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Immer mehr Corona-FälleLage in Kitas und Schulen in NRW angespannt

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Von Oktober auf November hat sich die Zahl der Corona-Infektionen in Kitas versechsfacht. 

Düsseldorf – Neue Zahlen zum Infektionsgeschehen an den Kitas alarmieren die Landespolitik. Die Träger fordern das NRW-Familienministerium zu Gegenmaßnahmen auf. Hoffnung macht der bevorstehende Start der Kinderimpfungen. Ein Überblick.

Die Lage in den Kitas

Laut einem Bericht des NRW-Familienministeriums hat sich die Zahl der Corona-Infektionen bei Kita-Kindern von Oktober auf November auf zuletzt 2436 fast versechsfacht. Ähnlich entwickelte sich die Zahl beim Kita-Personal. Sie stieg von 287 auf 1789. Etwa 670000 Kinder haben in NRW einen Kita-Platz.

Die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Freien Wohlfahrtspflege forderte vom Ministerium „entschiedene Vorgaben“. LAG-Chef Frank Johannes Hensel beteuerte, die Kita-Träger unternähmen alles, um Schließungen zu vermeiden. Doch obwohl die Finanzierung von PCR-Lolli-Tests für Kinder schon zugesichert sei, scheitere deren Einsatz vielerorts an den Laborkapazitäten.

Neue Studien

Eine Booster-Impfung senkt das Risiko, an Covid-19 zu erkranken oder zu sterben, deutlich. Das zeigen die Ergebnisse zweier israelischer Studien im „New England Journal of Medicine“. Beide beziehen sich auf den mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer. Experten halten das Ergebnis aber für übertragbar auf andere Impfstoffe.

Eines der Teams verglich die Sterblichkeit von Menschen, die zweimal mit dem mRNA-Impfstoff geimpft wurden, mit der von Menschen, die zusätzlich eine Auffrischimpfung bekommen hatten. In die Studie flossen Daten ein von mehr als einer Dreiviertelmillion Menschen. Sie waren 50 Jahre oder älter, ihre Zweitimpfung lag mindestens fünf Monate zurück. In der Gruppe mit Auffrischimpfung lag das Risiko, an Corona zu sterben, nur bei einem Zehntel im Vergleich zur Gruppe ohne Booster. (dpa)

Das NRW-Familienministerium erklärte, dass trotz der stark steigenden Infektionszahlen aktuell weder verpflichtende Gruppentrennungen noch Einschränkungen des Regelbetriebes geplant seien. Das Land stelle allen Kita-Kindern Selbsttests zur Verfügung. Eine NRW-weite PCR-Pooltestung sei „aus Gründen der Logistik im ländlichen Raum und nicht ausreichender Laborkapazitäten“ ausgeschlossen. Die Kommunen können aber PCR-Tests anbieten.

Die Lage in den Schulen

Als „sehr beherrschbar“ bezeichnet NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) die Lage trotz steigender Infektionszahlen unter Schülern. Sicherheitsmaßnahmen wie das regelmäßige Testen und die inzwischen auf 54 Prozent gestiegene Quote der vollständig Geimpften unter den Zwölf- bis 17-Jährigen erlaubten diese Einschätzung, sagte sie im Schulausschuss des Landtags. Nach wie vor seien die Schulen in NRW „sichere Lern- und Lebensorte“, und fast überall werde Präsenzunterricht angeboten. Keine Schule sei in der Woche zwischen dem 29.November und dem 5. Dezember vollständig geschlossen gewesen. Unter den Lehrkräften wurden laut Gebauer zuletzt 1171 Corona-Fälle gezählt – 161 mehr als in der Woche davor. Pandemiebedingt konnten drei Prozent der Schüler nicht am Präsenzunterricht teilnehmen (Vorwoche: 2,6). Die Schulen meldeten 17063 Corona-Fälle unter Schülern, das entspricht 0,84 Prozent. 33918 Schüler befanden sich in Quarantäne, in der Woche zuvor waren es 30100.

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Gebauer versuchte Befürchtungen zu zerstreuen, dass den Schulen bald nicht mehr genügend Antigen-Selbsttests oder PCR-Lolli-Tests zur Verfügung stehen könnten. „Wir haben sichergestellt, dass das Test-System so lange in Anspruch genommen werden kann, wie wir es benötigen“, sagte sie. „Wir sind mit Netz und doppeltem Boden ausgestattet.

Sigrid Beer (Grüne) erinnerte daran, dass zuletzt insgesamt mehr als 60000 Schüler in NRW pandemiebedingt nicht am Präsenzunterricht teilnehmen konnten – 8000 mehr als in der Vorwoche. Außerdem seien die Inzidenzen unter Kindern und Jugendlichen vielerorts immer noch extrem hoch.

Die Kinderimpfung

Eine Woche vor Weihnachten, am 17. Dezember, beginnt In den Impfstellen der Kommunen die Immunisierung von Kindern zwischen fünf und elf Jahren. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sprach von einer „sehr guten Nachricht“. Impfberechtigt sind in dieser Alternsgruppe etwa 1,15 Millionen Kinder. Eltern können sich entweder an Kinder- und Jugendmediziner wenden oder die kommunalen Impfangebote wahrnehmen. Um die Planbarkeit für die Eltern zu erhöhen, werden bei den kommunalen Impfstellen mindestens die Hälfte der Kinderimpfungen mit Termin vergeben, so das Ministerium. Der Abstand zwischen der Erst- und der Zweitimpfung mit dem Kinderimpfstoff von Biontech sollte drei Wochen betragen.

Eine Expertin des Gesundheitsministeriums stellte klar: „Wir bieten diese Impfungen an in Abstimmung mit dem, was die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt. Aber sollte die Stiko eine Einschränkung vornehmen, werden wir trotzdem für alle Kinder die Möglichkeit schaffen, in den Impfstellen ein Angebot zu bekommen.“