Apothekerverbands im Kreis fehle es aber noch an der ausreichenden Zahl an Test-Sets.
Rhein-Sieg-Kreis
Ärzte und Labore, die vor dem 8. März bereits Tests durchgeführt haben, werden damit auch weiterhin beauftragt. Diese Regel gilt nach derzeitigem Stand bis zum 15. März. Weitere Möglichkeiten für eine flächendeckende Schnelltestung im Landkreis werden zurzeit noch geprüft, so ein Sprecher des Kreises.
Essens Oberbürgermeister und Städtetag-Vize Thomas Kufen (CDU) kritisierte den geringen Vorlauf: „Die Städte und ihre Partner stellen mit hohem Engagement hier wieder einmal etwas kurzfristig auf die Beine, obwohl nötige Informationen und Verordnungen von Bund und Land zum Teil erst zum Start am Montag vorlagen.“
Unklar ist weiterhin, wann und wo die von der Landesregierung angekündigten Corona-Massentests der NRW-Schüler stattfinden sollen. „Bund und Länder sollten sich vor ihren Beschlüssen klar sein, welche Hoffnungen sie bei den Menschen wecken. Sonst werden wieder Erwartungen enttäuscht, weil der rechtlich-organisatorische Rahmen auf sich warten lässt“, monierte Kufen.
Vielfach die Hände gebunden
Wegen vieler noch offener Fragen boten zum Start am Montag nur wenige Apotheken in NRW schon kostenlose Corona-Schnelltests für alle Bürger an. „In den allermeisten Fällen sind den Apotheken die Hände gebunden, weil sie noch auf die erforderliche Beauftragung durch die Kommunen warten“, sagte der Vorsitzende des Apothekerverbands Nordrhein, Thomas Preis. Offen blieb zunächst etwa noch, wie sichergestellt wird, dass tatsächlich nur maximal ein kostenloser Test pro Woche und Bürger in Anspruch genommen wird. Verbandschef Preis zufolge bedeutet jeder Schnelltest für die Apotheker derzeit einen Kostenaufwand von rund 35 Euro. Die vom Bund bisher genannten sechs Euro für den Test plus zwölf Euro für die Durchführung und die anschließende Ausstellung eines Testzeugnisses seien zu wenig. (mit dpa)